Krishna Das - Die stillen Namen des Herzens |
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Singen und alles andere loslassen – wie Krishna Das seine musikalische Berufung erlebt. Yoga Aktuell sprach anlässlich der Deutschlandtour mit dem Mann, der das Chanten von Mantren populär machte und zu neuer Blüte erweckte. YA - Yoga aktuell: Wenn Sie mit Menschen singen, tauchen Sie nach innen ein, meditieren, singen sich in Ekstase. Gibt es da eine Technik? KD - Krishna Das: Ja: Ich gebe einfach nur mein Bestes. Egal was sonst gerade ist, welcher Tag es ist, wo das ist oder wo ich gerade herkomme etc. Wenn ich mich niedersetze um zu singen, lasse ich alles Sonstige einfach sein. Ich versuche alle Gedanken, alle Erinnerungen und Emotionen gehen zu lassen. Alles das, was ich den ganzen Tag sonst mit mir herumschleppe. Ich lasse es los und bringe es ganz dem Chanten dar. Und ich richte meine Aufmerksamkeit auf den Vorgang des Chantens. In meinem Fall ist das also das Harmonium vor mir, das ich mit den Fingern presse (mit allen möglichen Fehlern, die dabei passieren) und das Wiederholen der Göttlichen Namen. Ich versuche nicht irgendein Gefühl zu erschaffen oder einen bestimmten Zustand zu kreieren oder eine besondere Atmosphäre, weder für mich noch für irgend jemand anderes. Ich versuche einfach nur die Aufmerksamkeit auf die Mantren und die göttlichen Namen zu richten. Es ist vielleicht, wie wenn man tief in den Wald hineingeht und mit der Zeit sich all die unterschiedlichen Wege ganz allmählich in einem Weg vereinen, der, je weiter man ihn geht, deutlicher und klarer wird, der die Welt ringsum sichtbar werden lässt, aber dennoch gleichzeitig tiefer in den Wald hineinführt. YA: Diese göttlichen Namen, die Namen der Devas... Was passiert auf einer höheren Ebene während des Chanten? Wir rufen sie, wir ziehen sie an. Was passiert da? KD: Ich weiß es nicht. Das Einzige, was ich wahrnehme ist, dass ich ruhiger werde, gegenwärtiger, mehr Frieden spüre und einen Raum, in dem alles existiert. YA: Manche Zuschauer erzählen von visuellen Erfahrungen oder sie sagen, sie sähen jemanden hinter Ihnen. Manche sehen Ihren verstorbenen Guru Neem Karoli Baba hinter Ihnen tanzen. Versuchen Sie, ihn durch Sie sprechen zu lassen? KD: Oh, das klingt toll. Das würde ich natürlich gerne. Aber darüber denke ich gar nicht nach. Ich versuche nur zu singen und mich hinzugeben, versuche loszulassen und in diese, Seine Gegenwärtigkeit einzutauchen. Das ist alles, was ich tue und was ich jetzt im gegenwärtigen Moment tun kann. Und nicht mal das. Wenn ich da hingehe und die Leute da sind oder auch nicht, das macht eigentlich nicht wirklich etwas aus. Ich singe für mich, nicht mal für jemand anders. YA: Sie begannen in Yoga Centern. Anfangs kamen ein paar Zuschauer. Mittlerweile sind es große Veranstaltungsorte, Hunderte, ja Tausende von Zuschauern in den USA. Sie geben nicht nur die Konzerte, sondern auch Workshops und Retreats. Das geht über das Singen weit hinaus. Lehren Sie auch...? KD: Nein, ich lehre die Leute nicht. Ich teile mit dem Singen nur meine eigene Reise. Vielleicht gibt es da etwas Verbindendes, was hilft, jemandes Schmerz oder Last ein wenig zu erleichtern. Und auch mir hilft das, denn ich begreife selbst viel, wenn ich es anderen mitteile. Ich sehe das nicht als „Lehren“, ich wüsste nicht, dass ich etwas Besonderes wüsste oder lehren könnte. Was also die Workshops angeht: Da versuche ich mich mit Menschen auszutauschen, Erfahrungen zu teilen. Die wenigsten können sich einfach hinsetzen und sagen: „Wow, das ist es“. Die meisten von uns haben noch viele Wünsche, Traurigkeit und Leid im Leben. Ein Teil dessen, was ich also mitteilen möchte, ist, dass wir dies nicht vermeiden sollten. Wir sollten die verschiedenen Yogas praktizieren. Aber nicht um all das gewaltsam zu verdrängen oder sich vorzustellen, dass dies alles vorbei ist, ohne dass man dem Achtung geschenkt hat. YA: Dennoch nehmen sicherlich etliche dies als eine Art Lehre auf und Sie werden dann schnell (doch) zum Lehrer. Und vom Lehrer ist es dann oft nur noch ein kleiner Schritt zum Guru... Haben Sie keine Angst, für manche eine Art Guru zu werden? YA: Sie sprachen davon, wie wichtig es ist, uns selbst zu lieben. KD: Es scheint, als ob vielen von uns, obwohl unsere Eltern uns wirklich geliebt haben, doch unbewusst übertragen wurde, dass wir so, wie wir sind, nicht genug sind. Dass wir von außen her noch etwas bekommen oder erlangen müssen, um glücklich oder vollständig zu sein. Jeder versucht also etwas zu machen oder zu kaufen. So wie auch ein Auto für eine Weile eine Art Glück bringt, eine Art Vergnügen. Wir sind also von dieser Vorstellung durchdrungen, dass wir nicht genug sind, so wie wir sind. Uns wurde nicht vermittelt, uns selbst zu betrachten. Meine Eltern waren von dieser Welt begeistert und von dem Versuch, diese zu meistern. Aber wir lernen nicht, wie wir das anstellen sollen. Den Prozess umzukehren und nach innen zu schauen ist eine große Sache. YA: Sie hatten mal den Wunsch, ein großer Rock Star zu werden. Dies hat sich dann zunächst nicht so umgesetzt. Nun sind Sie weit über die Yoga Szene hinaus bekannt und sogar berühmt geworden. KD: Da war immer ein verborgenes Gefühl in mir, berühmt zu werden. Dies wurde mir in einer Art gegeben, wie es hilfreich für mich war und nicht zerstörerisch. Und offenbar ist es auch für andere dann hilfreich. So wird also hinter den Vorhängen gearbeitet, so arrangiert das Universum. Aber ich konnte nicht dieser Rock Star werden. Dafür war ich zu neurotisch, zu selbst zerstörerisch. Ich hätte dort keinen Erfolg gehabt. Ich hätte dort nicht bekommen, was ich wollte, hätte mich noch mehr zerstört, als ich dies ohnehin schon getan hatte. Erst die Begegnung mit meinem Guru half mir zu erkennen, dass ich leben kann und dabei auch nach innen gehen kann. Aber erst 20 Jahre später nachdem mein Guru seinen Körper verlassen hatte, begann ich zu singen. Er starb 1973. Und ich habe erst 20 Jahre später angefangen, öffentlich zu singen. Vorher war mein Singen eher emotional oder mit Tränen verbunden, ohne wirkliche Anstrengung. Ich verlor mich eher in Traurigkeit. Aber er gab irgendwie nicht auf mit mir, er öffnete mich, und dann kam der Punkt, an dem mir klar wurde, ich mussteeinfach singen, schon allein zum Wohle meines eigenen Herzens. Sonst hätte ich wohl nie Licht in diese inneren Orte voller Dunkelheit gebracht, die es zu erhellen galt. Fragen Sie mich bitte nicht warum. Ich habe da so viel Stolz, Unsicherheit und brauche so viel Liebe, Aufmerksamkeit und Zuneigung, dass, wann immer ich vor Leuten sitze, ich nicht anders tun kann, ich muss einfach mein Bestes geben. Es hat wohl das Universum auf diese Art und Weise arrangiert, dass ich mir selber helfen konnte. So jedenfalls erscheint es mir. Es wäre natürlich toll, ich säße hier und könnte sagen, ja, ich hatte da eine Vision, ich müsste singen, um die Menschheit zu retten... Damit würde ich wahrscheinlich mehr verdienen oder die Massen ansprechen. Aber dann müsste ich all das „Gepäck“ noch mittragen. Ich kann ja das „Gepäck“, das ich jetzt habe, schon kaum tragen. Ich hätte dann noch mehr „Gepäck“ und versuche ja gerade das meinige loszuwerden. Dieses Interview erschien ursprünglich im Magazin Yoga-Aktuell. www.yoga-aktuell.de
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