Was ist eigentlich eine Sekte ? Von der Sprachwurzel her bedeutet Sekte nichts anderes als eine Gruppe oder Partei, die einer bestimmten philosophischen Lehre, einem bestimmten Grundsatz folgt." Im philosophischen und theologischen Sprachgebrauch wird damit eine kleinere Gruppe bezeichnet, die sich von einer bestehenden Religion abspaltet. Beide Definitionen sind also zunächst absolut wertfrei. Somit sind die bestehenden Kirchen im Ursprung nichts anderes als Sekten, denn sie haben sich von bereits bestehenden Religionen abgespaltet. Jesus war somit einer der berühmtesten Sektenführer, denn er verbreitete von den Pharisäern und dem Judentum abweichende Lehren. Die Gruppe, die sich um ihn herum bildete spaltete sich von der damaligen vorherrschenden Religion ab. Jesus" Sekte war damals absolut revolutionär und brach die eingefahrenen religiösen Strukturen auf. Später wurde diese Sekte zur staatstragenden Religion und in der Folge spalteten sich neue Sekten, unter anderem die Evangelische Kirche, von ihr ab. Wie wir alle aus der Geschichte wissen wurden diese Sekten zunächst immer als Bedrohung der bestehenden religiösen und staatlichen Machtverhältnisse empfunden und als solches bekämpft. Dennoch wissen wir auch, dass von den Sekten historisch gesehen sehr positive bis revolutionäre Impulse ausgingen, die sich konstruktiv auf die Gesamtentwicklung des menschlichen Bewusstseins ausgewirkt haben (Jesus, Buddha, Martin Luther um nur einige Sektenbegründer zu nennen..!) Auch heute werden Sekten pauschal als destruktiv verleumdet, kämpfen die staatstragenden und alteingessesenen Kirchen mit all ihrer Macht gegen neue spirituelle oder reformatorische Impulse. Selbst der Staat, der eigentlich die Religionsfreiheit verfassungsgemäß garantieren sollte mischt bei diesen Machtspielen aktiv mit. Anstatt sich mit neuen spirituellen und religiösen Impulsen und Bewegungen positiv auseinander zusetzen, sich in eine aktive und offene Diskussion zu begeben, wird alles neue in einen Topf gesteckt und vollkommen undifferenziert niedergemacht. Es geht um den Machterhalt und sonst nichts. Das beweist, dass es den Kirchenoberen, den Sektenbeauftragten und den Medien nicht um einen gesunden, der Religions- und Meinungsfreiheit zuträglichen demokratischen Prozess sondern um die Festigung und Verteidigung bestehender Denkweisen und Machtverhältnisse geht. Eine offene Diskussion auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts, auf der Grundlage der Anerkennung der verschiedener Wege, Meinungen und Anschauungen, würde automatisch dogmatische und destruktive Sekten und Kulte entlarven. Es würde aber ebenso diese überkommenen und dogmatischen Strukturen in den bestehenden religiösen und politischen Gruppen auf den Tisch bringen und das ist wovor diese sich eben so fürchten. Wir selbst täten gut daran uns auf solche pauschalen Vorverurteilungen von neuen spirituellen oder auch philosophisch-politischen Gruppen nicht einzulassen sondern uns selbst kritisch, aber neuen Ansätzen gegenüber offen, mit der Botschaft einer Gruppe auseinander zusetzen und öffentlich offensiv für eine authentische und wahrheitsgemäße Auseinandersetzung einzutreten. Es ist an der Zeit den leichtfertigen öffentlichen Umgang mit dem Wort "Sekte" zu durchschauen und richtig zu stellen.