Terre de Sacha - zu Gast bei der erleuchteten Meisterin Shantimay

Wir ließen Energy World hinter uns und fuhren bei brütender Hitze 1000 km weiter nach Süden bis Perpingnan und schließlich bis Ceret nahe an der spanischen Grenze.

. Wir hofften, Shantimay in ihrem Sommercamp anzutreffen, um sie zum 3. Rainbow Festival nach Baden-Baden einzuladen und vielleicht auch ein Interview mit ihr für die Regenbogen-Mandala zu bekommen. Teresa hatte sie vor einem knappen Jahr auf Gomera kennen- und schätzen gelernt. Ihre Satsangs (....) hatte sie als ungemein locker, lustig und doch liebevoll tiefgehend erlebt. Von Shantimay hatte sie das Gayatri Mantra gelernt, und seitdem gehört es zu einer unserer Lieblingsbeschäftigungen dieses Mantra zu singen.

Es war später Nachmittag, als wir in Ceret ankamen. Von hier aus konnte es nicht mehr weit bis zu dem Platz sein, den Shantimay "Terre de Sacha" getauft hatte und auf dem im Sommer ein dreimonatiges Meditationscamp stattfinden sollte. Wir hatten noch ganze sieben Tage für unser Treffen mit Shantimay und für die Rückfahrt. Die viele Autofahrerei hatte uns erschöpft und wir fühlten uns reif für ein paar echte Urlaubstage. Deshalb entschlossen wir uns, ein schönes Hotel zu suchen und dies zum Ausgangsort unserer Ausflüge nach Terre de Sacha zu machen. Die ersten Hotels, die wir fanden, gefielen uns nicht, und mehr und mehr kristallisierte sich in uns das Wunschbild jenes Hotels heraus, das unseren Bedürfnissen entsprach. Es sollte ein Hotel sein, in dem wir uns rund um wohl fühlen konnten, wo man gut essen und ruhig schlafen konnte. An diesem Punkt machten wir zum wiederholten Male jene Erfahrung, die wir in den letzten Jahren zunehmend machen durften. Je klarer unsere Vorstellung von dem, was wir erreichen wollten war, und je ausdauernder wir dieses Ziel verfolgten, um so sicherer war es, dass wir genau das erreichten.

Trotz unserer Erschöpfung und jener zur Bequemlichkeit neigenden inneren Stimme, die auch mit einem Kompromiss zufrieden gewesen wäre, suchten wir weiter und stolperten schließlich über ein Hotelhinweisschild, das Stille und Schönheit versprach. Die Schilder führten uns über viele gewundene Sträßchen schließlich zu einem wunderschön gelegenem Hotel in dem genau noch ein einziges Zimmer frei war. Wir fühlten uns dort sofort wohl und zuhause. Wir spürten, dass die Tage in diesem Hotel für uns von großer Bedeutung sein sollten und waren dankbar dafür, dass unsere göttliche Führung uns hierher geleitet hatte.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu Shantimay. Was auf der Karte eine einfache Sache zu sein schien, war in Wahrheit ein kleines Abenteuer, denn der Weg führte über ganz kleine Straßen und Serpentinen in die Berge, und mehrfach waren wir wieder nah dran, umzukehren, weil wir ernsthaft glaubten uns verfahren zu haben. Schließlich fanden wir einen Feldweg mit dem Schild "Terre de Sacha", der zu einer zum Parkplatz umfunktionierten Lichtung führte. Von dort waren es dann noch mal 15 Minuten Fußweg hinab zu einem ganz einfachen Holzhaus, in dem Shantimay wohnte und gleichzeitig der Meditationsraum und die Küche war. Wir wurden, obwohl nicht angemeldet, ausgesprochen freundlich aufgenommen. Obwohl die Anwesenden gerade das Mittagessen beendet hatten, wurde für uns eigens noch ein Salat angemacht und uns ein Platz im "Essraum" zugewiesen. Bevor wir diesen "Raum" betreten durften, mussten wir freilich die Schuhe ausziehen, was zunächst Verwunderung in uns auslöste, weil dieser Raum sich nicht im Haus befand, sondern ein einfacher Platz unter freiem Himmel war. Gleichzeitig empfanden wir diese Geste als sehr angenehm, denn wir fassten sie als Hinweis, auf jeden Ort den wir nutzen, auch entsprechend zu ehren. Kurz darauf entdeckten wir Shantimay, die an einem kleinen Tisch auf der Wiese vor ihrem Zimmer saß und auf einem Notebook (Computer) schrieb. Es war ein erheiterndes Bild: eine erleuchtete Meisterin arbeitet an einem Computer und das in einer Umgebung, die einfacher und ursprünglicher nicht sein konnte. Terre de Sacha bietet den Komfort und den Charme einer Berghütte. Es gibt nur kaltes Quellwasser, ein Plumpsklo und das Leben der Besucher des Sommercamps spielt sich vornehmlich im Freien und in Zelten ab. Dreimal täglich treffen sich alle im Meditationsraum zum Mantrasingen, zum Satsang oder zum Chanten. Den Rest der Zeit widmet sich jeder der ca. 30 Frauen und Männer, die zu diesem Zeitpunkt anwesend waren, der Arbeit. Es gibt viel zu tun auf Terre de Sacha, denn es werden noch mehr Menschen erwartet, und dann reicht eine Toilette nicht und auch für den "Essraum" müssen dann noch mehr

Tische gezimmert werden. Während Energy World den ganzen Luxus der westlichen Welt bot und Michael Barnett ein Meister ist, der alle Genüsse und Versuchungen dieser Welt integriert, so ist "Terre de Sacha" das genaue Gegenstück, denn es fehlt nicht nur an Luxus sondern hier lebt man nach den klassischen und traditionellen religiösen Regeln.

Wir erfahren, dass hier weder Alkohol und Tabakkonsum erwünscht ist, noch sexuelle Beziehungen zwischen Mann und Frau angesagt sind. Während des Sommercamps soll die gesamte Energie in die Meditation, die Arbeit und die Hingabe an die Meisterin fließen.

Uns wird bewusst, dass uns diese Reise mit zwei sehr gegensätzlichen Ansätzen konfrontiert: während Michael Barnett rauchend, trinkend und in ständiger Auseinandersetzung mit seinem Meister Osho zur Erleuchtung geführt wurde, erreichte Shantimay ihr Ziel allein in der völligen Hingabe an ihren Meister Hansraj Maharishi.

Diese Hingabe an den Meister ist auch das Zentrale Thema ihrer Satsangs. Es ist wunderschön und berührend, ihre immer wieder ausgedrückte Liebe zu ihrem Guru zu erleben. Wir erfahren sie nicht nur als eine absolute Verfechterin des klassischen Meister-Schüler Prinzips, sondern auch als eine reine und klare Quelle göttlicher Inspiration. Wir besuchen zwei ihrer Satsangs und genießen ihre liebevolle und doch absolut klare Energie, mit der sie erzählt oder Fragen beantwortet. Immer wieder führt sie ihre Zuhörer an den zentralen Punkt: "Es ist hier. Das hier ist es !"

Obwohl wir ihre Gegenwart und auch die Ursprünglichkeit der Natur an diesem Ort sehr genießen, spüren wir, dass es nicht unser Weg und nicht unser Platz ist, dass es für uns, zumindest derzeit, um etwas anderes geht. Besonders deutlich wird uns dies, nachdem wir am nächsten Tag ein Interview mit Shantimay geführt haben. In diesem Interview fragten wir sie, ob denn die Beziehung zu einem Meister im Außen unbedingt notwendig sei, ob es nicht auch die Möglichkeit eines inneren Meisters , einer inneren Führung gebe, um zur Erleuchtung, zur Selbstverwirklichung zu gelangen. Ihre Antwort war absolut: "Du kannst es nur mit einem Meister schaffen. Vielleicht 0,01% schaffen es quasi versehentlich ohne Meister, und jeder meint natürlich, dass er dieses 0,001% sei."

Diese Rigorosität stürzte uns in eine reinigende, innere Auseinandersetzung. Uns wurden jene Anteile in uns selbst bewusst, die gerne wieder Verantwortung an einen Meister oder eine Meisterin abgegeben hätten. Es war, als ob die gesammelten, religiösen Glaubenssätze aus unendlich vielen Leben hoch kochen würden. Gleichzeitig jedoch wurde uns immer klarer, dass es für uns genau darum ging, auf uns selbst und Gott in uns zu vertrauen. Mochte dieser Weg vielleicht einer der schwierigsten sein, so spürten wir doch eindeutig, dass dies unsere Herausforderung war und darüber hinaus vielleicht die Herausforderung der neuen Zeit, des kommenden spirituellen Menschen ist.

Zurück in unserem Hotel brodelten diese Prozesse mit voller Heftigkeit in uns. Wir spürten die Verzweiflung und die Wut über diese alten Dogmen, die uns die Möglichkeit absprachen, uns selbst zu vertrauen, die uns der eigenen Verantwortlichkeit beraubten, solange wir an ihnen festhielten und ihnen in irgendeiner Ecke Glauben schenkten.

Unsere innere göttliche Führung half uns, alle Ecken auszuleuchten:

"Es ist von großer Wichtigkeit, dass ihr euch entspannt, dass ihr bewusst seid über den Anteil in euch, der Angst hat, weil er nach wie vor stark identifiziert ist mit dem "Schüler, der klein, hilflos und unwissend ist". Wenngleich ihr normale Autoritätsängste schon weitgehend abgelegt habt, so ist da tief innen immer noch diese alte, tiefsitzende Autoritätsangst vor einem "Meister".

Es ist das, was den allermeisten Menschen zugrunde liegt, und was sie am meisten von Gott trennt. Es ist das, was eine wahre Begegnung am meisten blockiert, sowohl in den inneren Welten, als auch in den äußeren Welten...

...Die meisten Menschen sind nicht leer und offen in ihren Begegnungen.

Dadurch ist das, was geschehen kann, nur auf ein Minimum reduziert. Sie schleppen die Angst in sich herum, nicht gut genug zu sein. Sie schützen sich mit Misstrauen und Vorsicht, als ob es darum ginge, eine Entscheidung zu fällen. Sie geben von vornherein sehr viel Macht nach außen ab, weil sie davon ausgehen, dass der Andere ihr Leben, in der Art wie es derzeit ist, zerstören könnte. Damit machen sie es sich schwer und verpassen dabei viel von der Schönheit und dem Glanz, die solch einer Begegnung innewohnen könnte..

...Warum haltet ihr euch nicht einfach offen, freudig gespannt für das, was euch begegnen mag? Begreift, dass selbst wenn euch etwas begegnen mag, das euch missfällt, ihr selbst es seid, die ihre Entscheidung daraus zu fällen habt.

Ein erleuchtetes Wesen ist nicht der sogenannte Allmächtige. Es ist eine Blume am Wegesrand die euch begegnen kann und euch mit ihrem Duft erfüllt. Ein erleuchtetes Wesen ist nicht dieser Röntgenapparat, der nur darauf wartet, euch zu durchleuchten, um euch dann in eure Einzelteile zu zerpflücken. Ihr tragt da noch viele alte Schlacken mit euch herum, die nichts anderes bewirken, als euren Blick zu ver-

nebeln. Macht euch leer von dem, was eure Wahrnehmung trübt und macht euch immer wieder bewusst, dass ihr frei seid, dass ihr in Wirklichkeit niemals gefangen wart, außer in euren eigenen Mind- Strukturen, eurem blind übernommenen Glauben. Wie ihr bereits richtig erkannt habt, ist es nur eine Frage der Bereitschaft, in die volle Verantwortung zu gehen. Begegnet den Menschen in eurem Leben also immer so, als würdet ihr durch einen Garten voller Blumen wandeln...

...Es freut mich, dass ihr euch bei eurer Begegnung heute wachsam gehalten habt. Es geht in der Tat nicht darum, einen anderen Meister, als euren inneren zu suchen.

Abgesehen davon macht es keinen Unterschied, ob außen oder innen. Der äußere Meister ist für ein bestimmtes Übungsfeld unabdingbar, dies ist jedoch nicht euer Thema. Wichtig ist es, wie ihr eure Beziehung zu eurem inneren Meister lebt.

Es geht um die Intensität der Handlungen, die ihr vollzieht. Es geht um Leidenschaft und Totalität im hingebungsvollen und bedingungslosen Sinne.

Nun, das allein wäre jedoch noch kein Grund, auf den äußeren Meister zu verzichten. Bei euch geht es nun aber darum, euch selbst vertrauen zu lernen, zu lernen, auf euer eigenes Wissen zurückzugreifen und es für euer persönliches Wachstum zu nutzen. Es geht darum, frei zu werden, eigene Entscheidungen zu fällen und Risiken einzugehen. Es geht darum, völlig ausnahmslos in der eigenen Verantwortung zu leben und euch selbst die Erlaubnis zu geben, für das, was ihr tut oder unterlasst.

Es geht darum zu erleben, was es bedeutet, in eurem eigenen Licht zu leben. Wie könnt ihr einen wahren Geschmack von Freiheit bekommen, geschweige denn sie realisieren, wenn ihr immer jemanden braucht, der euch die Legitimation dafür

gibt ?! Das ist nicht möglich. Ihr müsst, wie der junge Vogel, der irgendwann einmal das Nest verlässt, selbst fliegen. Gezeigt wurde es euch schon zur Genüge, es geht nun darum, es zu tun.

Wo liegt das Problem, auch Fehler, Fehltritte in kauf zu nehmen? Wer ist dieser schreckliche Richter, den ihr da ständig fürchtet ?

Ihr selbst seid diese verstaubten alten Richter, diese Pseudoautoritäten.

Meine Freunde, es ist an der Zeit, den alten Staub abzuschütteln und etwas neues, weniger Bekanntes zu riskieren.

Seid von Liebe umhüllt und ermutigt, euren eigenen Weg zu riskieren."


Das Gayatri Mantra

Aum Bhoor Bhuwaha Swahah

Tat Savetour Varayneeum

Bhargo Daywassia Dheemahe

Dheeyo Yo Nah Pracho Dye-ywat.

*

Mögen wir über das leuchtende Licht

dessen meditieren,

der anbetungswürdig ist

und alle Welten geschaffen hat.

Möge er unsere Intelligenz

auf die Wahrheit lenken.