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Bäume helfen Bäumen von der Landschaftsmalerin und Musikerin Trude Saltuari Lärche, dein Haar im Wind, ungekämmte Gestalt, dein Sauselächeln, du Grüne, uralt. Zerklüftete Rinde, gewaltig dein Schuh, Rotholzige, Starke, im Tanz du. Dem Sturm sein Spiel, dein Rauschen und Wehen, in deiner Mitten die Bergfeen. Dieses Gedicht schrieb ich, nachdem ich mehrere Nachmittage im Lärchenwald gesessen und gemalt hatte. Ich fühlte mich so voller Kraft und gelöst, fühlte mich wirklich verwandt mit den großen Schwestern, diesen Lebewesen genannt Lärchen, die da standen und die Welt verzauberten, ihr Frische und Schönheit verliehen und die mir dazu verhalfen, auch groß und durchlässig zu werden, dem Himmel näher zu kommen, gut auf dem Boden zu stehen und weit offen zu sein. Im „Totenwaldele“, so heißt besagter Lärchenhain, gibt es eine Baumgruppe, die wie in einem magischen Viereck zusammensteht, wie zum Gespräch untereinander. Diese vier hohen Rauschelärchen erschienen mir einmal im Traum: Sie schüttelten sich und lachten und brachten Verse hervor, die sie abwechselnd sangen. Für den Rest jener Nacht blieb ich wach und bemühte mich, die Verse der Lärchen zusammen zu bringen. Aber sie waren fort. Umso mehr freute es mich, als mir eine Freundin ein Lied brachte mit genau den Versen, die die Lärchen ausgesprochen hatten, und wir sangen es. Es gibt viele Baumgeschichten in meinem Leben. Als ich als Landschaftsmalerin auf Motivsuche unterwegs war, fand ich einen versteckten, zauberhaften Ausblick. Vom oberen Wiesenrand aus sah ich einen blühenden, tanzenden Kirschbaum. Ich malte ihn und er sprach zu mir ganz unvermittelt. Ich war berührt, angeregt, verliebt; ich konnte nicht anders, ich musste immer wieder „meinen“ Kirschbaum besuchen und ihn wieder und wieder malen – ein ganzes Jahr lang, zu allen Jahreszeiten. Die zahlreichen Besuche bei meinem Baumfreund heilten viele meiner Beziehungs- und Herzenswunden. Immer ging ich, nicht nur mit Bildern nach Hause, sondern getröstet, beschenkt und geliebt. Eines Tages fand ich in einer Rigpa-Zeitschrift einen Artikel über das Tibetbaum-Projekt. Dort stand unter anderem: Im alten Tibet – auf dem „Dach der Welt“ – herrschte ein intaktes ökologisches Gleichgewicht. Doch wurden in den letzten 40 Jahren im gesamten Himalaja-Gebiet, speziell jedoch in Osttibet, massiv Wälder abgeholzt. Dies ist eine wesentliche Ursache für die fast jedes Jahr auftretenden sintflutartigen Überschwemmungen in China und Bangladesch. Die chinesische Regierung hat schließlich im Sommer 1999 einen Abholzungstopp in Osttibet verfügt. Sollen weitere Bodenerosion und schlimmere Überschwemmungen verhindert werden, so muss dringend aufgeforstet werden. Schuldzuweisungen, wie es dazu gekommen ist, sind leicht geäußert. Doch die konkrete Arbeit um der Natur wieder ins Gleichgewicht zu verhelfen, ist wie immer schwierig. Das Tibetbaum-Projekt ist ein Beitrag zur aktiven Eindämmung der ökologischen Schäden. Es wurde ursprünglich angeregt von Seiner Heiligkeit, dem 17. Gyalwa Karmapa, Urgyen Trinley Dorje, und wird von der Tibetisch-Buddhistischen Religionsgemeinschaft im Kamalashila-Institut getragen. Bundespräsident Johannes Rau und der Berliner Künstler Ben Wagin haben gemeinsam mit einem Vertreter Karmapas im September 1999 in Berlin als Zeichen der Unterstützung des Tibetbaum-Projekts einen Wacholder gepflanzt. Im November 1999 wurde mit dem Kloster Tsurphu und den zuständigen Behörden verhandelt. Dabei wurden der finanzielle Aufwand für das gesamte Projekt, einschließlich der Personalkosten, der Kosten für Bodenbeschaffenheit, Bewässerung, der Anpflanzung geeigneter Baumarten und der Schutzmaßnahmen für junge Bäume ermittelt und Klima der Region und Höhenlage untersucht. Im April 2000 sind die ersten Wacholderbäume rund um das Kloster Tsurphu gepflanzt worden… Diese Notiz, zusammen mit einem Aufruf um Spendengelder, hat mich bewogen auch an diesem Projekt teilzunehmen. Kurze Zeit später trat ich mit Padma Wangyal in Briefkontakt, einem in Berlin lebenden Tibeter, der das Projekt leitet und betreut, der mich freundlich informierte und Fotos davon schickte. Nachts im Wachen kam mir die Idee dazu: Es war, als hätten mich all die Bäume dazu bewogen – all die Baumfreunde, die ich voll Bewunderung und zärtlich angeschaut und gemalt hatte. Sie waren da und zeigten mir, wie ich mit ihnen ihren abgesägten und ausgerotteten Brüdern in Tibet helfen konnte… „Bäume helfen Bäumen“ – das war der Titel für mein Vorhaben: Für zwei Monate wollte ich Baum- und Landschaftsbilder besonders günstig verkaufen und den Erlös dem Tibetbaum-Projekt zukommen lassen. Nachdem ich mein Projekt durch Flugblätter bekannt gemacht hatte – und ein kurzer Bericht darüber im Fernsehen gezeigt worden war – meldeten sich die verschiedensten Menschen, sehr interessiert, und beteiligten sich mit dem Kauf von Bildern am Aufforstungsprojekt. Es wurde ein Erfolg, ebenso wie zwei Jahre später die „Bäume helfen Bäumen“-Ausstellung in Bozen. Dort stellte ich zusammen mit der Triestiner Malerin Lucia Losso Baumbilder aus und wir konnten sie recht erfolgreich zu Gunsten des Tibetbaum-Projekts verkaufen. Die Ausstellung wurde von der Südtiroler Tibet-Initiative getragen, und zur Eröffnung war Padma Wangyal anwesend, der das Tibetbaum-Projekt vorstellte und sehr eingehend schilderte. Der Erlös der Ausstellung wurde zusammen mit anderen Spendengeldern dazu genutzt, eine eigene Baumschule, ein Gewächshaus und zwei Gärten im Nennang-Kloster aufzubauen und zu unterhalten. Nennang ist ein Ort zwischen Lhasa und Tsurphu und sein Name bedeutet „Nabel von Dorje Pagmo“, der Schutzgöttin im tibetischen Buddhismus. Es handelt sich um ein einmaliges Mini-Ökosystem auf dem Dach der Welt. In Lhasa gibt es ein Wacholder-Forschungsgelände, das in Zusammenarbeit mit dem WWF entstanden ist. Dort arbeiten zwei junge tibetischen Ökologen, die sich mit Ratschlägen und Supervision am Aufbau der Hochgebirgsbaumschule von Nennang beteiligt haben. Nennang liegt noch höher als Lhasa. Die Bäumchen, die in dieser Höhenlage aufkommen, sind stark und können überall auf dem tibetischen Hochplateau überleben. Zwei Tibeterinnen arbeiten für das Gewächshaus und die Baumschule. Gemüseanbau soll den Eigenbedarf des Klosters decken und übriges Gemüse soll auf den Märkten verkauft werden. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, auf längere Sicht von Spendengeldern unabhängig zu werden. Für die Zukunft besteht der Wunsch, seltene und bedrohte Blumen und Pflanzen in Nennang zu züchten, besonders solche, die in der traditionellen tibetischen Medizin gebraucht werden. Auch für die Herstellung von Räucherstäbchen ist Wacholder sehr gefragt. Es wird auch angestrebt, dass Nennang zum Naturschutzgebiet erklärt wird, da es noch Wildtierbestände und seltene Vogelarten aufzuweisen hat. Viele ökologisch interessierte Menschen, besonders Studenten der betreffenden Sparten, möchten ihr Praktikum oder Studium in Nennang absolvieren. Dafür müssten aber erst noch Unterkunftsmöglichkeiten geschaffen werden, die bis jetzt noch in keiner Weise vorhanden sind. Durch meine Begegnung mit dem Tibetbaum-Projekt ist mir viel klarer geworden, wie sehr alle Wesen und Lebensformen von einander abhängig sind und einander brauchen. Eins bedingt das andere. Je weniger wir uns des Zusammenwirkens aller Lebewesen und Kräfte im gesamten Kosmos bewusst sind, desto größer wird das Ausmaß der Zerstörung, die wir durch kurzsichtige Profitgier und sklavisches Konsumverhalten betreiben. Nicht nur Erdreich kommt ins Rutschen und verliert den Halt, auch unsere Sensibilität und Ganzheit wird entwurzelt und wir verlieren den feinen Spürsinn für die vielfältigen Verwandtschaften im Bereich aller Kreaturen zwischen Himmel und Erde. Wir meinen, wir könnten reich werden durch Ausbeutung der Natur, in Wirklichkeit machen wir uns arm und müssen für unsere große Dummheit viel Leid in Kauf nehmen. Deshalb ist es mir ein Anliegen, den Wert und die Schönheit der Bäume nicht nur wahrzunehmen, sondern auch anderen Menschen Herz und Blick dafür zu öffnen. Man kann einen Baum nie genug schätzen. Er ist ein echter Freund in guten und schwierigen Zeiten, ein Wächter gegen böse Geister und ein lebendes Vorbild echter Selbstlosigkeit. Mehr Info zum Tibetbaum-Projekt: Padma Wangyal, Manteuffelstr. 17 II, 12203 Berlin, tel. 030-7912947, E-Mail: tibetbaum@gmx.sw Mehr Info zur Aktion „Bäume helfen Bäumen“ und zum Verkauf der Baumbilder: Trude Saltuari, Nazario-Sauro-Str. 10, I-39100 Bozen, Italien, tel. 0039-0471-262703 |