|
|
|
|
|
|
|
Sein mit ZENO – Eine Einladung Worauf wartest du? Ich nehme die Tendenz zum Warten in den Menschen wahr. Das Warten ist eine Form des Widerstands. Es ist ein weibliches Verhalten. Das Weibliche wartet und wartet und wartet. Worauf? Das Männliche geht ins Tun, in das Machen, in das nicht-fühlende Ausagieren. Beide Verhaltensweisen trennen dich von deiner wahren Natur. Wenn du für dich nach innen schaust und ehrlich in dir prüfst, worauf du wartest, ist es nicht so, dass du auf eine Veränderung von außen wartest? Zum Beispiel auf die Liebe? Auf Anerkennung? Du projizierst das Ende des Wartens auf die Zukunft; denn du wartest darauf, dass irgendwann einmal eine bessere Zeit kommt. Das heißt, du wartest auf Erlösung von außen. Du wartest darauf, dass in der Zukunft Befreiung geschieht. An der Oberfläche sieht es so aus, dass häufig Frauen darauf warten, dass endlich der richtige Mann kommt und sie erlöst, dass endlich der Mann kommt, der sie versteht, sieht und von ganzem Herzen liebt. In dieser Warteschleife bist du nichts anderes als eine trauernde Witwe. Das Gleiche gilt für Männer. Nur sieht es anders aus. Das männliche Warten ist erst einmal nicht so offensichtlich, da sich das Männliche in den Intellekt zurückzieht und von da aus die Welt beherrscht und sein Herz. Dieses Warten ist eine Art von Trägheit und tief unter ihr liegt das Warten auf den Tod. Was der Mensch nicht merkt, ist, dass er sich schon längst im Totenreich bewegt, weil er sich nur im Denken, in der Sphäre von Ideen, Vorstellungen und Wünschen aufhält. Dort glaubt er sich sicher. Was ist, wenn das Warten in diesem Moment aufhört? Wenn es von diesem Moment an nichts anderes mehr gibt, als dass du vollkommen anwesend bist – jetzt, nur jetzt? Und du endlich die Stimme in dir hörst, die dich ruft, die Stimme, die dich in die Tiefen deiner selbst zieht? Was ist, wenn du einfach nur dieser Stimme wieder zuhörst! Der Ruf des Lehrers ertönt nicht von außen, er ist nicht laut, sondern er spricht leise von innen. Wenn du das in diesem Moment wahrnimmst, dann kannst du sehen, innerlich sehen und fühlen, dass da jemand ist, der unsagbar geduldig immer auf dich gewartet hat. Dem dient unser Zusammensein. Satsang dient nur der Liebe und der Wahrheit des Seins. Der Weg nach innen ist der Weg der Befreiung und der Nichtanhaftung. Du kannst dann nicht mehr sagen „mein Wille geschieht“, sondern du siehst, dass nur ein Wille geschieht. Du erkennst in all dem, was geschieht, den verlängerten Arm Gottes. Du erkennst deine wahre Natur, die nie getrennt war und nicht getrennt ist. Du bist das, was IST. Sagen wir dazu Gott, das Sein, das Selbst. Aber das ist nur möglich, wenn du keinen Ich-Gedanken mehr berührst und wenn das Ich ganz natürlich dem dient, was IST. Dann herrscht Stille. (ZENO im Retreat auf Ibiza, November 2006) |
|
|
