Interview mit Michael Barnett Im Folgenden drucken wir einen Teil des Gespräches mit Michael Barnett in Energy World / Frankreich ab, das Mariam und Teresa Sura für das One Spirit Magazin dort am 19.Juli 1996 führten.
Das Gespräch lief vor dem Hintergrund der zunehmenden Sektenhatz in Frankreich und einem damit in Zusammenhang stehenden "Überfall" ab, den die französische Polizei unter dem Vorwand der Steuerfahndung auf Energy World verübte. Obwohl der Vorwurf der Steuerhinterziehung offensichtlich nicht der Wahrheit entsprach, kündigten Versicherungen und Banken ihre Vertragsverhältnisse und Energy World wurde als gefährliche Sekte gehandelt. Mariam: In den letzten Monaten liefen viele Kampagnen gegen spirituelle Gemeinschaften, die als Sekten tituliert und als gefährlich bezeichnet werden; so wie deiner Gemeinschaft erging es in letzter Zeit auch vielen Gemeinschaften in Deutschland. Zuerst möchten wir dich fragen, ob Du meinst, daß es einen bestimmten Grund gibt, das dies gerade jetzt passiert ? Und das andere ist: Glaubst du es wäre gut, wenn sich spirituelle Gemeinschaften und Gruppen zusammentun würden, so daß sie eine stärkere Position in der Gesellschaft hätten und sagen könnten: "Wir sind nicht das, was von uns behauptet wird."? Wenn sie sozusagen eine positive Kampagne für Spiritualität starten ? Michael: Warum es passiert? Kennt ihr das Buch "Die Prophezeiungen von Celestine"? Ich denke ihr habt es gelesen. Jetzt haben sie "Die Zehnte Prophezeiung" herausgegeben. Diese lese ich gerade. Der Autor hat eine sehr interessante Begründung dafür. Er sagt, daß momentan ein Konflikt zwischen den Traditionellen und den Experimentellen besteht. Ich glaube in Deutschland ist es nicht so schlimm, aber zum Beispiel in England hatten viele Schulen eine sehr liberale Haltung: die Lehrer arbeiteten, wann sie Lust hatten und die Lehrpläne waren sehr locker. Rechtschreibung und Mathematik wurden auf neue Weise gelehrt, Hausaufgaben und strenge Disziplin waren sowieso veraltet - es ging darum, einfach alles fließen zu lassen. Viele (traditionelle) Leute waren sehr unzufrieden mit dem, was dabei herauskam. Ein anderer Fall ist die Familie:ungefähr fünfzig Prozent aller Kinder sind unehelich geboren - in Deutschland und England ist die Rate sehr hoch, auch in den meisten anderen europäischen Ländern; in Italien und sonstigen katholischen Ländern nicht so sehr, aber auch hier in Frankreich beträgt die Rate fünfzig Prozent. Die Traditionellen verteidigen also die Gesellschaft in vielen Bereichen gegen das, was sie als gesellschaftlichen Zusammenbruch ansehen. Leute wie wir werden in diese Kategorie eingeordnet: auch wir experimentieren mit neuen Lebensweisen, also werden wir als eine Bedrohung für die Gesellschaft angesehen. Es ist eine allgemeine Strömung; etwa fünfzig Prozent der europäischen Bevölkerung sagt: "Laßt uns die Dinge entspannter angehen; laßt uns das Leben mehr genießen." Und die Traditionellen glauben, die Auswirkung davon wäre die Zerstörung einiger wirklich wichtiger Gesellschaftswerte, wie gute Manieren, eine anständige Familie und ordentliche Kindererziehung: ein gewisses Maß an Disziplin, und Kinder gehören zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett. Und sie fürchten wirklich, daß die Auswirkungen dieser Tendenz eine völlige Destrukturierung von allem ist und zum Chaos führt. Das ist ihr wirklicher Feind, aber wir werden dazugeordnet; und wir können damit identifiziert werden, weil wir eine bestimmte Philosophie vertreten. Diese anderen Bereiche ( in denen sich gesellschaftliche Strukturen verändern ) besitzen so gut wie keine Philosophie, es ist wie eine unterirdische Strömung: es gibt keine öffentlichen Erklärungen, keine Doktrinen, es ist einfach nur da. Aber wir haben eine bestimme Sichtweise, die identifiziert und angegriffen werden kann. Das könnte also einer der Gründe sein: daß wir der Sündenbock sind. Nicht nur, weil immer ein Sündenbock gebraucht wird - wie die Deutschen die Juden brauchten, Hitler brauchte einen Sündenbock als Feind - sondern wir sind insofern der Sündenbock, als wir ein identifizierbarer Teil des Feindes sind, der schwach ist, und auf den man sich fixieren kann. Wir sind eine große Gemeinschaft von etwa hundert Leuten, eine der größten Gemeinschaften in Europa. Und trotzdem sind wir nur eine Handvoll Leute, also ist es leicht, uns derart zu überwältigen und anzugreifen. Teresa: Es entwickelt sich eine Art stille Revolution, und das ängstigt die Gesellschaft, weil damit eine Zeit der Veränderung einhergeht. Deshalb wird mit aller Kraft versucht, das zu unterbinden. Aber eigentlich zeigt es, daß etwas gravierendes passiert, sonst würde man nicht so stark darauf reagieren. Michael: So wie ich es sehe... ich kann mich täuschen, aber für mich richtet sich die wahre spirituelle Lehre nicht gegen die Gesellschaft. Ich bin ganz und gar nicht gegen die Gesellschaft, auch wenn ich mit gewissen Dingen nicht einverstanden bin. Mein Weg ist es, die Sichtweise der Menschen zu verändern, sie mehr sehen zu lassen, anderen Menschen näher zu sein, um dem gemeinsamen Band des Lebens an sich näher zu kommen.Dadurch werden sich die Leute von selbst ändern; und die Gesellschaft wird sich verändern, weil die Menschen sich ändern. Ich benutze oft das Beispiel der Alchemie, um das zu beschreiben: Die Alchemisten versuchen Metall in Gold zu verwandeln. Metall läßt sich nicht unmittelbar in Gold verwandeln, man muß mehr oder weniger zum gemeinsamen Grundstoff zurückgehen, zum Grundelement des Lebens: man muß das Zinn, oder was immer es ist, destrukturieren und es neu zu Gold verarbeiten. Zuerst wird es auf solche Weise in Schwingung versetzt, daß es sich in seine Bestandteile auflöst, und dann wird es in die Schwingung von Gold zurückversetzt. Nicht wie bei einer gewöhnlichen politischen Revolution - die nicht funktioniert, wie wir gesehen haben - "Hör damit auf und mach dies". Das ist nicht mein Weg und ich glaube auch nicht, daß es der wahre Weg ist. Der wahre Weg führt zurück zur Quelle, zum puren Leben in uns selbst: der nächste Atemzug, das Zwitschern der Vögel, die einfachen Dinge, der eigentliche Ursprung des Lebens, bevor wir auf irgendeine Weise erzogen wurden; und von dort aus kann man das Leben als eine Ausdehnung dieses Ursprünglichen sehen. Wenn du ein neues Leben aufbaust, welches ist dann der wahre Weg für dich, dieses Gefühl von Ganzheit und Einssein, dieses Urleben in das Zusammenleben mit anderen Menschen in Form einer Gesellschaft zu bringen? - was unvermeidbar ist, und wofür ich mich ganz und gar einsetze. Ich bin also nicht gegen die Gesellschaft. Ich rate den Menschen nicht, ihren Job aufzugeben oder ihre Familie zu verlassen; ich vermittle ihnen einfach eine Erfahrung, die hoffentlich ihre Sichtweise der Dinge erweitert und bereichert und sie ihre eigenen Entscheidungen treffen läßt. Und wenn genügend Menschen ihre eigenen Entscheidungen auf diese Weise treffen, haben wir eine bessere Gesellschaft - frei von einigen der schlimmsten Aspekte, die gegenwärtig vorhanden sind. Ich sehe mich selbst in keinster Weise als Feind, und deswegen ist es doppelt schockierend: erstens werden wir zu Sündenböcken gemacht, und zweitens sehe ich mich oder Leute wie mich überhaupt nicht als Repräsentant einer Sorte Mensch, die die gegenwärtige Gesellschaftsform zerstören will. Ich bin nicht gegen die Familie. Ich "verheirate" andauernd Leute miteinander - wahrscheinlich werde ich heute Abend wieder eine Goose-Hochzeit zelebrieren. Ich sage ständig: "Schön, dann bleibt zusammen." Es ist völlig in Ordnung. Die meisten der Leute hier leben in einer festen Beziehung. Was nicht heißt, daß sie das sollten, einige haben keine feste Beziehung, aber ich bin dem gegenüber völlig offen; nicht nur insofern daß es wunderbar sein kann, mit einem anderen Menschen tiefer und tiefer in eine Beziehung zu gehen, sondern auch weil es eine sehr wirkungsvolle Lernmethode ist: man geht durch all die Probleme hindurch, weil man sich verpflichtet hat, und weil man versprochen hat, mit dem anderen für drei Jahre zusammenzubleiben, egal was passiert. Das ist es, was die Leute sagen müssen, wenn ich sie verheirate: "Ich werde mit diesem Menschen drei Jahre lang zusammenbleiben, egal was geschieht." Egal ob es die Hölle ist, egal ob dein Partner mit jemand anderem zusammen war; du kannst wütend sein, du kannst verletzt sein, du kannst tun, was du willst - aber du kannst nicht gehen. Und dann siehst du, was auf der anderen Seite von all dem liegt. Es kann also ein sehr hilfreicher Weg sein, diese Tiefen zu ergründen, anstatt einfach zu sagen: "Auf dieser Ebene sage ich nein." Vielleicht gibt es eine tiefere Ebene, auf der es ein viel tieferes "Ja" gibt, das zulassen kann was passiert ist und erkennt, daß nichts Tiefes, nichts wirklich Fundamentales zwischen euch zerstört wurde, und dann bist du frei, du mußt nicht reagieren, wenn es das nächste Mal passiert. Ich bin also keineswegs gegen die Familie und ganz sicherlich nicht gegen eine anständige Ausbildung - die ich genossen habe und worauf ich wirklich vertraue. Sich für eine gewisse Zeit dahinterklemmen, tun, was einem gesagt wird, und es richtig machen - das ist in meinen Augen eine großartige Lehre. Manche Leute geraten vielleicht hinein und kommen dann nicht mehr heraus - ich verstehe dieses Problem. Wahrscheinlich bin ich insofern kein Durchschnittsmensch, weil ich durch all das durchgegangen bin, ohne davon gefangengenommen zu werden - an irgendeinem Punkt war es mir immer möglich, außerhalb zu stehen. Nicht ,daß ich das während der ganzen Zeit tat, aber irgendwie wurde ich nicht in das Gefühl hineingezogen, daß dies das Leben ist: du mußt einfach immer tun, was dir gesagt wird und gehorsam sein. Aber ich war ein guter Schüler; ich tat, was mir aufgetragen wurde, ich machte meine Arbeit und bekam meine Noten dafür. Ich nahm mit, was dabei herauskam, und ging zu meinem eigenen Leben über. Ich bin also keineswegs gegen die Gesellschaft, und trotzdem werden wir als Leute angesehen, die versuchen, die Gesellschaft zu zerstören, und das erscheint mir ziemlich daneben. Teresa: Ich glaube, daß besonders die traditionelle Kirche fürchtet, die Menschen könnten ihre Angst verlieren; wenn jemand keine Angst hat, kann man ihn nicht kontrollieren. Und das ist, was eigentlich passiert - je mehr die Menschen nach innen gehen, um so mehr erkennen sie, daß sie .ständig aus Angst heraus handeln, aus Schuldgefühlen und all dem Zeug. Michael: Und nicht aus ihrem eigenen Gefühl für Richtigkeit, sondern eher, weil sie es ihr ganzes Leben so gemacht haben, und weil die Eltern es so gemacht haben. Die meisten Relig-gionen sind eine Art Indoktrinierung, die jedoch mittlerweile nicht mehr stark genug ist, weil die Leute nicht mehr tagtäglich damit konfrontiert werden; also ist die Indoktrinierung nicht besonders erfolgreich. Und obwohl es eine natürliche Sache ist, wird von uns geglaubt, daß wir all diese Menschen klauen. Obwohl sie der Kirche gar nicht angehörten, bevor sie herkamen, nehmen wir sie der Kirche weg. Wahrscheinlich ging in den letzten zehn Jahren sowieso niemand von diesen Leuten zur Kirche ! Es ist lächerlich! Aber es ist genau dasselbe. Teresa: Früher dachte niemand daran, aus der Kirche auszutreten und keine Kirchensteuer mehr zu bezahlen - vielleicht ist das die Schwierigkeit. Mariam: Es könnte ansteckend wirken - das ist es, was sie fürchten. Es ist ein Potential für eine große Sache vorhanden, etwas was sich zu einer großen spirituellen Bewegung auswachsen könnte. Die Leute realisieren, daß die traditionellen Religionen tot sind, und sie treten aus den Kirchen aus. Michael: Traditionelle Religion basiert nicht auf persönlicher Erfahrung, sondern auf dem Glauben. Aber ein Augenblick echter Erfahrung ist so wertvoll wie die ganze Bibel. Ich zitiere oft aus der Bibel, weil sie für mich Sinn macht. Früher war das nicht so, aber jetzt bin ich ein Lehrer und ich merke, daß viele der Dinge, die Jesus sagte, für mich stimmen; sie machen Sinn für mich, nicht nur verstandesmäßig, sondern sie drücken etwas aus, was ich für mich selbst als Wahrheit entdeckt habe. Das ist wahre Religion. Ich bin ein ausgesprochen religiöser Mensch, gehöre aber keiner Religion an; und ich bin mir sicher, daß das bei vielen Menschen der Fall ist. Mariam:Was hältst du also von einem Zusammschluß spiritueller Gruppen,um gemeinsame Interessen in der Gesellschaft zu vertreten? ln Deutschland gab es zum Beispiel einen ähnlichen Fall in einerGemeinschaft. Du hast vielleicht davon gehört. Unbekannte Personen schickten der Polizei anonyme Briefe, in denen sie die Gemeinschaft des sexuellen Mißbrauchs von Kindern, des Inzests und ähnlicher Dinge beschuldigten.Die Polizei sagte, sie würde nichts unternehmen, da es keinerlei Anhaltspunkte und Beweise gäbe. Aber die Zeitungen und Magazine stürzten sich darauf. Sie verbreiteten in ganz Deutschland das Gerücht von der gefährlichen Kommune, und sie veröffentlichten Fotos ihres Ladens, der "Mandala" heißt. Die Folge davon war, das die Gemeinschaft eines ihrer größten Geschäfte schließen mußte, und die andere Sache war, daß unsere Zeitschrift und unser Laden damit identifiziert wurden, obwohl keinerlei Zusammenhang bestand. Aber keine der anderen spirituellen Gemeinschaften kümmerte sich darum. Sie sitzen alle da und sagen: "Hoffentlich sind wir nicht die nächsten." Sie schauen weder nach rechts noch nach links und übernehmen keine Verantwortung für andere, denn sie sagen: "Vielleicht stimmt es ja, was über diese Gemeinschaft gesagt wird." Sie verhalten sich genauso wie der Rest der Gesellschaft. lch habe das Gefühl, es wäre gut, wenn sich all diese spirituellen Gruppen zusammenschließen, um eine gewisse Macht zu erlangen - nicht unbedingt, um Politik zu machen, sondern um eine große Gruppe zu bilden, die zum Beispiel positive Erklärungen über ihre neue Lebensweise und über Spiritualität im Allgemeinen abgibt. Aber wenn man sie darauf anspricht, sagen sie alle: "Nein, mit denen möchten wir uns nicht verbinden, und mit jenen wollen wir uns nicht zusammentun." Also passiert nichts, jeder bleibt für sich, und wenn der nächste Medienhammer kommt, steht jeder alleine da. Das ist etwas, was ich mich selber frage. Wenn ich sage: "Wie innen so außen, und wie außen so innen, " dann ist es vielleicht gut, mich nicht nur mit den Dingen in mir zu verbinden, sondern auch mit denen außerhalb von mir und die Verantwortung für das, was um mich herum vorgeht, zu übernehmen. Teresa: Um eine Art Schutz zu bilden. Michael: Ich bin sehr für dieses Miteinschließen und für eine universale Anerkennung aller Menschen, aber in der Praxis ist das nicht so einfach. Ich sprach vorhin über das siebte und das achte Bewußtsein ( ein unveröffentlichter Teil des Gesprächs! ) . Wäre ein Mensch im achten Bewußtsein bereit, sich mit jemandem zu verbünden, der auf dieser siebten Bewußtseinsebene arbeitet? Jemand, der das achte Bewußtsein zu seinem eigenen Zweck benutzt? Sagen wir mal, er wäre bereit, mit jemandem auf spirituelle Weise zu arbeiten, um ihn in das achte Bewußtsein zu bringen, aber würde er sich mit der Person im siebten Bewußtsein zu einer Front zusammenschließen wollen, wenn er sieht, daß diese Person sozusagen die gemeinsame Grundlage, die kosmische Energie, mißbraucht? Wenn ich sehe, daß jemand damit in Berührung ist und es mißbraucht, und wenn ich mir sicher bin, daß ich es nicht mißbrauche. Natürlich ist niemand vollkommen rein, aber wenn ich es mit Sicherheit nicht absichtlich tun würde, wenn ich nicht sähe, und niemand mich sehen ließe, daß ich es mißbrauche, und ich mir ziemlich klar über meine Motive bin - würde ich mit einer solchen Gruppe eng verbunden sein wollen? Das ist das Problem. Auf einer gewissen Ebene besteht eine Einheit, aber aufder anderen Ebene, auf der man sich zusammenschließt und sich gegenseitig verteidigt - nicht nur gegen Angriffe von außen, - würdest du vielleicht am Ende eine Gruppe unterstützen, die in deinen Augen sogar kriminell ist. Versteht ihr, was ich meine? Es gibt so viele Unterschiede. Einerseits ist diese ganze Bewegung, wie ihr sie nennt, ziemlich neu, und viele Menschen gehören ihr an, weil sie so viele verschiedene Arten der Therapie bietet. Die Leute probieren alles Mögliche aus: für ihre Gesundheit, für Verbesserung und Selbstentwicklung und so weiter. Es gibt sozusagen viele verschiedene "Parteien", obwohl sie als eine Gruppe angesehen werden; und selbst wir neigen manchmal dazu, sie als eine Gruppe anzusehen. Du fragst: "Was ist mit dieser Bewegung spiritueller Menschen?" Aber wer gehört dazu? Ein paar ausgesprochen Kriminelle gehören mit Sicherheit dazu. Mariam: Aber damit argumentiert jeder. Ich kann deinen Punkt sehen, das ist ein echtes Problem. Aber es geht darum, einen Weg zu finden, die Menschenrechte zu verteidigen, die Rechte zu verteidigen, die jede Gesellschaft den Menschen zugestehen muß. Es stimmt nicht, daß es in Deutschland religiöse Freiheit gibt. Die Kirchen haben die Macht, und jede kleinere Gruppe die sagt: "Wir sind eine religiöse Gruppe", wird nicht akzeptiert. Es geht also darum, ein Bündnis zu schaffen, das für spirituelle und religiöse Freiheit kämpft. Michael: . . . Ich fühle mich auch dafür verantwortlich, daß den Menschen ihre Grundrechte nicht zugestanden werden, wie bei dieser Sache in Deutschland, von der du mir erzählt hast. Es ist absolut widerlich. Wie die Presse diese Dinge benutzt, ist einfach unverschämt. Und auch die Razzia hier war total unverschämt. Aber wenn du von Zusammenschluß sprichst, öffnest du eine Dose voller Würmer, wie wir im Englischen sagen. Du machst das Ding auf, und jeder kommt mit seinen Ideen daher. Es gab ein Treffen aller Gruppen, die in Frankreich als Sekten aufgeführt waren. Ich sagte: "Laßt uns hingehen, dann treffen wir wenigstens ein paar sympathische Leute." Aber dann sagten unsere Rechtsanwälte: "Nein, macht das nicht; die haben mit der Scientology zu tun" - die einen ausgesprochen schlechten Ruf hier hat. Auch ich mag sie nicht besonders; ich hatte mit ihnen zu tun, als ich jung war, und ich habe absolut kein gutes Gefühl zu ihnen, darum möchte ich nicht gerne mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Also gingen wir nicht hin... Wenn ich gespürt hätte, daß wirklich etwas Wertvolles dabei hätte herauskommen können, hätte ich gesagt, "Zur Hölle damit - wir müssen tun, was für uns stimmt." Aber irgendwie schien es nicht das Richtige zu sein, weil sich sonst eine Dose voller Würmer geöffnet hätte. Es ist einfach, von dieser neuen Bewegung der Spiritualität zu reden, aber es gibt so viele Tiere da - von Schlangen, Krokodilen, menschenfressenden Tigern und Gorillas bis hin zu Lämmern, friedlichen Leuten, und starken Löwen, die wahrhaftig auf jede erdenkliche Weise versuchen, die Leute zur Erleuchtung zu bringen, und denen man gewiß trauen kann. Auch wenn sie wirklich starke Leute sind und ein bißchen gewalttätig erscheinen, kannst du sehen, daß sie tatsächlich großartige Arbeit leisten. Es gibt so viele Tiere, es ist ein ganzer Zoo von Leuten. Stell dir vor, einen ganzen Zoo von Menschen zusammenzubringen und zu sagen: "Jetzt schließen wir uns alle zusammen und informieren die Leute über das was wir tun." Jeder tut etwas anderes. Manche fressen einander auf ! |