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In Costa Rica: flexible Planung

Von TED ROSE (aus der New York Times 2004)

Mein Bett war zusammengebrochen, die Sonne war noch nicht hervorgekommen und ein unbarmherziger Wind heulte immer weiter um das altersschwache Häuschen in Las Pailas, Costa Rica. Ich sah meinen Freund Josh an und zwei Wörter zwischen uns reichten: Pura Vida.

„Pura Vida“ ist ein spanischer Ausdruck, der „reines Leben“ bedeutet. In Costa Rica, wo ich im Januar herumreiste, ist es als ein fröhlicher Gruß oder auch eine ebensolche Antwort gebräuchlich („Wie geht's?'' - „Pura vida!''). In diesem Moment, als wir uns unterhalb eines wolkenverhangenen Vulkans berieten, bedeutete Pura Vida für uns konkret: eine Möglichkeit, diesen Tag in einem feudalen Yoga-Zentrum zu beschließen.

Während ich diese Reise plante, hatte ich von mehreren erfahrenden Yoga-Schülern interessante Dinge über „Pura Vida Spa“ gehört. „Dort kannst du mit Blick in ein unglaubliches Tal Yoga machen“, schwärmte Lori, eine unserer Reisegefährtinnen und Yogalehrerin, die Pura Vida, in dem sie im Jahr zuvor zu Besuch gewesen war, wärmstens weiterempfahl. „Ich zumindest habe mich in meinem ganzen Leben nie friedlicher gefühlt als dort.“

Ich war gar kein so engagierter Yogaschüler, aber die Vorstellung einer solchen Reise in die Tropen war doch verlockend.

Lori hatte den Abstecher zum Vulkan ausgelassen und war schon einige Tage früher ins Pura Vida-Zentrum gefahren. Jetzt folgten ihr Josh, unser Freund Mike und ich.

Emilio, unser Taxifahrer, zauberte uns drei in seinem zerbeulten grünen Hyundai aus dem Lande der Wolken hinaus, beim Anblick eines jeden Mädchens über 12 wild hupend. Endlich fuhren wir in die Berge hinauf. Eine asphaltierten Straße wurde zum Weg, von armseligen Hütten gesäumt. Emilio hielt vor einem imposanten, von Stacheldraht umgebenen Metalltor. Ich murmelte nervös etwas in eine Sprechanlage und das Tor öffnete sich.

Pura Vida Spa umfasst ein mehrere Quadratkilometer großes Gelände rund um einen Berggipfel herum, mit Aussicht auf das Haupttal Costa Rica's, in dem sich die Hauptstadt San Jose ausdehnt. Als wir aus Emilio's Auto ausstiegen und taumelnd die ersten Schritte taten, fiel mir auf, wie großzügig und gepflegt alles war. Ich fühlte mich ziemlich unzentriert und unrasiert.

Wir wurden von Minor Hidalgo begrüßt, einem sehr geschäftsmännischen Costa-Ricaner, Pura Vida's Verwaltungschef. Herr Hidalgo schüttelte uns herzlich die Hand und sprach Englisch mit uns, wobei er zwischendurch auf Spanisch höflich, aber bestimmt Emilio's Bitte um ein Extra-Trinkgeld ablehnte.

Nachdem Mike und ich uns in einem einfachen Zimmer mit zwei Einzelbetten und Blick auf das Tal eingerichtet hatten, machte ich mich auf, um mir einen Überblick über die Gegend zu verschaffen. Wir hatten vor, ein paar Tage zu bleiben; ich erfuhr, dass die meisten Gäste eine Woche in Pura Vida bleiben, mit An- und Abreise samstags. Es waren hauptsächlich Amerikaner, die per Flugzeug kamen, um einen bestimmten Kurs zu besuchen, der von ihrem Yogalehrer oder einem landesweit bekannten Lehrer geleitet wurde.

Bei jedem Kurs gibt es einen unterschiedlichen Zeitplan mit bis zu fünf Yogaübungseinheiten pro Tag. Wir nahmen am hauseigenen Yogakursangebot teil, das „Köper/Geist/Seele-Abenteuer“ betitelt war und aus einzeln besuchbaren Übungszeiten morgens und abends bestand.

Da wir während der nachmittäglichen Kurszeiten ankamen, traf ich erst abends im Speisesaal auf die anderen Gäste. Ich hatte ein junges, vorwiegend weibliches Klientel erwartet, sah mich aber stattdessen inmitten älterer Menschen beiderlei Geschlechts.

Mir fiel ein Tisch auf, um den Menschen mittleren Alters gruppiert waren, in eine Diskussion vertieft, bei der ein dünner älterer Mann mit spitzem grauem Bart im Mittelpunkt stand. Ich erfuhr, dass es sich um eine Kundalini-Yoga-Gruppe aus Austin, Texas, handelte, Teilnehmer eines Kurses namens „Prajna im Paradies“.

Ich studierte den Wochenplan, der im Essbereich aushing. (Diese Informationen waren auf Englisch, so wie praktisch auch jegliche Kommunikation im Zentrum auf Englisch stattfand.) Außer den Yogagruppen gibt es in Pura Vida auch abendliche Angebote für alle Gäste, sowie hin und wieder Tagesausflüge zu interessanten Orten in der Umgebung. Ich hatte ein Gefühl, wie wenn ich an Bord eines New-Age-Kreuzfahrtschiffs gelandet wäre.

Das Angebot an diesem Abend - Salsa-Unterricht - nahm ich nicht wahr. Ich zog mich lieber früh zurück, da ich davon ausging, dass die morgendliche Yogastunde intensiv sein würde und ich ausgeschlafen erscheinen wollte.

Die normalen Gästezimmer in Pura Vida finden sich in den südlichen Gebäuden. Westlich liegen preiswerte Behausungen, und zwar auf Dauer aufgeschlagene Zelte (Tentalows genannt) mit Gemeinschaftsduschen und -WCs. Östlich ist die teuerste Übernachtungsmöglichkeit zu finden: eine japanische Pagode mit extragroßem Luxusbett, einem extra Wohnzimmer und einem eigenen Whirlpool.

Einzelne Holzhäuschen mit einem bis drei Stockwerken beherbergen jeweils die Gästezimmer „mittlerer Kategorie“, jedes mit eigenem Bad und das dreistöckige zusätzlich mit Wohnzimmer. Unser Zimmer, eine „Vista Suite“, befand sich in einem einfachen einstöckigen Gebäude im Südosten und entsprach ansonsten der Einrichtung der zweistöckigen Häuser.

Des weiteren finden sich auf dem Gelände Annehmlichkeiten für die Gäste wie Gärten, die sich für Spaziergänge anbieten, ein kleineres Schwimmbecken, ein Heißwasserbecken unter freiem Himmel und ein Aufenthaltsraum mit Fernseher.

Und dann natürlich die Yogabereiche. Es gibt in Pura Vida fünf auf dem Gelände verteilte Yogaräume. Im größten und eindrucksvollsten davon, der „Ananda-Halle“, findet unser Kurs morgens um 6.30 Uhr statt. Sie ist so groß wie zwei Basketballfelder und hat einen einfachen Holzboden und an drei Wänden Schiebefenster mit eindrucksvollem Blick über das Tal.

Unser Kursleiter, Michael, führte mit uns 15 Menschen den Sonnengruß aus, während die Sonne auch tatsächlich über den Hügeln zur Linken aufging. Nach mehreren Jahren eher unregelmäßigen Yogakursbesuchs würde ich mich als einen fortgeschrittenen Anfänger bezeichnen. Ich fand Michael's Hatha-Yoga-Kurs schön strukturiert und nicht zu anspruchsvoll. Als wir über eine Stunde später aus dem abschließenden Liegen wieder aufstanden, fühlte ich mich angenehm erfrischt und bereit für's Frühstück.

Im Morgenlicht zeigte sich der Speisesaal eingerahmt von einem minzgrünen Kaffeefeld gleich unterhalb der Fenster. Ich genehmigte mir eine Schale geröstetes Müsli mit Biojoghurt, mehrere Scheiben Ananas und ein Glas Orangensaft - nur einer der frisch gepressten Säfte im Angebot.

Das Essen in Pura Vida war durchweg einfach, frisch und gesund. Bei allen Mahlzeiten konnte man sich am Büffet selbst bedienen. Es gab wenig Fleisch. Ein typisches Abendessen bestand z.B. aus einer Gemüsepfanne mit Tofu, braunem Reis, gedünstetem Gemüse und Spinatsalat. Wein oder Bier war an einer Theke ein Stockwerk tiefer gegen Bezahlung erhältlich.

Abgesehen von Yoga und den Mahlzeiten gab es nichts zu tun. An diesem Nachmittag nahmen einige Gäste, die sich dafür angemeldet hatten, an einem Ausflug zu einem Handwerker-Dorf in der Gegend teil. Meine Freunde und ich veranstalteten eine spontane Foto-Session in der „Lila Halle“, einer Yogafläche unter freiem Himmel. Sie war von tropischen Pflanzen umgeben und wurde von zwei tropischen Vögeln, Toucans, bewacht. Zwischendurch kam es zu einer kleineren Krise, als der eine der Vögel, Max, aus der Voliere entfloh und ins angrenzende Gebäude entkam. Zum Glück gelang es mir, ihn auf meinem Arm sitzend wieder in die heimatliche Voliere zu befördern. Den Rest des Tages verbrachte ich hauptsächlich lesend am Pool.

Mir gefiel die Schlichtheit des Zentrums. Bezüglich des Preis-Leistungs-Verhältnisses war ich mir aber nicht sicher. Es mag von karmischem Wert sein, als Gast ins Säubern der Yogaräume einbezogen zu werden und die ganze Woche lang in der gleichen Bettwäsche zu schlafen. Diese Erfahrung kostet allerdings beispielsweise 2 Personen $ 314 (ca. € 300) bei einer Woche Übernachtung im Zelt.

Mich beruhigte es auch nicht, als ich auf eine Seite im Gästebuch stieß, auf der die Rede von günstigeren Angeboten bei wiederholten Besuchen war. Es fand sich auch ein Eintrag eines englischen Paares auf Hochzeitsreise, das bei einem Zimmerpreis pro Nacht von $ 500 einen 5-Sterne-Luxus erwartet hatte und sich angesichts dessen, was es vorfand, leicht entsetzt zeigte.

Pura Vida wurde ins Leben gerufen und ist noch immer Eigentum von Michael Clegg, geboren in Florida, der, wie er in seinem (u.a. autobiografischen) Buch „Von der Zwiebel zur Perle“ (1996) schreibt, während Verbüßens einer 7-jährigen Haftstrafe wegen Verkaufs der Droge Ecstasy im Jahre 1992 spirituell erwachte. Er berichtet, dass sein Eigentum zum größten Teil beschlagnahmt wurde; sein Besitztum in Costa Rica konnte er sich jedoch erhalten. Nach seiner Freilassung 1996 fing Satyam Nadeen (wie er sich nun nannte) an, auf seinem Grund und Boden in Costa Rica selbst Seminare im Bereich ‚persönliches Wachstum' anzubieten. Seit mehreren Jahren leiten nun verschiedene Yogalehrer Kurse in Pura Vida.

Am Samstag war An- und Abreisetag. Auch meine Freunde reisten ab; ich hingegen blieb noch ein paar Tage und genoss ein weiteres der Angebote in Pura Vida: das Wellness-Center. Viele der Yogalehrer geben auch Massagen der verschiedensten Richtungen, wobei sich eine wahrlich verlockende Angebotsvielfalt mit exotischen Namen wie ‚Golden Glow' und ‚Cloud Forest Magic' ergibt.

Da ich doch ein wenig unter Muskelkater litt, entschied ich mich für eine Ganzkörper- und Bindegewebsmassage durch Janet Jenkins, die in der Ausbildung von Mitarbeitern des Zentrums tätig war. Ich genoss ihre feste, erfahrene Art der Berührung und auch das Aromatherapie-Massageöl, das sie speziell für diesen Tag zusammengestellt hatte.

Beim Abendessen fand ich im Speisesaal statt der Kundalini-Gruppe aus Texas eine Gruppe älterer Menschen aus Washington vor, die T-Shirts mit Bären darauf trugen (ihr Kursname: „Yoga erträglich gemacht“ - Engl. „bearable“, daher Bären). Ich begegnete auch einer Gruppe junger, athletischer Frauen, die an einem Vinyasa-Yoga-Kurs teilnahmen, wobei es um Serien fließend ineinander übergehender Haltungen geht. Dieser Kurs wurde von einem Mann aus Delaware mit einer starken Ausstrahlung geleitet. Ich suchte Zuflucht bei bekannten Gesichtern des Mitarbeiterteams. „Jede Woche“, erzählte mir Janet beim Essen, „ist das ein spürbarer energetischer Wechsel.“ Ein anderes Teammitglied erzählte, dass für ihn Pura Vida eine wahre Phantasie-Insel sei.

Herr Hidalgo sagte, dass diese Woche mit 7 gleichzeitig stattfindenden Kursen die am meisten ausgebuchte in der Geschichte von Pura Vida war. Ich hatte festgestellt, dass die meisten Kursleiter nichts gegen vereinzelte Probebesuche ihrer Kurse durch einen Gast hatten, und suchte mir dafür Gruppen mit einem anspruchsvolleren als dem „Körper/Geist/Seele“-Programm aus. Bezüglich Intensität und Qualität des Unterrichts stellte ich bei den verschiedenen Leitern große Unterschiede fest.

Als meine vier Tage vorbei waren, öffnete sich das Metalltor von Pura Vida für mich, und ich kehrte in die Außenwelt zurück. Abgesehen davon, dass ich mich hinsichtlich der Preise am Kopf kratzte, fühlte sich mein gedehnter, gekneteter und ausgeruhter Körper fantastisch - wie der Körper eines Fans - an.

Preise, Anreise, Angebote und Informationen:

Pura Vida Spa in Alajuela, Costa Rica, liegt eine 20-minütige Taxifahrt von San José International Airport entfernt. Das 7-Tage-Programm „Körper/Geist/Seele-Abenteuer“ kostet ab $ 1.100 pro Person inkl. Vollpension, Übernachtung im Doppel-„Tentalow“ mit gemeinschaftlich genutzten sanitären Anlagen, Yoga- und Bewegungskursen, geführten Meditationen, einer 1-stündigen Massage, zwei Halbtagesausflügen „Öko-Abenteuer“ in den Regenwald, einem Ganztagesausflug zum Süßwasser-Rafting oder einem Tag am Punta Leona-Strand, drei Anti-Aging-Kursen und Transfer vom und zum Flughafen. Für fünf Nächte ist dies ab $ 699 erhältlich. Zusätzliche Massagen kosten mind. $ 70 pro Stunde und es werden - zusätzlich zu bezahlende - weitere Tagesausflüge angeboten. Bei Einzelübernachtungen inkl. Verpflegung liegt der Preis bei mind. $ 95; Kurse kosten je $ 10. Die japanische Pagode, die teuerste Unterbringungsart, kostet als Doppelzimmer $ 2.000 pro Person und Woche. Informationen: R&R Resorts, Tel. 001-888-767-7375, Fax 001-770-785-9260, www.puravidaspa.com.

Korrektur: 13. April 2003: In einem Artikel vom 30. März über Pura Vida Spa in Costa Rica wird fälschlicherweise auf eine Gruppe von Gästen und ihr Alter sowie Heimatort Bezug genommen. Der Kurs nannte sich „Yoga Made Bearable“, nicht „Make Yoga Bearable“, und die Teilnehmer stammten aus Milwaukee, nicht Washington. Die Mitglieder waren bis zu 18 Jahre jung, es handelte sich nicht nur um ältere Menschen.

Aus: New York Times, 30. März 2003

Übersetzung: Ulli Berndt

Infos zur Summer Celebration auf Pura Vida!

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