Der besondere Buch-Tipp:

Nisargadattas Weisheiten

Liebeserklärung an einen der außergewöhnlichsten Erwachten des letzten Jahrhunderts

Neben Ramana Maharshi, Shri Anandamayi Ma, Krishnamurti, Poonjaji und Osho (es tut mir leid, wenn ich jemanden vergessen habe!) war Nisargadatta Maharaj sicher einer der bemerkenswertesten spirituellen Leuchttürme im menschlichen Bewusstsein.

Erst in den letzten Jahren findet er auch in Europa immer mehr Bewunderer und Liebhaber. Bisher waren nur wenige Fotos und Dokumente über sein Leben der Öffentlichkeit zugänglich. Es ist dem Kamphausen Verlags als besonderes Verdienst anzurechnen, dass er nun dieses aufwändig gestaltete und berührende Buch von Nisargadatta mit vielen Fotos und einer großen Auswahl erleuchtender Zitate veröffentlicht hat.

Die Fotos zeigen die vielen Gesichter Nisargadattas: einmal ernsthaft, einmal mit seinem typischen Schalk in den Augen, dann beim Spazierengehen oder beim Anzünden einer Beedi-Zigarette.

Es macht Freude, die Schwingungen dieser Seiten aufzunehmen, und fast könnte man bedauern, diesen Meister nicht mehr persönlich erlebt zu haben.

Aber wie sagt Nisargadatta doch:

„Der Guru ist Ihr eigenes Selbst.“

„Nisargadattas Weisheiten“ – Kamphausen Verlag, Preis: 14,49 €

Erkenne, was nicht wahr ist

Frage: Ich habe noch nicht verstanden, warum die Befreiung, wenn ihr doch nichts im Wege steht, nicht hier und jetzt geschieht.

Maharaj: Nichts steht Ihrer Befreiung im Wege, und sie kann hier und jetzt geschehen, aber Sie sind mehr an anderen Dingen interessiert. Andererseits können Sie gar nicht gegen Ihre eigenen Interessen handeln, Sie müssen ihnen folgen, sie durchschauen und beobachten, wie sie sich nur als irrtümliche Beurteilungen und Einschätzungen erweisen.

Frage: Wird es mich denn nicht weiterbringen, wenn ich meine Zeit mit großen und heiligen Männern verbringe?

Maharaj: Große und heilige Männer sind immer in Ihrer Reichweite, aber Sie erkennen sie nicht. Wie wollen Sie erkennen, wer groß und heilig ist?

Durch Hörsagen? Können Sie in dieser Angelegenheit anderen oder sich selbst vertrauen?

Damit Sie ohne alle Zweifel überzeugt sein können, braucht es mehr als nur eine Empfehlung, auch mehr als eine momentane Verzückung.

Vielleicht treffen Sie einen großen und heiligen Mann oder eine Frau und wissen für lange Zeit vielleicht nichts von Ihrem Glück. Das kleine Kind eines großen Mannes wird für viele Jahre nicht die Größe seines Vaters erkennen. Sie müssen reifen, um Größe zu erkennen und Ihr Herz für die Heiligkeit reinigen.

Ansonsten werden Sie Ihre Zeit und Ihr Geld verschwenden und auch verpassen, was das Leben Ihnen bietet. Es gibt gute Menschen unter Ihren Freunden – Sie können sehr viel von ihnen lernen. Den Heiligen hinterher zu rennen ist nur ein weiteres Spiel. Stattdessen erinnern Sie sich selbst und beobachten Sie unablässig Ihr tägliches Leben. Seien Sie ernsthaft, und Sie werden ganz sicher die Fesseln der Unaufmerksamkeit und Vorstellungen sprengen.

Frage: Soll ich denn nur auf mich gestellt kämpfen?

Maharaj: Sie sind nie alleine. Es gibt Kräfte und Präsenzen, die Ihnen die ganze Zeit sehr treu dienen. Sie mögen sie wahrnehmen oder auch nicht, aber trotzdem sind sie real und aktiv. Wenn Sie erkennen, dass sich alles in Ihrem Verstand abspielt und dass Sie jenseits des Verstandes sind, dass Sie wahrhaftig alleine sind, dann ist alles „Sie“.

Frage: Was bedeutet Allwissenheit? Ist Gott allwissend? Sind Sie allwissend? Wir hören das Wort „universeller Beobachter“. Was bedeutet es? Bedeutet Selbstverwirklichung Allwissenheit oder erfordert sie ein spezielles Training?

Maharaj: Jegliches Interesse am Wissen zu verlieren bedeutet Allwissenheit. Sie ist das Geschenk, genau das zu wissen, was man im richtigen Moment wissen muss, um fehlerlos handeln zu können. Schließlich braucht man Wissen, um zu handeln, und wenn Sie richtig handeln, spontan, ohne das Bewusstsein ins Spiel zu bringen, umso besser.

Frage: Kann man den Verstand einer anderen Person durchschauen?

Maharaj: Durchschauen Sie zuerst Ihren eigenen Verstand. Er enthält das ganze Universum, und es bleibt immer noch Platz übrig!

Frage: Nach Ihrer Theorie scheint sich der Wachzustand grundsätzlich nicht vom Traum und den traumlosen Schlaf zu unterscheiden. Im Wesentlichen handelt es sich bei allen drei Zuständen nur um die irrtümliche Selbstidentifikation mit dem Körper. Das mag so stimmen, aber es scheint mir nicht die ganze Wahrheit zu sein.

Maharaj: Versuchen Sie nicht, die Wahrheit zu erkennen, denn das Wissen des Verstandes ist kein wahres Wissen. Doch können Sie erkennen, was nicht wahr ist, und das reicht völlig aus, um Sie vom Unwahren zu befreien. Die Vorstellung, dass Sie wissen, was wahr ist, ist gefährlich, denn es hält Sie im Verstand gefangen.

Wenn Sie nicht wissen, was wahr ist, dann sind Sie frei, den Sachen auf den Grund zu gehen. Und ohne Erforschung kann es keine Rettung geben, denn Nicht-Erforschung ist die Hauptursache des Gefangenseins.

Frage: Sie sagen, die Illusion von der Welt beginne mit dem Gefühl „Ich bin“, aber wenn ich Sie nach der Herkunft des Gefühls von „Ich bin“ frage, dann antworten Sie mir, dass es keine Herkunft hat, denn wenn es untersucht wird, löst es sich auf. Was stark genug ist, um eine Welt darauf aufzubauen, kann nicht nur eine Illusion sein. Das „Ich bin“ ist der einzige unveränderliche Faktor, dessen ich mir bewusst bin. Wie kann das falsch sein?

Maharaj: Nicht das „Ich bin“ ist falsch, sondern das, was Sie zu sein glauben. Ich sehe ohne den geringsten Zweifel, dass Sie nicht sind, was Sie zu sein glauben. Ob logisch oder nicht, das Offensichtliche können Sie nicht bestreiten. Sie sind nichts, dessen Sie sich bewusst sind. Gehen Sie mit Eifer daran, die Strukturen einzureißen, die Sie in Ihrem Verstand errichtet haben. Was der Verstand erschaffen hat, muss der Verstand auch wieder auflösen.

Frage: Sei es mit oder ohne Verstand. Sie können den gegenwärtigen Moment nicht abstreiten. Was jetzt ist, ist. Sie mögen die Erscheinung in Frage stellen, aber nicht die Tatsache. Was ist an der Wurzel der Tatsache?

Maharaj: Das „Ich bin“ ist an der Wurzel aller Erscheinungen und auch die permanente Verbindung in der Abfolge der Ereignisse, die wir als Leben bezeichnen. Doch ich bin jenseits des „Ich bin“.

Frage: Ich habe festgestellt, dass die verwirklichten Menschen ihren Zustand normalerweise in Begriffen beschreiben, die ihren Religionen entlehnt sind. Sie sind ein Hindu, also sprechen Sie von Brahma, Vishnu und Shiva und benutzen die Metaphorik und die Bilder des Hinduismus. Sagen Sie uns doch bitte, was die Erfahrung hinter Ihren Worten ist. Auf welche Art von Realität beziehen sie sich?

Maharaj: Es ist meine Art zu reden, eine Sprache, die man mir beigebracht hat.

Frage: Aber was ist hinter der Sprache?

Maharaj: Wie kann ich es in Worte fassen, außer es zu verneinen?

Also benutze ich Worte wie zeitlos, raumlos, grundlos. Auch das sind Worte, aber da sie frei von jeglichen Inhalten sind, erfüllen sie mein Bedürfnis.

Frage: Wenn sie ohne Bedeutung sind, warum sollte man sie dann überhaupt benutzen?

Maharaj: Weil Sie Worte wollen, wo Worte nicht zutreffen.

Frage: Ich verstehe, worauf Sie hinaus wollen. Und wieder einmal haben Sie mich meiner Frage beraubt!

Aus: „Ich bin“ Teil 3

Mit freundlicher Genehmigung des J. Kamphausen Verlags

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