zurück zum InhaltsverzeichnisFasten als intensiver Bewußtseinsprozeßvon Veit Lindau
Romano Guardini (1943) Das Frühjahr ist die traditionelle Zeit des Fastens. Fasten als ein Weg der körperlichen Reinigung erfreut sich auch in der modernen Gesellschaft einer immer größeren Öffentlichkeit, wenn auch immer noch viel zu wenig, gemessen an der Wirksamkeit. Denn Fasten heilt! Über 90% aller Erkrankungen sind mittlerweile ernährungsbedingt oder mindestens durch Ernährung beeinflussbar. Wir behelfen uns viel zu oft mit Pillen und kostspieligen Behandlungen, anstatt auf die vielleicht einfachste und effektivste Selbstheilungsmethode zu vertrauen. Das Fasten ist wahrscheinlich die älteste uns bekannte Heilmethode. Schon große Ärzte wie Paracelsus haben damit gearbeitet. In unseren Fasten - Kursen erleben wir immer wieder, wie Gicht-Finger und Rheumagelenke von Teilnehmern nach einigen Tagen wieder schmerzfrei zu bewegen sind, wie andere Menschen ihre Blutdruckmedikamente komplett absetzen können oder langwierige Hauterkrankungen einfach verschwinden. Wer noch nie gefastet hat, hat oft Angst vor Hunger und Entzug. Wer einmal richtig und sorgfältig gefastet hat, weiß, dass die Intelligenz des Körpers spätestens nach zwei Tagen begriffen hat, um was es geht und ein völlig anderes Programm einschaltet. Anstatt den Hunger zu intensivieren, wendet sich die Aufmerksamkeit nach Innen. Fettspeicher, alte oder schlecht funktionierende Zellen werden abgebaut und gemeinsam mit abgespeicherten Umweltgiften ausgeschieden. Die Membranen unserer Zellen erleben im wahrsten Sinne einen Frühjahrsputz. Dabei spielen energiereiches, sauberes Wasser, entgiftende Substanzen und frische Luft eine entscheidende Rolle. Bei längerem Fasten reinigt und öffnet sich auch unser Energetisches System. Die universellen Energie (Chi, Atman) kann wieder freier durch unsere Kanäle fließen. So berichten Teilnehmer unserer Fasten- Retreats immer wieder über eine feinere Sensibilität und Offenheit, die es ihnen möglich macht, die zum Beispiel in Luft und Wasser enthaltenen Vitalkraft klarer zu spüren und aufzunehmen. Atemübungen, Yoga, meditative Teezeremonien und Baden im Fluß oder Meer können diese Offenheit verstärken. Die Essener, eine esoterische jüdische Gemeinde, die vor ca. 2000 Jahren lebten und die Schriftrollen vom Toten Meer verfassten, wussten um diese tieferen Zusammenhänge. Ihr Leben basierte auf einem tiefen Wissen um das „Eine“ Gesetz, das alles Sein in diesem Kosmos bestimmt. Sie riefen bewusst die „Engel des Wassers und der Luft“ als Unterstützung dieser ganzheitlichen Reinigung an. Nun kann man an Engel glauben oder nicht. Fastenretreats werden von Menschen mit sehr unterschiedlichen Weltanschauungen besucht. Doch nach einigen Tagen, wenn der Körper feiner spürt und die Seele freier lauscht, wird es eigentlich jedem offensichtlich, dass der Wind mit uns spricht oder dass beim morgendlichen Bad in den kalten Fluten ein Informationsaustausch zwischen dem Wasser und unserem Wesen stattfindet, der unser Verständnis übersteigt. Die Essener wussten, dass die Wirkung des Fastens weit über die körperliche Ebene hinausgeht. Ihre Lehre enthält tiefe Konzepte der Veden, der Upanischaden , des Buddhismus und des ursprünglichen Christentums. Sie waren als Propheten und Heiler bekannt. Für sie war das Fasten eine wichtige Methode das Erleben ihrer Einheit mit Gott zu vertiefen. „Wenn ihr wollt, dass das lebendige Wort Gottes und seine Macht in euch eindringen kann, dann beschmutzt nicht euren Körper und euren Geist, denn der Körper ist der Tempel des Geistes und der Geist ist der Tempel Gottes.“ Jeder Fasten- Erfahrene weiß um die seelische Wirkung dieses Prozesses. Wirkliches Fasten bedeutet, nicht nur Nahrung, sondern auch andere Ablenkungen loszulassen. Um die spirituelle Wirkung zu vertiefen, ist ein Fasten in Natur und Stille sehr zu empfehlen. Der Akt des Fastens kann so zu einer bewußten, mystischen Opferung unseres Körpers werden. In Verbindung mit Stille intensiviert sich der Prozeß. Die sogenannten Fastenkrisen werden zu wertvollen Lektionen des Loslassens und der Hingabe. Im bewußten, positiven Entsagen stirbt unser Ego kleine und große Tode. Die Energie, die wir normalerweise in die Süchte unseres Körpers und unseres Verstandes legen, steht plötzlich frei zur Verfügung und kann sich ihrer Quelle zuwenden. Unterstützt durch Meditation wird das sonst so aktive System endlich so still, dass wir wahrnehmen können, was schon immer da war: unsere Einheit mit Allem. Auch die seelische Heilung und Reinigung verläuft beim Fasten ohne Einmischung wie maßgeschneidert: Von ganz allein werden wir feinfühliger, intuitiver. Ob sehr klare, eindringliche Träume, intensive emotionale Erfahrungen, Visionen, Einsichten oder ein Zustand von Weite, jede dieser Erfahrungen führt weiter zu einem tieferen Gleichgewicht. Nach zwölf Jahren Fastenerfahrung kann ich sagen: Die entschlossene Hingabe an den Prozeß ist mindestens genauso wichtig wie ein wohldurchdachter Ablauf. Wer sich ganz auf das Fasten einläßt, wird ohne kontrollieren oder steuern zu müssen, Schritt für Schritt geführt. Es ist ein erstaunliches Wunder, mit welcher Intelligenz Körper und Seele den Prozeß der Heilung und Ausbalancierung vollziehen. Wer innerlich einen Schritt zurücktritt und dies geschehen läßt, kehrt mit vertieften Vertrauen in das Leben aus dem Fasten zurück. Darin liegt für mich das größte Geschenk. Veit Lindau Psych. HP, leitet seit zehn Jahren ganzheitliche Fastenkurse in Stille, mit Konzentration auf den Bewusstseinsprozess beim Fasten
Info: www.fasten.terralibra.net
|