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“East meets West – West meets East” Ein Interview mit dem Hamburger Advaita-Lehrer und Autor OM C. Parkin
F: Du spielst für die Verbreitung der Advaita-Lehre im deutschsprachigen Raum eine entscheidende Rolle. Durch deine Satsangs verbreitet sich diese ”Nicht-Lehre”, wie Advaita oft genannt wird, weil sie nicht gelehrt, sondern nur erfahren werden kann, in bislang unbekanntem Ausmaß bei uns in Deutschland. Bedeutet das nicht auch, daß du mit deiner Arbeit das westliche Gesicht von Advaita mitprägst? OM: Der Geschmack dieser Lehre wird natürlich im Westen ein anderer sein, und die Lehre, die in OM ihr Sprachrohr wählt, wird ganz selbstverständlich die Erfahrungen und das Wissen nutzen, das durch diesen Körper-Verstand-Mechanismus gesammelt worden ist. Bevor ich durch die Erfahrung eines massiven Schocks direkt in Advaita hineingestoßen wurde* und bevor ich dann begann, Satsang zu geben, habe ich mich bereits für Psychologie interessiert und habe, wenn auch vom heutigen Standpunkt aus gesehen in begrenztem Maße, Selbsterforschung betrieben. Und diese ”kleine Selbsterforschung”, wie ich sie nenne – durch esoterisches, psychologisches Wissen ermöglicht – kann sehr wohl Satsang und Advaita dienlich sein. Ich habe beispielsweise auch das Enneagramm studiert, und das Wissen um das Nicht-Selbst, wie es durch das Enneagramm reflektiert wird, ist von hohem Wert. Letztlich auch für die ”große Selbsterforschung”, wie sie durch Advaita, durch Ramana Maharshi, weitergegeben wurde. Der westliche Geist ist einfach analytischer, in gewisser Weise komplexer, was seine Inhalte betrifft, und deshalb benötigt er einen ”Konzept-Spiegel”, der diese Inhalte spiegeln kann. F: Ist deshalb nicht ein westlicher Guru effektiver für die spirituellen Sucher aus dem Westen als ein östlicher Guru sein kann? OM: Es wäre sicherlich zu einfach, die Frage pauschal zu beantworten. Was sicher ist, ist, daß ein Mensch, der im westlichen Kollektiv groß geworden ist, die Versuchungen des westlichen Geistes wesentlich besser kennt, als ein Mensch, der im östlichen Umfeld groß geworden ist. Und der westliche Geist unterscheidet sich außerordentlich vom östlichen. Wenn man den modernen psychologischen Begriff der Neurose benutzt, könnte man sagen, daß der westliche Geist viel neurotischer ist als der östliche und meistens einer anderen Art von innerer analytischer Arbeit bedarf. In der westlichen sogenannten Persönlichkeitsentwicklung steht ja die Ego-Stärkung wesentlich mehr im Vordergrund als in Indien. Hier gilt es, ein ausgeprägtes Ego zu entwickeln, und ein ausgeprägtes Ego gilt im Westen als ein erfolgreiches Ego. Und die Neurosen, von denen ich gerade sprach, sind eben die Schattenseite dieses vermeintlich erfolgreichen Egos, das durch die westlichen Werte genährt und aufgebaut wird. F: Es gibt vielleicht keine Kultur auf der Erde, die ausgeprägtere Formen der Dualität wie z. B. im Überfluß an Unterhaltung und Konsumgütern entwickelt hat wie der christliche Westen. Ist es nicht bedrohlich für das westliche Denken, wenn es mit Advaita konfrontiert wird? Enthält diese Konfrontation nicht Sprengstoff? OM: Nun, der Sprengstoff besteht darin, daß Advaita das Ende jeglicher esoterisch psychologischen Lehre ist, daß Advaita die Psychologie gewissermaßen überflüssig macht und damit auch die Tätigkeit von Psychologen und Therapeuten. Das ist ja inzwischen ein ziemlich umfangreicher Berufszweig geworden hier im Westen, ein Berufszweig, der die Rolle übernommen hat, die früher Priester spielten, als die christliche Religion bei uns noch sehr viel mehr Macht hatte. Aber wie ich schon sagte, wenn die Lehre von Advaita, wenn die Lehre der Non-Dualität als das Ende von Lehre erkannt wird, dann dienen die vorübergehenden Konzepte und Erklärungsmodelle der Psychologie letztlich Advaita und ihrer eigenen Auflösung. Du sagtest, daß die Lehre der Dualität bei uns im Westen am extremsten ausgeprägt ist. Das ist richtig, andererseits leben Menschen nicht einmal in bewußter Dualität, besser gesagt, sie sind sich der Dualismen, die der Geist hervorbringt, nicht wirklich bewußt. Deshalb geht es zunächst um eine bewußte Entzerrung, eine bewußte Entzweiung, so daß aus einer entzerrten Dualität von Ich und Du wirkliche Selbsterforschung geschehen kann. Zunächst einmal müssen meine Angelegenheiten von deinen Angelegenheiten getrennt sein. Das ist ein Zustand, der bei den wenigsten Menschen vorherrscht. Sie neigen dazu, ihre eigenen geistigen Konstrukte auf alles oder jeden zu übertragen und die Realität damit zu überschatten. Wenn alles zurückgenommen und damit diese Subjekt-Objekt- Beziehungen entzerrt sind, dann ist ein Zustand erreicht, den ich als Verantwortlichkeit bezeichne. Und in dieser Verantwortlichkeit für das Leiden, das innere Leiden, kann der Wunsch nach Freiheit erwachen, und das treibt die Selbsterforschung immer tiefer nach innen. F: Könnte es nicht sein, daß Advaita aufgrund dieser extremen Dualität des Westens, der von einer enormen Zukunftssucht getrieben wird, gegen die asiatische Kulturen fast statisch und zeitlos wirken, eine besondere Anziehungskraft auf den Westen ausübt? Könnte es nicht sein, daß unsere Kultur deswegen besonders empfänglich ist für Advaita? OM: Ich würde hier keinen Unterschied machen zwischen West und Ost. Der Wunsch zu Hause zu sein, ist der Wunsch einer jeden Seele. Das Leiden mag im Osten und im Westen zwar verschiedene Formen angenommen haben, aber der Wunsch ist in der Tiefe überall derselbe. Und wo zu welchem Zeitpunkt die Empfänglichkeit ist, die Wahrheit einfach nur zu hören, zu sehen, zu fühlen, zu sein, das läßt sich nicht vorhersagen. Ich betone immer wieder, daß sicherlich ein Zusammenhang besteht zwischen der höchstgradigen Selbstentfremdung, die wir hier im Westen erreicht haben, der Bewußtheit des Leidens und damit auch der Empfänglichkeit dafür, die Wahrheit der Stille zu empfangen. Denn wie du weißt, ist der Geist immer erst dann empfänglich, wenn er eingestehen muß, daß die Versuche, Glück in den Erfahrungen der Außen- oder der Innenwelt zu finden, gescheitert sind. Das ist der Moment, wo er empfänglich ist. Vorher ist er in den seltensten Fällen empfänglich, denn solange er mit seinen Strategien scheinbar erfolgreich ist, gibt es meist kein Interesse an der Wahrheit. Natürlich sind bei uns im Westen die groben Leiden der Menschheit, d. h. Überlebenskampf, Hunger, Obdachlosigkeit im wesentlichen eingedämmt. Und aus diesem Grunde sind viele Menschen sehr bequem geworden, aber diese Bequemlichkeit, das Wohlbefinden dieser Bequemlichkeit hat auch seine Grenzen. Ich habe oft davon gesprochen, daß speziell in Deutschland eine große Empfänglichkeit herrscht, weil durch den Mißbrauch, weil durch die Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges das Leidensbewußtsein in den Vordergrund gelangt ist und bis zu einem gewissen Grade auch die Last von uralter Denktradition, von uralten Denkmustern, zerstört worden ist. Dadurch hat auch die christliche Religion ihre Macht verloren, und in diesem atheistischen Vakuum, in dem sich die Gesellschaft befindet, zeigt sich gleichzeitig eine Offenheit für Neues. Das Alte wurde zurückgelassen und zerstört. Das ist ein Moment, in dem eine Bereitschaft da ist, Neues zu erfahren. F: Wie könnte dieses Neue aussehen? Hast du eine Vision darüber, wie die Zukunft aussehen könnte, wenn Advaita auf den Westen trifft? OM: Advaita kennt keine Vision. Der Geist möchte Vorhersehbarkeit. Diese Vorhersehbarkeit gibt es nicht, denn überall dort, wo diese Blüte der Wahrheit zu blühen beginnt, ist das Geschehen vollkommen unvorhersehbar. Und eben weil es so unvorhersehbar ist, ist es so frisch, so lebendig. Es folgt eben keiner verstehenden Vision. Letztlich ist die Schönheit des natürlichen menschlichen Zustandes überall dieselbe. Ich meine, aus diesem Zustand heraus betrachtet, sind westliche Fähigkeiten oder Errungenschaften wie technische Entwicklungen, nicht in ihrer Essenz von wesentlicher Bedeutung oder destruktiv. Im harmonischen, natürlichen Zustand, in dem Zustand des Wissens um das Selbst, entsteht wieder ein natürliches Gleichgewicht zwischen den Dingen. Dieses Gleichgewicht ist entgleist durch die Bestrebungen, durch die Irreleitungen dieses Geistes, der sich selbst nicht kennt, durch seine Gier, seine Machtwünsche, seine Unersättlichkeit, seine Ausbeutermentalität, Ausbeutung an der Erde, Ausbeutung an der Gesellschaft, Ausbeutung an anderen Menschen, Ausbeutung an anderen Lebewesen. Ein Großteil des gesellschaftlichen Wachstums und Wohlstandes der westlichen Welt beruht ja auf Ausbeutung, und diese Ausbeutung wird irgendwann früher oder später ihre großen destruktiven Schattenseiten zeigen, und wie du weißt, sind diese Seiten längst dabei, sich ins Bewußtsein der Menschen zu rücken. Ob wir da Klimakatastrophen betrachten, Überbevölkerung, Aids, Naturzerstörung an vielen Orten, zuende gehen von Ressourcen und so weiter, macht keinen Unterschied. F: Was Advaita lehrt, ist doch den Geist anzuhalten. Das würde auch die Ausbeutung stoppen und muß dem Westen doch wahnsinnige Angst machen. OM: Es ist letztlich nicht sinnvoll, auf einer gesellschaftlichen Ebene zu sprechen. Es ist notwendig, den Einzelnen zu betrachten und jeder einzelne muß bereit sein, sich selbst die Wahrheit darüber zu sagen, über das Leiden, das er sich selbst zufügt. Er muß sich die Wahrheit darüber sagen, was seine ausbeuterische Haltung der Erde und letztlich sich selbst gegenüber, für wahre Gesichter, für häßliche Gesichter hat. Ich nannte das vorhin den Zustand der Verantwortlichkeit, der die Voraussetzung für die Empfänglichkeit gegenüber Advaita ist. Es gibt nicht wirklich gesellschaftliche Verantwortung, es gibt nur die Verantwortung jedes einzelnen. Advaita kann sich nicht an die Gesellschaft richten, Advaita richtet sich an den Einzelnen. ... Den gesamten Text können Sie nachlesen im advaitaJournal Vol.4Zu beziehen bei: www.advaitamedia.com |
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Über den Autor: OM C. Parkin wurde 1962 in Hamburg geboren.
Zunächst studierte er Psychologie, Schamanismus, beschäftigte
sich intensiv mit dem Enneagramm und arbeitete als Heilpraktiker.
Am 6.August 1990 hatte er einen schweren Autounfall. Er stirbt
und wird von den Ärzten wieder ins Leben zurückgeholt.
Tagelang liegt er im Koma. In der stillen Dunkelheit seines Sterbens
geschieht Erwachen in das unsterbliche Selbst. OM sagt dazu: „Ich
hatte das Glück, eine vollkommene – nicht nur körperlose,
sondern personenlose Erfahrung machen zu dürfen, in der sich
die Dualität auflöste. Dennoch bin ich mir sicher, dass
sich die Illusion wieder zusammengesetzt hätte, wäre
ich nicht damals einer erwachten Lehrerin begegnet.“ Gangaji,
die in der Advaita-Tradition von Shri Ramana Maharshi und Shri
Poonja lehrt, versteht sein Erleben. In der gnadenvollen Begegnung
mit ihr vertieft sich seine Realisation in die vollständige
und unpersönliche Erkenntnis des ICH BIN. Informationen über Veranstaltungen mit OM C. Parkin erhalten
Sie bei: Bücher, das advaitaJournal, Audio - und Videokassetten von
und über OM C. Parkin sind erhältlich bei: |
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