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Erfahrungen mit der Dunkeltherapie – Elf Tage Exerzitien mit Fasten in Dunkelheit

von Konrad Halbig

Es war für mich völlig klar, dass ich eine Erfahrung mit der Dunkeltherapie machen wollte. Als der Termin näher rückte, fragte ich mich, was meine Erwartungen seien. Letztlich reduzierte ich sie auf zwei Punkte und dachte mir, wenn ich diese Erfahrungen machen dürfte, würde ich überglücklich sein: Ich wollte direkten und bewussten Kontakt zu meiner Seele finden und ich wartete auf die Gelegenheit, dass sich mein Geistführer manifestieren und mit mir unterhalten würde, sodass ich ihm viele Fragen stellen könnte. Von Erfahrungen dieser Art berichtet Holger Kalweit in seinem Buch „Dunkeltherapie“ und ich hoffte, dies auch erleben zu dürfen.

Wie so oft im Leben kommt es dann anders als erwartet. Durch das Buch hatte ich eine Menge Fantasien, wie mein Dunkeltherapieprozess ablaufen könnte. Ich möchte mit Hilfe einer Metapher berichten, wie es mir erging: Nehmen wir einmal an, ich gehe in ein Reisebüro und möchte einen 14-tägigen Urlaub buchen. Beim Durchblättern des Katalogs bleibt mein Blick an einem Bild von einem schönen Hotel hängen, direkt am einsamen Strand, die Sonne geht gerade unter. Mir wird klar, dass ich genau das erleben möchte. Voller Erwartungen reise ich zu dem Hotel und beim Einchecken wird mir gesagt, dass sich mein Zimmer in der riesigen Hotelanlage im letzten Block direkt über einer Bäckerei und Wäscherei befindet und dass ich keinen Anspruch auf ein Zimmer vorne am Strand hätte. Da ich flexibel bin, denke ich mir: Das ist auch okay, ich mache halt das Beste daraus. Die ersten vier Tage gehe ich die fünf Blöcke nach vorne zum Strand und versuche den Tag zu genießen. Auf den Dunkeltherapieprozess bezogen heißt das, dass ich mein Harmonium, meine Gitarre, ein Didgeridoo , einen CD-Player, Meditationskissen dabei hatte und mir vorher ein Grundprogramm zusammengestellt hatte.

Zwischen den jeweiligen Übungen ließ ich mir Zeit zum Reflektieren und Entspannen. So verbrachte ich die ersten Tage. Ich begann mit 108 Bensa Sattva Mantras, dann Pause, dann die Merkaba Meditation, dann Pause, Aarti auf dem Harmonium, dann Pause, Atemübungen, Yogaübungen... und viel freie Zeit. Holger kam gegen sieben Uhr abends, aber ich konnte ihm nicht länger als 10 Minuten zuhören, dann verließ mich meine Konzentration, und so einigten wir uns darauf, dass er ab dem nächsten Tag nachmittags kommen würde, was ein Segen für mich war.

Doch jetzt wieder zurück zu der Metapher: Am fünften Tag ergibt es sich irgendwie, dass ich gar nicht mehr zum Strand gehe, sondern dass ich – vielleicht sogar etwas widerwillig – mir die Gegend anschaue, in der mein Zimmer ist. Die Gegend vermittelt wirklich nicht das, was auf dem Photo im Katalog zu sehen war. Einheimische sind bei der Arbeit, Kinder spielen bzw. lärmen auf der Straße und die Straßencafes machen einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Ich brauche einige Zeit, doch irgendwann merke ich, dass diese Leute hier lebendig sind und dass der Kontakt mit ihnen herzlich ist, dass hier das Leben intensiver gelebt wird als am überfüllten Strand. Und so verbringe ich die Zeit bis zur Abreise in dieser Gegend und gehe auf Entdeckungsreisen.

Auf den Prozess bezogen heißt das, da ich absolut keine Außenreize hatte, wurde mein Verstand um einiges ruhiger und ich verspürte das Bedürfnis, meine Vergangenheit zu ergründen. Als zielorientierte Person betrachtete ich es eher als Energieverschwendung, mich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, wenn man noch berücksichtigt, wie viele Therapien ich schon hinter mir hatte – einige Jahre war ich ein „Therapie-Junkie“ gewesen. Jetzt beschäftigte ich mich mit der Vergangenheit, nicht um irgendetwas zu erreichen, also nicht auf ein hin Ziel orientiert, oder um Heilung zu erfahren, sondern weil ich nach einem längeren Gespräch mit Holger verstanden hatte, dass die an dem Lebensprozess selbst orientierten Menschen anders an das Leben herangehen, es anders sehen und anders leben, als ich es als ein auf Ziele ausgerichteter Mensch tue. So begann ich meine Vergangenheit nach unterschiedlichen Gesichtspunkten zu untersuchen. Ich hatte dies in vielen verschiedenen Therapien schon getan – diesmal widmete ich dem viele Stunden, ohne eine Erwartung dabei zu haben.

Ich war fasziniert und spürte, dass ich meine Wurzeln nicht kannte. Ich hatte bereits wieder vieles aus meiner Kindheit verdrängt, was ich vor 1986 mit verschiedenen Therapien mühsam ans Tageslicht geholt hatte. Hier in der Dunkelheit konnte ich Schritt für Schritt die dunklen Ecken in meiner Vergangenheit in einem anderen Licht sehen und hatte viele Aha-Erlebnisse.

Nach ein paar Tagen hatte ich ein klares Seelenbild für drei Minuten. Es war eine weiße, treppenförmige Wohnanlage ohne Fenster, nur mit Türen, vor einem klaren blauen Himmel. Tiefe Freude kam auf und ich konnte mich nicht satt daran sehen. Ich dachte immer nur, da will ich wohnen. Anschließend kamen bizarre Bilder, die mich nach einer Stunde langweilten und keine Emotionen auslösten. Auch Licht konnte ich sehen, manchmal war es klar, doch meistens war es nicht stabil.

Ab dem achten Tag kam des Öfteren am Tag für ca. 10 Minuten das klassische Bild, in einer Höhle zu sitzen, was, wie ich gehört hatte, oft der Beginn eines langen Prozesses ist, wobei die Seele beginnt sich vom Körper zu lösen. Doch auch dieses Bild stabilisierte sich nicht. Natürlich hätte ich gerne erlebt, wie sich die Seele vom Körper trennt und bewusst auf Reisen geht, doch auch so bin ich in diesem Prozess sehr reich beschenkt worden. Von daher konnte ich es völlig akzeptieren, keine Seelenreise erlebt zu haben. So habe ich den Prozess am 11. Tag beendet.

Als Abschluss fuhr Holger mit mir zusammen zu einer keltischen Kultstätte. Wir zelebrierten ein Abschlussritual an einem großen runden Stein, der ca. zwei Meter hoch war, zwei Meter im Durchmesser maß und oben eine relativ große Mulde aufwies. Dieser Stein symbolisiert die große Urmutter und in der Mulde wurden bzw. werden ihr Gaben geopfert. Es war meine erste Begegnung mit einer keltischen Kultstätte und als Abschluss meiner Dunkeltherapie-Erfahrung ein großes Geschenk. Ich spürte den Wunsch, mehr über unsere wirklichen Wurzeln zu erfahren. Anschließend zeigte Holger mir verschiedene Stierkopfgräber und erklärte mir, wie sie angeordnet sind und die Bedeutungen.

Fazit: Anders als geplant, bin ich sehr reich beschenkt worden. Die Dunkeltherapie ist eine sehr direkte Methode, sich selbst ohne Maske zu erfahren. Ich fühle im Moment eine tiefe Ruhe und wünsche mir, dass ich die gewonnenen Erkenntnisse in meinen Alltag integrieren kann. Ich möchte gerne zu gegebener Zeit eine weitere Erfahrung in Dunkeltherapie machen, weil sie mich sehr schnell an den Punkt bringt, um den es geht. Dunkeltherapie ist nicht zu vergleichen mit einer klassischen Therapie-Erfahrung oder mit der Idee, alte Erinnerungen aus früheren Leben wieder zu beleben, sondern es lösen sich viele Strukturen einfach auf, da es keine Außenreize gibt. Dunkeltherapie bietet die Chance, Neuland zu betreten und die gewohnten Pfade ein Stück weit zu verlassen.

 

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