...vom Ende zwanghaften Denkens
ein Interview mit dem holländischen Lehrer Lodewyk
Frage: Man sagt Du bist ein Mann des Herzens. Was bedeutet das? Lodewyk: Es bedeutet, dass das Herz die Tür oder der Eingang zur Transformation ist. Für einige Menschen ist es der Kopf. Mein Hintergrund ist das typische Bhakti. Bhakti heisst Herz, Hingabe und die Fähigkeit des Loslassens. Frage: Ist vollkommene Hingabe an den Lehrer in diesem Rahmen wesentlich? Lodewyk: Ist jemand daran interessiert zu erwachen, ist das absolut notwendig. Ohne Hingabe zum Lehrer ist auf dem Weg des Bhakti keine Erleuchtung möglich. Darum geht es: Das Ich gibt sich einer höheren Kraft hin. Diese Kraft ist die Energie des Lehrers, es ist Bewusstsein, das sich manifestiert in der Form des Lehrers, einem erwachten, erleuchteten Wesen. Frage: Kann sich das Ego selbst zerstören? Lodewyk: Wie könnte es? Es ist ein Phantom. Ein Phantom kann sich nicht zerstören, es besitzt keine Substanz. Frage: Wie wichtig ist es meinen Körper zu spüren? Lodewyk: Sobald der Suchende sich einem erleuchteten Meister hingegeben hat, spielt diese Frage keine Rolle mehr, weil alles durch sich selbst stattfi ndet. Da ist keine Handlung und kein Handelnder, nur diese unbeschreibliche Liebe zwischen Meister und Schüler. Diese Beziehung transformiert das Ego zu Bewusstsein. Frage: In deinem Satsang betonst du, es sei wichtig zu wissen, was man will. Lodewyk: Das gehört zum täglichen Leben, ist eine andere Geschichte. Ich spreche von dem Übergang in ein anderes Seins-Niveau. Das kann nur statt finden, wenn du den Geschmack des Lebens voll aufgenommen hast. Das Ego muss erst wachsen. Viele Menschen sind da noch nicht gewesen. Ein kleines Ego hat sie zu einem Meister geführt, um Hilfe zu erhalten, einfach ein Schutzbedürfnis. Das ist nichts falsches. Ich hatte mein Ego aufgefüllt, es war ziemlich gross und stark, gut ausgewachsen. Wie kann das Ich weggefegt werden wenn es nicht reif ist? Als ich meinen Meister traf, was ich damals noch nicht wusste, dass er es sein würde, kam das Wort Ego auf, er hatte es bis dahin nicht gekannt. Er zeigte auf mich und sagte: »You: very big ego.« In diesem Moment störte es mich, denn als spiritueller Begriff ist es nicht gut, oder? Aber es war grosses Glück ein aufgeblasenes Ego zu haben. Wie ein Luftballon, bereit zu platzen, es war nur noch eine kleine Berührung nötig. Und so war es. Ist ein Ballon nur halbvoll und du versuchst ein Loch zu stechen, ist es schwerer. Für viele ist die Gegenwart eines Erwachten die beste Therapie. Sie mögen vieles wissen über Erleuchtung, das ist der Witz, aber die Wahrheit ist und ich habe es selbst gesehen: die Anwesenheit des Lehres ist äusserst wichtig. Mein Lehrer sprach keine tiefgreifenden Worte, er las auch nicht, seine Energie war genug. Die heilendste Sache der Welt ist es in einem Energiefeld zu sitzen, in einem Buddha-Feld eines erleuchteten Wesens. Ich habe es erlebt. Die Menschen sitzen da für eine Weile und es ist als würden sie geheilt und können zurück ins Leben, jetzt können sie loslegen. Doch das spirituelle Ego mag das nicht. Es gibt vor erleuchtet sein zu wollen, aber in Wirklichkeit ist Erleuchtung die einzige Sache, die es nicht will. Frage: Ist Meditation nützlich, empfiehlst du sie? Lodewyk: Alle spirituellen Systeme sind vom Verstand erschaffen. Meine Lehre ist eigentlich gar keine: Wenn du wirklich etwas tun willst dann tu es. Um einen echten Meister herum fangen die Leute im Bereich des Egos an zu blühen. Das erleuchtete Sein erkennt, dass eben dieses zuerst erfüllt sein will. Das falsche Ego muss solide werden. Stell dir vor was los ist, wenn du wirklich etwas willst. Zum Beispiel: Du willst eine Stunde am Tag meditieren. Aber deine Freundin sagt: »Nein, nein. Ich war auf einem Retreat mit Lodewyk und er sagte, Meditation sei Selbsthypnose. Du brauchst nicht zu meditieren, um erleuchtet zu werden.« Also tust du es nicht. Im Herzen aber willst du es. Was ist hier also los? Ein Konflikt wurde geschaffen, der Negatives mit sich bringt. Mach was du wirklich willst und finde so heraus, ob es nützlich ist. Das kannst nur du für dich selbst entscheiden. Frage: Kennst du den Zweck des Lebens? Lodewyk: Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst. Frage: Aus meiner Erfahrung ist eine Liebesbeziehung eine grosse Herausforderung für das Ich. Offensichtlich ist gerade da eine Menge Vergangenheit und Zukunftsvorstellung mit dabei. Lodewyk: Die Herausforderung für jede Beziehung, nicht nur für eine Liebesbeziehung, ist es, ganz im Moment zu sein. Das ist das schwierigste, solange das Ich sich identifiziert und in dem normalen Zustand der Unbewusstheit lebt. Wenn du glaubst, er oder sie machen dich dauerhaft glücklich, wirst du früher oder später herausfi nden, dass das so nicht funktioniert. Eine Liebesbeziehung kann hilfreich sein, wenn sie als Teil einer spirituellen Reise verstanden wird. Dann ist sie eine enorme Quelle von Selbsterkenntnis. Frage: Bringst du dem Thema Beziehungen viel Aufmerksamkeit entgegen? Lodewyk: Es gibt nichts anderes. Untersuch es selbst mal, du wirst sehen, Leben ist Beziehung. Ohne Beziehung kein Leben. Ein normales menschliches Wesen ist ständig in Beziehung, zu anderen Menschen, zu seinen Gedanken und Gefühlen oder zu Dingen. Die ganze Zeit beschäftigt. Das nennen wir Leben. Frage: Heute im Satsang hast du uns mitgeteilt, dass du nur denkst, wenn du es willst. Ist da eine Kontrolle eingebaut? Wer entscheidet wann gedacht wird und wann nicht? Lodewyk: Was ist der Denker? Eine zwanghafte Sorgenmaschine. Du kannst sie nicht stoppen, merkst es oft nicht einmal. Der Verstand gebraucht dich. Du glaubst ihn zu gebrauchen, aber das ist nicht wahr. Der Verstand regelt dein Leben. Er lebt dich. Indem der Verstand uns benützt, was passiert da in der Welt? Disfunktionalität bis hin zur Tötungsmaschinerie. Nie wurden soviele Menschen getötet wie im letzten Jahrhundert. Bewegst du dich im wirklichen Sein benützt du deine Gedanken wann immer du sie brauchst, ansonsten lässt du es, dann ist es still. Denken ist nichts falsches, zwanghaftes Denken aber ist beladen mit Gefühlen aus der Vergangenheit und das ist, wenn es dominiert, ein Albtraum. Über Lodewyk: Lodewyk ist ein wahrer spiritueller Lehrer aus Holland, dessen Erwachen durch die Gnade des indischen Meisters Swami Hans Raj Maharaj geschah. Die hauptsächlichen mündlichen Lehren dieses traditionellen Bhakti-Gurus waren "kein Sex, kein Wein und kein Fleisch", was auf Lodewyk nicht besonders anziehend wirkte. Nachdem trotz dieser Lehren sein Herz mit dem dieses erleuchteten Meisters verbunden war, begann eine geheimnisvolle Kraft jenseits des egoistischen Verstandes seinen Körper und seine Seele zu "reinigen". Die einzige spirituelle Übung, die Maharaj ihm zwei Jahre lang erlaubte war, eine Stunde täglich in seiner Präsenz zu sitzen. Lodewyk nennt sich selbst einen Mann des Herzens. Ihm zuzuhören und mit ihm zu sein kann Ihnen eine Erfahrung von stillem Raum und liebevoller Gegenwärtigkeit vermitteln, worin Sie allen Dingen und allen Menschen erlauben, so zu sein, wie sie sind. Er spricht direkt aus der Mitte seines Seins, aus einem Raum von Unschuld und Reinheit. Seine öffentlichen Treffen (Satsangs) sind sehr humorvoll, authentisch und lebendig. Lodewyk versteht deutsch und seine Satsangs werden vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Weitere Informationen: www.lodewyk.com
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