Herrmann Münch


Das was ich male entsteht meistens ohne feste Idee oder Vorgabe. Aus der Flut von tausend farbigen Teilchen formt sich das Geschehen. Ich muss dabei oft an das Chaos denken, aus dem Sterne geboren werden.
Manchmal zäh wie Lava, manchmal leicht wie eine sprudelnde Quelle bildet sich das Gemalte wie ein Spiegel meines inneren Seins und meines alltäglichen Lebens.
Ich musste erst lernen, dass Fische im Himmel schwimmen können, ich musste erst lernen, dass freie Menschen und wilde Tiere gemeinsam auf Reisen gehen können, ohne sich gegenseitig zu bekämpfen oder zu verschlingen. Erst in den letzten Jahren konnte ich den Tod in meinen Bilderwelten willkommen heißen. Jetzt kann ich sehen, dass die Suche nach Freiheit, die Suche nach dem Licht nicht ohne tiefe Wurzeln in unserer Mutter Erde passieren kann.

Wenn ich von den zeitgeistigen Malern belächelt werde und ich den lichtvollen Malern nicht lichtvoll genug male, weiß ich nicht, wohin ich gehöre. Erst wenn mir das schmerzbewegende Licht aufgeht, dass ich ganz alleine mich selbst male, in seinem ganzen Facettenreichtum, den mir das Leben und der Tod schenkt.
Wow, was für ein Geschenk. Danke.

Was für wundervolle Momente, ein Empfangender zu sein, was für dankbare Augenblicke ein Schöpfer zu sein, der das Unbekannte zum Leben erwecken darf.

Zu dem Bild: „Nimm mich auf“
Es entstand nach dem Tod meines Schwiegervaters, den ich in seinen letzten Minuten und nach seinem Tod in tiefem Mitgefühl und –Freude- begleiten durfte.

Ich hatte schon einmal den Tod erlebt, so als handele es sich um eine Hochzeitsfeier. Wie eine Braut so trägt auch die Frau auf diesem Bild ein weißes Gewand. Ihre Hände öffnen sich zum Himmel, während sie auf der Erde kniet. Das Ganze erinnert mich an einen kräftigen Baum. Mit seinen Wurzeln ist er fest in der Erde verankert und seine Krone ist weit in die Unendlichkeit des Alls verzweigt. Sein Stamm ist der Mensch, der sich als verbindendes Glied zwischen Himmel und Erde empfindet.

Zu dem Bild: „Die Unendlichkeit von Leben und Tod“
Dies ist mein Lieblingsbild.
Die unendliche 8 verschlingt sich in der geheimnisvollen, todbringenden Nacht und dem zerspringenden, die neue Frucht gebärenden Leib eine Frau.
Es wird immer geboren, es wird immer gestorben. Und über Allem wacht ein Einhorn in Ruhe und Gelassenheit. Wie ein Außenstehender beobachtet es das Geschehen.

Dieses Bild ist so leicht und natürlich aus mir geboren, dass es eine helle Freude war.

 

Zu dem Bild: „Der Regenbogenkrieger“
Vieles von dem was ich möchte und Vieles von dem was ich bin, ist in diesem Bild vereint.

Er tanzt den Tanz seines Lebens. Er jongliert mit den Früchten, die seine Hände füllen, ohne auf die Früchte in den Händen anderer zu schielen. Alle Facetten des Regenbogens nutzt er. Er stellt sich dem, was ihm begegnet, ob Licht oder Schatten, Tod oder Leben. So wie er seine Fehler kennt, so kennt er seine Vorzüge.

"Es ist wie wenn du von einer langen, abenteuerlichen Reise zurück kehrst und von deinen Wegen erzählst.
Du zeigst deine Mitbringsel von deine fernen Welten, du erzählst aus deinen Erinnerungen und deine Zuhörer lauschen deinen Berichten und erfreuen sich an den mitgebrachten Bildern.
Stationen vieler langer Wege, die selbst aus tausend einzelner Momente bestehen, aus Wegen die gegangen und erforscht wurden wieder in Verzweiflung zurückgegangen, die Rätsel aufdeckten und Rätsel hinter ließen... nur weiter bis das Ziel erreicht wurde.
Am Ende des Zurückgelegten steht das mitgebrachte Bild, das für dich als Betrachter, als Zuhörer der Anfang deines eigenen Weges, deiner eigenen Erinnerung bedeuten kann.

Und dies möchte ich mit euch teilen:
Bilder, Wege, die jeder aus seinem eigenen Leben kennt, Stationen, die erinnern an schon Gewesenes, Situationen, die Neues erblühen lassen in deinem inneren Garten.

Wer von uns musste noch nicht ein Feuertor durch gehen, Momente bestehen die viel Mut und Überwindung gekostet haben. Wer von uns hat noch nicht miterlebt wie aus unüberwindlich Verflochtenem ein neuer Stern entstand, wie sein eigenes Kind auf diese Welt kam und wir miterleben durften, wie dieses Wesen sich entwickelte und entfaltete. Wer hat noch nicht erlebt wie sein inneres Land gebrochen wurde und wer stand noch nicht auf einem hohen Berg, dem sich das Wunder der Natur auftrat und der spürte, dass vielleicht doch Elfen und Gnome existieren, dass es vielleicht doch Welten gibt, die mehr als von einem Wunder erzählen.
Viele Mauern, die unsere Straße begrenzen, wollen eingerissen werden. Viele Tore, die auf unserem Pfade stehen, wollen durchschritten werden. Viele Wege führen uns in immer neue Welten, lassen uns tiefer atmen auf Grund des Wunders, das uns hinter den Schatten erwartet.

Lasst uns unsere Bilder teilen und lasst neue entstehen, jeder auf seine Art. Geh deinen Weg Bilder – Wege..."

5. Juni 2004
Kulturkneipe „Kreuz und Quer“, Landau
Hermann Münch „Wege“

 
Die Unendlichkeit von leben und Tod
Nimm mich auf
Der Regenbogenkrieger