Artikel von Arjuna und Chameli Ardagh Bekenntnisse eines "geheilten" Gurus. Arjuna: Ich ging die feuchte Steintreppe hinauf, durch die offene Eingangstüre, hinein in einen großen Raum. Er war berstend voll. Vor der Tür, und in Kaskaden in alle Richtungen, standen Schuhe. So wie ihre Besitzer, waren alle Farben, Größen, Arten und Formen von Schuhen hier vertreten. Einige Leute saßen auf Stühlen, andere im Schneidersitz auf dem Boden. Die meisten hatten ihre Augen geschlossen. Alle in Richtung eines eindrucksvollen, antiken Sessels am anderen Ende des Raumes, so etwas wie ein Thron von Neuschwanstein. Daneben stand ein Tisch mit zwei gerahmten Fotos, Blumen in einer Vase und ein Glas Wasser. Sanfte Musik spielte. Ich ließ meine Schuhe bei den anderen und bahnte mir vorsichtig meinen Weg außen an der Wand entlang, wobei ich versuchte, nicht auf die meditierenden Leute zu treten. Ich schaffte es, bis nach vorne durchzukommen, ging zum Thron, setzte mich und schloss die Augen. Wie war ich dazu gekommen, in diesem riesigen Sessel zu sitzen und die Rolle des spirituellen Lehrers zu spielen? Schon als kleines Kind fühlte ich intuitiv, dass mehr möglich war für dieses Leben als was ich um mich herum sah. Aufgewachsen im London der fünfziger Jahre, fühlte ich in meiner Mutter, in meinem Vater, meinen Schullehrern, meiner Familie im weiteren Sinn, eine gewisse Art von Einschränkung und von Kompromiss, im Leben einfach zu überleben, anstatt es wirklich mit Lust zu leben. Ich wusste, da gab es mehr. Aus dieser Sehnsucht heraus, die ich nicht benennen konnte, lernte ich mit 14 zu meditieren. Während der nächsten zwanzig Jahre habe ich viele Meditationsformen erforscht, radikale Therapien und auch das Leben in einer Kommune. In der selben Zeit habe ich EST und Urschreitherapie ausgeübt, Tantra-Wochenenden und lange Meditationsretreats besucht, alles was man sich vorstellen kann. Ich habe sogar einmal Tofu gegessen. 1991 kam eine radikale Veränderung. Ich hatte von einem relativ unbekannten Lehrer in Nordindien gehört mit Namen HWL Poonjaji. Letztendlich gab ich dem ungeheuren Drang in mir nach, ihn zu besuchen. Er lebte in einem sehr bescheidenen Haus am Stadtrand von Lucknow. Sobald ich den Raum betrat und sich unsere Augen trafen, wusste ich innerhalb einer Sekunde, dass das Spiel aus war. Anstatt mich zu bitten, diese oder jene Technik auszuüben, stellte er mir eine sehr einfache Frage: "Wer ist es, der frei werden möchte? Wer bist du wirklich?" Es hat ein paar Tage gedauert; ich war eine harte Nuss. Ich wachte eines Morgens in meinem Hotelzimmer auf und versuchte mich zu finden. Wirklich. Zum ersten Mal. Es war nichts da. Da wo ein Ich sein sollte, eine Wesenheit, war nur offener Raum, absolut friedlich, immer und ewig frei. Ich brach in Gelächter aus, dort in meinem Hotelzimmer, und ich hörte zwanzig Minuten lang nicht mehr auf. Das war das Ende des Suchens. Es ist nie mehr zurückgekommen. Ich blieb ungefähr ein Jahr bei Poonjaji, dann schickte er mich in den Westen zurück, um "das Geheimnis mit meinen Freunden zu teilen." Eine Sache ergab die andere, und hier war ich nun, saß auf einem Thron, mit einer ganzen Schar neuer Freunde. "Arjuna, bitte lehre uns, wie wir vertrauen können." Sie war so Mitte sechzig, mit kurzen grauen Haaren, und hatte Augen wie ein kleines Vögelchen. Ich schaute in diese Augen und fühlte die Reinheit und das Bestreben ihres Herzens, das sich mit nichts Geringerem zufrieden geben würde als mit der letzten Wirklichkeit. Ich schaute mir die anderen Leute an. Ein paar Kinder saßen vorne, einige ältere Leute auf Stühlen hinten. Dazwischen waren Hippies aus den Sechzigern, fein angezogene Angestellte, Künstler, Heiler, Computer Freaks. Alle hatten sich hier aus dem gleichen Grund versammelt, aus Liebe zu etwas Mysteriösem, das der Verstand nicht benennen konnte, aber wonach das Herz sich sehnte. Eine enorme Unschuld, Aufrichtigkeit und Sehnsucht erfüllte den Raum wie ein schweres, süßes Parfüm. Jedes Augenpaar war auf mich gerichtet, sie alle warteten auf eine weise Antwort. Ich schaute in mich hinein, eine zu finden. Schlagartig wusste ich, dass etwas mit dem Theater hier nicht stimmte. Ich wusste ohne den geringsten Zweifel, dass die alte Dame genau so viel über Vertrauen wusste wie ich. Weisheit wirbelte überall im Raum herum wie Rauch, nur die Anordnung des Raums vermittelte eine Hierarchie von Wissen, die die Anwesenden herausforderte, Fragen an jemand anderen zu stellen. Dieser Moment war der Anfang vom Ende meines Lebens als Guru. Die meisten der Leute, die am Satsang teilnahmen, hatten ein Erwachen während des ersten oder zweiten Treffens, in keinster Weise verschieden von dem, was ich in Lucknow hatte. Sie kamen wieder und wieder zurück, weil es in ihrem Alltag nicht aufrecht erhalten wurde, und weil sie annahmen, dass ich ihnen helfen könnte. Arbeit, Familie, ein voller Terminkalender, Beziehungen, alles schien die Einfachheit zu sabotieren. Sie sehnten sich danach, ihre Realisation tiefer zu verkörpern. Aber wenn ich wirklich ehrlich war, war das Sehnen nach greifbarer Verkörperung in mir genau so stark wie in ihnen. Ich saß in diesem Sessel durch einen Zufall, einen göttlichen Witz, durch die zufällig erhaltene Gabe der Redegewandtheit. Die Erkenntnis und die Sehnsucht, sie tatsächlich zu leben, waren überall im Raum lebendig. Dieser Moment setzte einen Prozess in Gang, der manchmal schmerzhaft und manchmal erleuchtend war und viele Jahre andauerte. Ich lehrte weiterhin, aber ich kam nicht umhin, auch mein Leben zu betrachten: meine Beziehung zu meinen Kindern, zu meiner damaligen Frau, zu meinen Freunden und zur Welt. Genauso wie diejenigen, die sich an mich als Lehrer wandten, fühlte auch ich die Kluft zwischen der Tiefe der Erkenntnis und der Qualität meines Lebens. Die Erkenntnis war die von Einheit, aber die Gewohnheiten waren immer noch der Trennung loyal. Die Erkenntnis war die von Unbegrenztheit, aber die geistigen Gewohnheiten folgten immer noch der Furcht und dem "Nicht Genug". Die Scheidung von der Mutter meiner Söhne beschleunigte nur den Prozess. Ich hatte das Glück, tiefe Freundschaften mit anderen Lehrern zu haben, und wir konnten unseren Zustand im Dialog untersuchen. Isaac Shapiro, zum Beispiel, ist ganz offensichtlich ein sehr tiefgründiger und erwachter Mann. Tausende von Leuten sehen ihn als ihren Lehrer an. Auch er durchlebte nicht nur eine, sondern zwei Scheidungen während seiner Laufbahn als Lehrer, und auch er schaute sich mit atemberaubender Ehrlichkeit die alten Gewohnheiten an, die Trennung verursachen. Ich habe viele andere gefunden, die klar erwacht und auch bereit waren, einmal von ihrem Guru-Podest herunter zu steigen, um auf diese Weise ehrlich zu sein über ihre Menschlichkeit: Catherine Ingram, Satyam Nadeen, Sandfort Perret, um nur einige zu nennen. Jeder von uns musste sich den Ideen über Erleuchtung stellen, die wir vom Orient übernommen hatten, und auch der Wirklichkeit dieses Lebens, so wie es ist. Im Laufe der Jahre ist Erleuchtung unbedeutend für mich geworden. Irgendein Ziel von absoluter Freiheit vom Sterblichen erscheint mir jetzt wie ein Fetischismus von Flucht, gewöhnlich die Hauptbeschäftigung von Männern, die verzweifelt guten Sex bräuchten. Es ist viel wichtiger geworden, wie sehr dieses Leben - hier und heute - die Realisation reflektiert, die schon da ist. Wird die Liebe, die bereits im Herzen erwacht ist, auf eine Weise gelebt und ausgedrückt, die wirklich einen Unterschied ausmacht für andere Leute, für diejenigen, denen ich nahe bin? Die Verkörperung der Erkenntnis ist tausendmal wichtiger geworden als der Grad der Erkenntnis selbst. Meine intimen Beziehungen sind immer der wichtigste Barometer für diese Verkörperung gewesen. Beim Lieben, geliebt werden, beim Liebe machen bekommen wir auf höchst lebendige Weise einen Geschmack davon, dass dieses persönliche Leben ein Tanz der Göttlichkeit sein kann, oder die schmerzhafteste und undurchsichtigste Ablenkung davon. In unserer Offenheit zu Intimität finden wir heraus, wie real unsere Spiritualität geworden ist. Ich begann eine transformierte Beziehung zur Beziehung selbst, eine Phase, in der ich sehr oft allein war. Außer den essentiellen Verpflichtungen als Vater, blieb ich einfach mit mir selbst. Ich verbrachte viele Stunden des Tages mit stillem Sitzen und Körperübungen. Ich war bereit, für den Rest meines Lebens allein und zölibatär zu leben, aber sollte ich je wieder eine intime Beziehung eingehen, dann als ein Ausdruck und als Verkörperung der Liebe, die ich als meinen innersten Kern gefunden hatte. Ich wusste, dass es da einen Berg von Gewohnheiten gab, dem ich mich mit Ehrlichkeit stellen musste, damit die Liebe wirklich und rein sein konnte. Ich hatte keine Ahnung, wie das aussehen würde. Ich wusste nicht, ob ich in der Lage wäre, jemanden zu finden, der daran interessiert wäre, mir auf diese Weise zu begegnen, aber ich wusste, ich würde allein bleiben, bis ich mir vertrauen könnte, mit meinem gesamten Wesen zu lieben. Chameli: Der Morgen war frisch. Ein warmer Wind blies vom Tal herauf. Das Wasser des Ganges war aquamarinfarben. Die Silhouette der Berge war kristallklar, nachdem Regen in der Nacht die Luft gereinigt hatte. Ich saß mit etwa zwanzig anderen in einem kleinen Tempel mit großen Fenstern und Ausblick auf die großartige Natur. Die Luft war erfüllt von Weihrauchgeruch und dem Klang des Gayatri Mantra, einem Gebet, das jedem helfen soll, zu seiner Natur jenseits des persönlichen Selbst zu erwachen. Indem ich mich völlig in diesem Gesang, diesem Chanting auflöste, diesem Gebet für uns alle, hatte ich zum ersten Mal wirklich kein Gefühl mehr für ein getrenntes Ich. Es war absolut vollkommen verschwunden; ich wurde das Gebet, ein totales Gebet für jeden. Da fehlte nichts. Ich war viele Jahre durch Indien gereist und zu anderen Plätzen rund um die Welt, folgte verschiedenen Lehrern, Schulen und Techniken. Alle waren von Männern gegründet. Ich suchte nach Erleuchtung. Ich hatte zahlreiche spirituelle Erfahrungen, Offenbarungen. Aber da ich stark an Konzepte glaubte, wie Erleuchtung aussehen sollte, warf ich mich immer wieder zurück auf den "Pfad". Ich war voll damit beschäftigt, die ultimative Leere zu suchen, einen Ort, wo jeder menschliche Ausdruck aufhören sollte. Diese Suche hatte dazu geführt, dass ich die ganze Zeit ständig mit meinem Prozess beschäftigt war, mit meiner Entwicklung, mit meiner Erleuchtung. Einfach hier zu sitzen, für das Erwachen aller an den Ausläufern des Himalaya zu singen, an diesem kühlen Wintermorgen, das war Freiheit. Da war kein Interesse mehr da, irgendetwas los zu werden oder irgend ein Ende zu erreichen. Es war ein reiner Ausdruck von Liebe, die mich vollkommen verschwinden ließ. Von da an war es so klar wie die Morgenluft, dass diese Liebe das war und ist, was ich bin, zu allen Zeiten, und dass es nichts wichtigeres für mich in der gesamten Existenz gibt, als mein Leben zu einem Ausdruck dieser Liebe zu machen. Als ich dann nach Europa zurückkehrte, sah ich, dass das bedeutete, dass sich in meinem Leben vieles ändern musste, damit der äußere Ausdruck im Einklang wäre mit dieser tiefen Liebe im Inneren. Das Leben selbst schob und unterstützte diese Veränderungen, sehr fließend, wie abgestorbene Blätter, die im Herbst einfach abfallen. Einige Veränderungen waren schmerzlich und erschreckend. Aber je mehr mein Leben ein Ausdruck dieser Erkenntnis wurde, fühlte ich eine grundlegende tiefe Befriedigung, ganz verschieden von den flüchtigen Gefühlen, die da sind, wenn ich bekomme, was ich will. Es war die tiefe Befriedigung, dass ich wirklich im Einklang mit meinem wahren Herzen lebte. Obwohl das ein Prozess ist, der immer noch anhält, bei dem ich oft noch stolpere und falle, so habe ich doch seitdem ein starkes Gefühl von Sinn und Mit-Erschaffen mit der Gesamtheit der Existenz. Einer der Bereiche, in dem ich die meiste Inkohärenz mit der Erkenntnis Liebe zu sein, sah, war ironischerweise in meiner Intimbeziehung zu der Zeit, und sehr bald kam sie zu einem Ende. Der Bereich, den wir als die natürliche Grundlage für Liebe ansehen, war der Bereich, in dem ich mich am meisten in Machtspielen gefangen sah, voreingenommen von meinen eigenen Vorstellungen, Konflikten und oft abgelenkt von dem, was wirklich wichtig war. Die ganze Weltsituation rief in mir die Dringlichkeit, die Verantwortlichkeit hervor, keine Minute mehr verstreichen zu lassen, ohne dass ich ein Werkzeug für diese große Liebe bin. Es war klar, dass ich diese Verpflichtung der Liebe selbst gegenüber einging, einer Liebe, so viel größer als unsere kleinen persönlichen Dramen, und wenn ich wieder eine Beziehung einginge, dann müsste sie diese Verpflichtung unterstützen und mich nicht davon ablenken. Und sollte ich niemanden finden mit derselben Verpflichtung, war ich bereit, allein zu leben, aber auf keinen Fall wollte ich einen Kompromiss eingehen. Kurz darauf traf ich Arjuna, der mein Ehemann werden sollte. Zufällig hatte er eine ähnliche Entscheidung getroffen und war eine ähnliche Verpflichtung eingegangen wie ich. Wir begannen eine gründliche Untersuchung, wie wir eine Vereinigung, eine Beziehung herstellen könnten, die dieses Geben von Liebe unterstützt, das durch jeden einzelnen von uns in den Rest der Welt ausstrahlt. Wir experimentierten intensiv, um einen praktischen Weg herauszufinden, was dazu nötig ist, damit diese zugrundeliegende Strömung der Liebe in diesem Moment, Raum zum Atmen bekommt und stärker wird als die Gewohnheiten, die wir von unseren Vorfahren, unserer Familie und unseren Erfahrungen in der Vergangenheit mitgebracht haben. Es gibt eine kraftvolle Vision in meinem Herzen, diese Liebe voll zu verkörpern und ein wahres Geschenk für diesen Planeten zu sein, und zwar auf geerdete und greifbare Art und Weise. Nicht als ein Konzept, sondern als eine Liebe, von der die Menschen spüren, dass sie echt ist. Nicht um vor dem Leben davonzulaufen, sondern um voll ins Leben einzusteigen, um der Liebe zu erlauben, sich durch diesen Körper und durch diese Gefühle in all den weltlichen, alltäglichen Aktivitäten auszudrücken. Und hier sehe ich wirklich die Notwendigkeit für Praxis. Auf eine Art zu üben, die mich die Gewohnheiten erkennen lässt, die die Liebe sabotieren, und die dem Körper erlaubt, mehr und mehr diese Präsenz, diese göttliche Liebe zu reflektieren und auszustrahlen. Die Übung oder Praxis, die nötig ist, ist anders als was mir all meine männlichen Lehrer aus dem Osten beigebracht haben. Obwohl ich noch jeden Tag in Stille sitze und eine zeitlang den Atem beobachte, liegt der Hauptfokus meiner Übungen auf Ausdruck, auf Gebet, und auf die Interaktion mit meinem Mann. Ich übe nicht für eine Belohnung in der Zukunft; ich übe, um mich mehr und mehr und mehr der Liebe zu öffnen, genau hier, genau jetzt. Die weibliche Qualität in jedem von uns ist ganz im Moment, indem sie das volle Spektrum des Lebens mit all seinen Farben genießt, mit all seinen Gerüchen und Gefühlen, im Gebären und Sterben. Das Weibliche lacht über einen zukünftigen Zustand der Erleuchtung, sieht sie nur als ein Konzept des Verstandes an, und es fragt: Wollen wir es wirklich noch weiter aufschieben, die Liebe in unseren Herzen zu leben? Beide: Wir begannen zu erforschen, was uns erlauben würde, erwachte Liebe zu leben, anstatt gewohnheitsmäßig zu leben. Es fing als rein persönliche Untersuchung an; wir loteten viele außergewöhnliche Lehrer aus und entwickelten auch selbst etliche Werkzeuge. Nach einiger Zeit stellten wir fest, dass die Art und Weise, wie wir praktizierten, funktionierte. Gewohnheitsmäßige Tendenzen kamen immer wieder auf, aber die meiste Zeit konnten wir Wege finden, mit ihnen kreativ und humorvoll zu spielen, und so wurden sie zum Brennstoff, der das Feuer der Liebe entflammen ließ, statt es mit einer nassen Decke zu ersticken. Während wir staunend beobachteten, was mit uns geschah, machten auch unsere Freunde mit. Hier ein Essen, da ein Spaziergang, bei dem die Leute uns fragten: "Was macht ihr da eigentlich?" Wir fanden heraus, dass wir viele unserer Entdeckungen mit anderen teilen konnten, und dass sie die gleichen Hilfsmittel mit dem gleichen Effekt benutzen konnten. Nach einiger Zeit begannen wir, öffentliche Vorträge zu halten und Wochenenden anzubieten, unabhängig davon, ob jemand allein oder als Paar lebt. Wir unterstützen allein Lebende, indem wir ihnen helfen, tiefer als ihre Einsamkeit zu fühlen, ihr wahres Herz und ihre wirkliche Sehnsucht zu spüren; keine Kompromisse einzugehen, dieser Vision treu zu bleiben, anstatt sich mit irgendetwas zufrieden zu geben, nur um zu vermeiden, einsam zu sein. Wir unterstützen Paare, damit die Tiefe ihrer spirituellen Erkenntnis und ihrer intimen Beziehung zu ein und demselben werden. Anstelle zu meditieren oder zu einem Retreat zu gehen, oder zu Satsang, um dann die Auswirkungen davon in die Beziehung einzubringen, erlauben wir der Beziehung selbst, zu einer Form der spirituellen Praxis zu werden. Unsere Beziehung ist definitiv der Bereich, in dem wir die größten Tiefen erreichen. Unser Zusammensein ist jetzt unser Guru, ist die Kraft, die die Dunkelheit vertreibt, die uns antreibt, uns zu erwachter Liebe auszudehnen. Das Geschenk, das wir den Menschen anbieten, ist eher eine Kunstform als eine Wissenschaft. Es ist keine Schritt-für-Schritt-Technik: eins-zwei-drei, mach diese Technik, und lebe glücklich bis ans Ende deiner Tage. Es ist viel mehr ein behutsames Antworten auf Situationen, so wie sie entstehen, und eine Transformation durch Bewusstheit, Mitgefühl und Humor. Es gibt Künstler, die gehen auf den Schrottplatz, finden kaputte Maschinen. Sie nehmen diese Teile und machen Kunstwerke daraus. Wir nehmen die zerbrochenen alten Gewohnheiten der Persönlichkeit und verwenden sie wieder als heilige Kunst. Es gibt ein paar ganz allgemeine Grundsätze für diese Kunstform, die unsere Arbeit mit Menschen in Sitzungen und Wochenendseminaren leiten: 1 - Vision In jedem Bereich des Lebens ist es leicht zu vergessen, warum wir da sind. Wir vergessen oft unsere ursprüngliche Absicht und Vision. Wenn man zum Beispiel ein Geschäft hat, vergisst man leicht die noble Vision, mit der man begonnen hat, wie man einen Beitrag für die Gesellschaft leistet, wie man sich seine Integrität erhält. Man verliert sich oft einfach im Profitdenken. Wir vergessen auch, warum wir eine Beziehung eingegangen sind. Wir vergessen unser tieferes Bedürfnis, zu lieben, ehrlich zu sein, offen zu sein, zu geben. Wir unterstützen Menschen darin, Wege zu finden, ihre natürliche Vision, warum wir überhaupt am Leben sind, wiederzuentdecken. 2 - Verpflichtung Aus dieser Vision heraus verbinden wir uns mit der Ebene in uns, wo wir einen Standpunkt einnehmen können. Wo wir vortreten und sagen können: "OK, ich fühle mich verpflichtet, diese Qualitäten in mein Leben zu bringen." Du kannst nur dann einen Standpunkt einnehmen, wenn du ein Gefühl für deine Kernvision hast. Dann kann man sagen: "Ich verpflichte mich dazu, offen zu sein, egal was passiert. Ich verpflichte mich, durch Meditation tiefer zu gehen. Ich verpflichte mich, großzügig im Denken zu sein." Sobald wir unsere Verpflichtung entdeckt haben, können wir auch ehrlich sein über die Widerstände, unsere alten Gewohnheiten. Und wir können sagen: "Ich verpflichte mich, ehrlich zu sein, aber ich habe die Angewohnheit, mich zurückzuhalten und zu verstecken. Ich verpflichte mich, mit Humor zu leben, aber ich habe die Angewohnheit, mich selbst zu ernst zu nehmen, selbstgerecht zu werden." 3 - Vereinbarungen Nun können wir beginnen, wirkliche und verlässliche Vereinbarungen mit unserem Partner zu treffen. Wir treffen Abmachungen, um uns in unseren tieferen Verpflichtungen gegenseitig zu unterstützen und um unseren Weg durch die gewohnten Widerstände zu bahnen. Wenn du in einer Partnerbeziehung lebst, kannst du Abmachungen mit deinem Partner treffen. Wenn du allein lebst, kannst du Abmachungen mit deinen Freunden treffen, oder auch mit dir selbst. Innerhalb des Schmelztiegels unserer Ehe haben wir Vereinbarungen getroffen über Ehrlichkeit, über körperliche Übungen, über Meditationspraxis und darüber, wie wir Rückmeldungen geben und bekommen. Wir haben Abmachungen, wie wir auf spezifische Art und Weise uns durch die alten Gewohnheiten von Trennung hindurcharbeiten und zur Großen Liebe zurückkommen. Und wir überprüfen diese Gewohnheiten regelmäßig, um zu sehen, ob sie ihren Zweck so erfüllen, wie wir es uns vorgestellt hatten. Eine verpflichtende vertraute Beziehung wird all deine versteckten Wunden ans Tageslicht bringen. Sie ist eine Universalbehandlung der Psyche: jede kleine Kontraktion, die du über die Wirklichkeit hast, wird ganz sicher im Ozean der Intimität an die Oberfläche kommen. Bevor es damit ernst wird, braucht ihr sehr klar definierte Vereinbarungen darüber, wie ihr die Dinge aufarbeitet, sobald sie auftauchen; wie ihr alte Angewohnheiten in den Strom der Liebe verwandelt. 4 - Ehrlichkeit Wir sehen Ehrlichkeit nicht so sehr als eine moralische Tugend an, sondern als ein mächtiges Hilfsmittel zur Transformation, Trennung loszulassen und in etwas hineinzuschmelzen, das größer ist als das Persönliche. Unehrlichkeit, sei es als Lügen oder Verdrehen, oder einfach nur als kommunikatives Zurückhalten, hält die persönliche Identität und das persönliche Muster aufrecht. Es hält " meine Wahrheit" getrennt von " der Wahrheit". Wenn wir alles unserem Partner enthüllen, auch wenn es für uns erniedrigend oder beschämend ist, selbst wenn wir befürchten, den anderen zu verletzen, lassen wir das Alte sterben und bleiben im Jetzt. Das macht eine Beziehung nicht notwendigerweise einfacher oder harmonischer, aber die Persönlichkeit wird transparenter und fließender. Wir meinen damit nicht, dass wir ständig mit dem herausplatzen, was in unserem Geist vorgeht. Das würde nur Chaos schaffen. Wir praktizieren Ehrlichkeit auf strukturierte Weise. In unseren Workshops und auch in persönlichen Konsultationen lehren wir kurze, strukturierte Übungen, die uns helfen, auf eine klare und nicht-verwickelte Art zu kommunizieren. Dazu braucht man weniger als fünf Minuten. 5 - Humor und Kunst Wir haben beide viele Jahre damit zugebracht, tiefe psychotherapeutische Kenntnisse zu erwerben. Wir haben wohl das meiste ausprobiert, was in Anzeigen wie in der Zeitschrift Connection angeboten wird. Die Praxis von Wirklicher Liebe ist keine Therapie im herkömmlichen Sinn. Unsere Praxis zielt nicht darauf ab, die Persönlichkeit zu verbessern oder zu verändern oder zu heilen, sondern sie locker und transparent zu machen. Der grundlegende Unterschied zwischen Beziehung als einem therapeutischen Prozess und Beziehung als spiritueller Praxis ist Humor. Wenn Chameli zum Beispiel bemerkt, dass Arjuna sich auf Kontrolle versteift, versucht sie nicht, das zu ändern, oder zu analysieren, ob es etwas mit seiner Mutter zu tun hat. Sie bittet ihn dann einfach spielerisch, im Zimmer herumzumarschieren und dabei einen britischen Feldwebel zu imitieren. Wir transformieren alte Gewohnheiten in eine humorvolle, fließende Kunstform. 6 - Beschenken Wir haben eine Abmachung, uns gegenseitig tiefer zu bringen. So ähnlich wie beim Ausüben von asiatischen Kampfsportarten, oder wie bei jeder anderen Disziplin, ist unsere Praxis ständig offen und wird zu einem Strom von geistiger Großzügigkeit, wodurch die Liebe zu allem im Universum fließen kann. Wir verwenden dafür unsere Beziehung als ein höchst effektives Hilfsmittel, das immer verfügbar ist. Für uns fängt es damit an, herauszufinden, ob man in einer Beziehung ist, um etwas zu bekommen, seien es Sicherheit, Komfort, Sex oder Linderung der Einsamkeit, oder ob wir in einer Beziehung sind, unseren Partner weit über seine gewohnten Begrenzungen hinaus zu beschenken. Wenn du deinen Partner so in Ekstase bringst, wo er allein nicht hinkommen könnte, dann praktizierst du die Große Liebe, dann praktizierst du eine neue Beziehung mit dem gesamten Leben. Wir alle verfangen uns darin zu versuchen, etwas von Außen zu bekommen. Wir denken, wir sehnen uns danach, Liebe zu bekommen, Sicherheit zu bekommen, Respekt zu bekommen. In unserer Arbeit mit anderen Menschen haben wir immer wieder festgestellt, dass sich jeder tief drinnen danach sehnt zu geben, um auf einzigartige Weise ein wahres Geschenk für die Welt zu sein. Es wäre eine Tragödie zu sterben, ohne dass dieses Geschenk vollständig gegeben worden wäre. 7 - Präsenz Eine wichtige Übung, die wir den Menschen zeigen, ist, wie man den Strom der Liebe durch den Körper so öffnet, dass andere Menschen es spüren können. In all unserer Kommunikation ist es viel weniger wichtig, was wir sagen und tun als von wo aus wir es sagen und tun. Wenn du präsent bist, vollkommen im Körper, so dass dein ganzer Körper offen ist, und voll bewusster Präsenz vibriert, dann wird mehr oder weniger alles, was du sagst oder tust, ein Kanal dafür sein, dass diese Präsenz empfangen und als Liebe erfahren wird. 8 - Lob Der wohl am meisten übersehene und wenig benutzte Muskel in unseren persönlichen Beziehungen ist die Kunst und Ausübung des Lobens. Wenn wir jemandem nur eine einzige Aufgabe aufgeben könnten, die er täglich tun sollte, und was den größten Unterschied ausmachen würde, wäre es, seinen Partner fünfmal am Tag zu loben, oder seine Freunde und Familienmitglieder - jeden Tag. Wir bringen Paaren eine Übung bei, die wir Couples-Puja nennen. Bevor du den Tag beginnst, verneige dich vor deinem Partner und überschütte ihn mit Lob und Dank. Beginne die Beziehung jeden Tag frisch, und erneuere dein Versprechen, gemeinsam in Ehrlichkeit und Liebe so tief zu gehen wie nur möglich. Aus den Berichten, die wir von den Paaren bekommen, die diese Übung praktizieren, und aus unserer eigenen Erfahrung, würden wir sagen, dass diese Praxis eines der transformativsten Geschenke an eine intime Beziehung ist. 9 - Die Beziehung als Guru Das Wort "Guru" kommt aus den Sanskrit-Wurzeln Gu und Ru, was wörtlich übersetzt heißt: "das, was Unwissenheit und Dunkelheit vertreibt". Die Bedeutung des Wortes hat sich dahin entwickelt, dass es eine Person ist (meistens orientalisch und männlich), die dir sagen kann, wie du dein Leben leben sollst, was du essen, und wohin du deine Spenden schicken sollst. Wir haben beide eine genügende Portion des traditionellen Gurukonzepts abbekommen, und wir sind beide außerordentlich dankbar für die Gaben, die wir erhalten haben. Aber die größte Gelegenheit für den Guru in deinem Leben, für die Kraft, die dich ständig zu dir zurück bringen kann, die dich ständig an deine tiefere Verpflichtung erinnern kann, und die deine Widerstände immer wieder zu Transparenz und Kunst führen kann, ist die Person, die auf der anderen Seite im Bett schläft. Unterhalb der Vergesslichkeit, die oft unsere Beziehung trübt, liebt dich dein Partner total; andernfalls hätte er es sich nicht ausgewählt, bei dir zu sein. Dein Partner kann auch deine blinden Flecken sehr viel besser sehen als du sie selbst wahrnehmen kannst. Wenn du bereit bist, deinem Partner zu vertrauen, kann er dich besser aus dem Sumpf der Trennung führen, als du es je selbst tun könntest, und sehr wahrscheinlich auch besser als jemand mit einem langen weißen Bart oder einer Flotte teurer Autos. 10 - Alles Willkommenheißen Die größte Arbeit, die wir als Paar zu tun hatten, war, alle unsere Bilder davon loszulassen, wie Liebe aussehen sollte. Wir haben erkannt, dass viele der Werte, die wir instinktiv übernommen hatten, wie Harmonie, oder die Gefühle anderer nicht zu verletzen, süß und nett zu sein, oder Leute ihre eigenen Dinge tun zu lassen, nur eine sehr schmale Bandbreite davon ausmachen, was als Ausdruck wirklicher Liebe möglich ist. Wir haben - oft unter Schmerzen - gelernt, dass das, was zwischen uns geschieht, von einer viel reicheren Liebe und Tiefe erfüllt ist, als jedes Modell, das wir uns vorstellen konnten. Viele der Übungen, die wir leben und lehren, sind so konzipiert, dass sie Vorstellungen auflösen, wie eine Beziehung sein sollte. Vielmehr befreien sie unsere Energie, um absolut präsent zu sein, alles willkommen zu heißen und spielerisch mit dem umzugehen, was tatsächlich passiert. Suchen hat vielleicht ein Ende. Aber Liebe ist endlos. Wer kann sagen: "Jetzt weiß ich alles über die Liebe, ich habe sie bis an ihre äußerste Grenze gebracht." Da wartet immer noch viel mehr hinter dem Horizont. Wenn du müde geworden bist, der Karotte absoluter Erleuchtung hinterherzujagen, als einem Ziel in der Zeit, dann ist es an der Zeit, dich von der langen Wanderschaft im weichen Gras zu entspannen und heute als Liebe zu leben. Wir kennen keinen besseren Weg, die Große Liebe zu praktizieren, als in der heißen Glut einer intimen Beziehung. Mehr Infos: www.livingessence.com |