| Das Regenbogentagebuch erzählt von Mariam Ein Besuch beim Energiemeister Michael Barnett und seinen Wildgänsen 18.7.1996 Teresa und ich befinden uns auf dem Weg nach Frankreich. wir haben uns zehn Tage Zeit genommen um Michel Barnett in Energy World und Shantimay auf Terre de Sacha zu besuchen. Wir wollen beide zum 3. Internationalen Rainbow Festival (17. - 19. Mai 1997) einladen und wir wollen versuchen ein Interview mit ihnen zu bekommen. Unsere erstes Ziel ist Energy World und führt uns ins Herz von Frankreich in die Nähe von Limoges. Es ist eine lange Fahrt - fast 900 km von Baden-Baden aus. Wir haben genügend Zeit uns über Michael Barnett und Energy World zu unterhalten - über all das was wir über ihn gehört aber teilweise auch schon mit ihm erlebt haben. Mir "lief er bereits ein paar Mal über den Weg". Das erste Mal traf ich ihn 1981; ich war damals ein frisch gebackener Schüler von Bhagwan Shree Rajneesh(Osho) und hatte mit ein paar Freunden eine Wohngemeinschaft mit Meditationsraum in Marburg. Michael hieß damals Somendra und war in der "Szene" als Zauberer, spiritueller Clown und Energiemeister sehr bekannt. Irgendjemand hatte ihn eingeladen auf der Durchreise bei uns reinzuschauen und so saß er eines Tages in unserer WG am Küchentisch. Es hatten sich etwa ein Dutzend Sannyasins (Schüler von Bhagwan/heute Osho) in unserer Küche und um unsere Sahnetorte herum eingefunden um den großen Energiemeister zu treffen. Er trug einen breitkrempigen Sombrero, rauchte eine Beedie (eine indische Zigarette, die aus einem Tabakblatt gerollt wird und einen angenehmen süßlichen Duft verbreitet) nach der anderen und beschwerte sich darüber, dass es entlang deutscher Straßen keine Imbissbuden mit guten Hotdogs gab. Irgendwann entstand Stille und einige schlossen die Augen. Hände begannen in Energiebahnen über dem Küchentisch zu kreisen oder sich erwartungsvoll gen Himmel zu recken. Plötzlich ein Aufschrei und prustendes Gelächter. Michael hatte einem Verzückten sein Stück Sahnetorte in die erwartungsvolle Hand geklatscht. Diese Szene war symptomatisch für meine früheren Begegnungen mit Michael Barnett. Er war unberechenbar in seinen energetischen Äußerungen, er war provokant....und irgendwie war er mir immer ein bisschen fremd.. ein bisschen suspekt. Jahre später, als er Osho verließ, seinen Namen Somendra ablegte und seine eigene Gemeinschaft zu bilden begann, bekam ich Eindrücke und Informationen über ihn nur noch aus zweiter oder dritter Hand. Die Meinungen und Ansichten über ihn, die uns erreichten waren immer sehr geteilt und ich selbst hatte eher den Eindruck, dass er versuchte Bhagwan/Osho zu imitieren - obwohl ich gleichzeitig nicht daran zweifelte, dass er in einen höheren Bewusstseinszustand eingetreten war. Die wenigen Interviews oder Texte, die ich von ihm zu lesen bekam waren beeindruckend und verströmten zwischen den Zeilen den Duft der Erleuchtung. Trotzdem war Michael Barnett für uns kein Thema bis zu dem Zeitpunkt, wo wir kurz vor dem 2. Festival erfuhren, dass in Frankreich zur Sektenhatz auf seine Gemeinschaft geblasen wurde, dass es dort einen regelrechten Überfall auf Energy World gegeben hatte unter dem Vorwand der Steuerfahndung. Die Vorwürfe waren nicht haltbar aber der Schrecken sitzt der Gemeinschaft noch heute in den Gliedern. Wir hatten damals spontan unsere Solidarität erklärt und Energy World kostenlos einen Infostand auf dem Rainbow Festival zur Verfügung gestellt. Auf dem Festival hatte sich dann ein netter Kontakt mit den anwesenden Wild Goose Leuten ergeben , die ihre Begeisterung über den Geist und die Atmosphäre auf dem Festival anschließend Michael mitteilten (Michael nennt seine Gemeinschaft "Wild Goose Company" - Gemeinschaft der Wildgänse). Nach diesem Kontakt stand nun im Raum, Michael zum nächsten Festival einzuladen. Auf dieser Fahrt teilten Teresa und ich die Beobachtung, dass wir ihm gegenüber eher skeptisch eingestellt waren. Unsere Erinnerungen und die diversen Berichte von Freunden und Bekannten malten von Michael eher das Bild eines Menschen, der einen überzogenen Gurutrip kultiviert und dessen verborgene Absichten man eher mit Vorsicht begegnen sollte. Wir empfanden persönlich keine Anziehung und fürchteten in Energy World einer jener spirituellen Gemeinschaften zu begegnen, die sich nach außen abschotten und nach Poona Vorbild vielleicht einen Haufen unsinniger Regeln pflegen. Gerade deshalb wollten wir genau hinsehen - denn zu oft hatten wir bereits die Erfahrung gemacht, dass diese subtilen inneren Voreingenommenheiten sich als nichts anderes als Seifenblasen entpuppten, welche aus eigenen Ängsten und den subjektiven Färbungen und Empfindlichkeiten Dritter gebildet waren. ...Und genau so war es. Die Existenz zeigte uns mit Energy Worl und Michael Barnett mal wieder, wie unsinnig jedes Urteil, jede Verdächtigung ist, die nicht auf die eigene Erfahrung und den gegenwärtigen Moment gegründet ist. Jeder Mensch sieht durch seine eigene Brille, hört das was er hören will und gibt somit seine gefärbten Ansichten und missverstandenen Wahrnehmungen weiter. Solange der Einzelne nicht frei von Ego, frei von Angst und den daraus resultierenden Abwehrmechanismen und Verhinderungsstrategien ist, solange ist er nicht frei die Gegenwart so ungefiltert wahrzunehmen wie sie ist - und solange sollten wir uns auf Gehörtes, auf weitergegebenes aus zweiter oder dritter Hand nicht einlassen. Wir sollten es einfach stehen lassen und gar nicht erst in unsere persönlichen Empfindlichkeiten und Sichtweisen einbauen. Das wurde uns in dem Moment, zum wiederholten Mal klar, als wir Energy World betraten: Wir trafen auf eine angenehm lockere und liebevolle Gemeinschaft, in der sich der Meister so unpathetisch und ungekünstelt bewegt und so natürlich behandelt wird, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt hatten. So waren wir gerade angekommen und warteten auf Priya, die uns das Gelände zeigen sollte, genossen derweil das lebhafte Spiel einer Entenfamilie auf einem kleinen Teich, als der Meister auf dem Weg zu einem Tennisspiel vorbeikam und uns per Handschlag begrüßte: "Hi, I´m Michael". Er fragte uns wie lange wir vorhätten zu bleiben und schlenderte dann mit seinem Tennispartner weiter. Es war völlig natürlich und auch sonst schien sich niemand sonderlich darum zu kümmern wenn er vorbeiging, keine übertriebene Eherbietung oder gestresst/verklemmte Zurückhaltung weil der Meister kommt sondern hier und da ein Lächeln, ein Hi "und das wars. Auch sonst war alles überraschend natürlich und einfach. Priya, eine nette Wildgans" die wir auf dem Festival bereits kennen lernten, zeigte uns das wunderschöne Anwesen: Wald, Wiesen, ein Fluss, eine Allee und die Häuser, Ställe mitsamt dem wunderschönen Park. Überall konnten wir uns frei bewegen, es gab keine "Verbotenen Ecken", wo nur besondere Leute oder vorher "durchgecheckte" Personen hin durften, kein poonesischer Schnüffeltest und auch keine Metalldetektoren. Wir waren beeindruckt von der Schönheit der Natur und der weite des Grundstücks auf dem die "Wildgänse" zu den wenigen größeren Gebäuden eine ganze Reihe kleiner Holzhütten als Wohneinheiten aufgestellt hatten. Es fiel uns sofort positiv auf, dass hier eine Menge Kinder lebten und offensichtlich einen festen Platz in der Gemeinschaft hatten. In einigen spirituellen oder therapeutischen Gemeinschaften werden Kinder eher als Störfaktor begriffen und in der Folge ausgegrenzt oder abgeschoben. Hier hatten sie sogar zwei Esel "Marmite" und "Ginger", die sie selbst verpflegen und hegen dürfen. Lediglich beim sogenannten "Tuning in", der allabendlichen Meditation mit Michael, sollen Kinder draußen bleiben. Das "Tuning in" hat Ähnlichkeit mit der "White Robe Brotherhood", wie sie in Poona celebriert wird. Alle Teilnehmer müssen weiße saubere Kleidung tragen und frisch geduscht sein. Es sollte weder gehustet, noch genießt werden und wer einen solchen Reiz spürt sollte schnell und leise den Meditationsraum verlassen. Trotz dieser Regelung empfanden wir die Atmosphäre vergleichsweise entspannt und ungezwungen. Wir blieben zwei Tage in Energy World und das Einzige was uns persönlich schockierte, war die Tatsache, dass in Energy World Fleisch gegessen wird. Als wir den ersten Abend in einer langen Schlange zum essen anstanden, bemerkte ich plötzlich in einer anderen Ecke des Raumes ein kleines Tischchen mit einem Schild "Vegetarian" und einer mittelgroßen Schüssel darauf. An diesem Tisch stand zu diesem Zeitpunkt niemand an, alles drängelte sich in der einen langen Schlange. Mein Verstand brauchte eine Weile mögliche Erklärungen für dieses Schild zu finden und ich wies Teresa daraufhin. Zuerst vertraten wir die Ansicht, dass es vielleicht zwei vegetarische Gerichte zur Auswahl gäbe aber dann fragten wir nach und erfuhren, dass wir tatsächlich nach einem Essen mit Schweinefleisch anstanden. Der "Meister Allfred" in uns schrie entsetzt auf und wir traten aus der Schlange heraus und zu dem unscheinbaren Tischchen hin. Später erzählte uns Priya, dass es sogar ein selbst geschlachtetes Schwein aus der Tierhaltung von Energy World gewesen sei. Auf unsere Nachfrage hin begründete sie die Schlachtung und Ernährung mit Fleisch mit der harten körperlichen Arbeit auf dem Feld und dem daraus entstehenden Bedürfnis des Körpers. Eingeleuchtet hat uns dies keineswegs denn es gibt sehr wohl vergetarische Alternativen der Ernährung bei harter körperlicher Arbeit und selbst wenn einige das Fleisch brauchen sollten, gibt es sicherlich andere Gründe warum 90% bei den Fleischtöpfen anstehen. Hier fanden wir würde es sich vielleicht für die Menschen, die in Energy World leben lohnen nachzuforschen ob dem Drang nach Fleisch nicht doch eine Gewohnheit, eine Bequemlichkeit zugrunde liegt und ob es wirklich notwendig ist Tiere für die eigene Ernährung zu töten solange es genügend andere Lebensmittel gibt um sich gesund und fit zu halten. Es geht uns nicht darum an diesem Punkt dogmatisch zu sein denn es mag sehr wohl Situationen und Gelegenheiten geben in denen es für den Körper notwendig ist Fleisch zu essen, dennoch sind wir der Meinung, dass wir Menschen es aus Respekt vor der Existenz und unseren Mitwesen genau prüfen sollten. Trotzdem konnten wir diese Eigenart der "Wildgänse" ebenso wie ihr weitverbreitetes Beedierauchen, einfach stehen lassen weil es zu der Lockerheit und dem Fehlen von Dogmen an diesem Platz passte. Uns wurde mal wieder vor Augen geführt wie unterschiedlich die Wege zu Gott doch sind. Der Eine stößt rauchend und Fleisch essend auf Gott und der Andere tut es mit yogischer Askese. Wieder wurde uns bewusst, dass es keine festen Regeln, keine Gesetze und keine vorgeschriebenen Wege gibt. Es gibt vielleicht ein paar Trampelpfade aber daneben gibt es so viele Wege, wie es Menschen auf der Suche nach sich selbst gibt. Am Nachmittag des zweiten Tages treffen wir Michael zu einem Interview. Dazu treffen wir uns mit ihm im Garten, trinken Tee während er Kaffee trinkt... und Beedies raucht. Diesmal fliegen auch keine Sahnetorten. Es wird ein wundervoll entspanntes lustiges Gespräch bei dem wir alle viel lachen und an dessen Ende klar ist, dass er zum Rainbow Festival kommen wird. Michael überrascht uns auch hier wieder positiv. Seine Äußerungen sind undogmatisch und er gibt sich nicht als alleinig wissender alles blickender Meister. Wir lernen einen einfachen freundlichen und verständnisvollen Menschen kennen. Als wir dann am nächsten Tag Energy World eher ungern verlassen, danken wir unserer göttlichen Führung, dass sie uns an diesen wunderbaren Platz und zu diesem schönen und offenen Menschen geführt hat. Wir sind uns sicher, das wir bald einmal mit mehr Zeit hierher kommen werden und wir freuen uns darauf Michael auf dem 3. Rainbow Festival in Baden-Baden erleben zu dürfen. |