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Premananda (John David) Ramana Maharshis Kunst der Selbst-Erforschung – als der schnellste Weg, Müll loszuwerden und das Selbst zu bleiben John David, geboren in England, verbrachte 16 Jahre mit Osho in Poona, fünf Jahre mit Papaji (H. W. L. Poonja) in Lucknow und lebte dann fünf Jahre in Australien. Er gibt Satsang seit 1997. Frage: Satsang bedeutet ein Treffen in der Wahrheit. Du teilst mit den Menschen die Wahrheit, wie du sie verstehst. Was für eine Wahrheit ist dies? Was lehrst du die Menschen im Satsang? John David: Ich bitte die Menschen einfach, einen Moment innezuhalten, ruhig zu werden und genau hinzuschauen. Dann bitte ich sie zu sehen, dass sie gewohnt waren, ihr ganzes Leben von der Annahme eines „Ich“ her zu betrachten. Ich versuche ihnen zu zeigen, dass sie dieses „Ich“, wenn sie danach forschen, nicht finden können. Sie haben den Glauben, dass es dieses „Ich“ gibt und eine Welt, die davon getrennt ist. Ihre Eltern und die Gesellschaft haben diesen Glauben überliefert und immer wieder genährt. Ich versuche den Menschen zu zeigen, dass es sich in Wirklichkeit anders verhält, dass dies ein falscher Glaube ist. Ich helfe ihnen dabei, ein bisschen ruhig zu werden, sodass ein Freiraum entsteht, in dem ihre „Geschichte“ weniger drückt. In diesem Freiraum ist es möglich, selbst nachzuforschen und zu sehen, dass dieser Glaube nicht die Wahrheit ist. Wenn ein Mensch das einmal klar gesehen hat, ändert sich für ihn alles. Frage: Würdest du sagen, dass es gar nicht notwendig ist, die Geschichte anzuschauen? John: Ein Beispiel: Du gehst früh am Morgen auf eine Müllhalde. Zuerst sortierst du Plastik aus und legst es auf einen Haufen, dann alle Glasflaschen auf einen anderen Haufen. Du verbringst den ganzen Tag damit, den Abfall zu sortieren. Was hast du am Ende des Tages? Du hast den Müll sortiert. Aber es ist immer noch Müll! Frage: Warum sind dann 99 % der Menschen immerfort genau damit beschäftigt? John: Das Warum zu klären ist natürlich schwierig, aber grundsätzlich ist die ganze Gesellschaft in einer Art Verschwörung. Jeder hat sein eigenes Interesse daran, den Müll zu sortieren. Es gibt sogar spezielle Maschinen, die man zum Müll-Sortieren benutzen kann – sie heißen Computer – und so weiter und so weiter! In dem Moment, in dem du wirklich verstehst, dass das, was du als „meine Geschichte“ bezeichnest, nur Müll ist, muss sich etwas verändern. Frage: Einer der traditionellen Wege, die Wahrheit über das „Ich“ zu entdecken, ist die „Selbsterforschung“. Ramana Maharshi sprach davon, der Lehrer Papajis. Kannst du uns sagen, was Selbsterforschung ist und wie man sie Schritt für Schritt macht? John: Es gibt bestimmte Voraussetzungen für die Selbsterforschung. Ramana Maharshi selbst sagte, dass sie der direkte Weg ist, das Selbst zu erkennen. Aber vorher muss man etwas Zeit damit verbringen, den Verstand kennen zu lernen und ihn ruhiger werden zu lassen. Welche Technik auch immer benutzt wird, wichtig ist es, einen attvischen Verstand, also einen Verstand, der klar und friedvoll ist, zu erreichen. Bei den meisten Menschen ist der Verstand so geschäftig und sie sind so identifiziert mit ihrer „Geschichte“, dass einfach kein Raum da ist, im dem Selbsterforschung stattfinden kann. Wenn du in diesem geschäftigen Zustand Selbsterforschung betreibst, wirst du dich im Kreise innerhalb des Verstandes bewegen. Es wird nichts dabei herauskommen. Wenn du im Zustand von Sattva bist und dir dann die Frage stellst: „Wer bin ich?“, beginnst du zu sehen, dass es dieses „Ich“, das handelt, das Vorstellungen und Glaubenssätze hat und das beurteilt, in Wirklichkeit nicht gibt. Am Anfang dient die Selbsterforschung dazu, tiefer zu schauen. Danach bringt sie dich zu Stille und Frieden. Sie bringt dir keine cleveren Antworten. Frage: Ist diese Erforschung im Wesentlichen eine intellektuelle, verbale Erforschung? Oder geschieht sie aus einem tieferen Gefühl heraus? John: Sie ist nicht mental. Am Anfang kann sie mental sein und dich bis zur Erkenntnis leiten, dass du nicht der Verstand bist. Aber wenn du sie in einem sattvischen Zustand machst, leitet sie dich zu einem Ort des Friedens in dir. Wenn die Selbsterforschung dich an den Ort von Frieden oder Leere bringt, kannst du nicht mehr länger an den Verstand glauben, an dieses getrennte „Ich“, diese getrennte Identität. Du beginnst zu erkennen, dass du ein Teil dieser Einheit bist, die man auch Selbst nennt oder Gott. Als Beispiel möchte ich über ein Gespräch mit einer Frau namens Sabine berichten, das ich dieses Jahr führte: John: Viele Menschen haben Bedenken und fragen: „Wenn ich meine Geschichte verliere, wie kann ich dann mein Leben leben?“ Denn die Menschen haben eine falsche Vorstellung: „Ich mache mein Leben. Wenn da niemand ist, wie soll das Leben dann funktionieren?“ Es wird viel besser funktionieren! Wir können einfach reagieren auf das, was getan werden muss, und es macht überhaupt keinen Unterschied, was getan werden muss, weil wir wissen: „Ich bin nicht der Macher, ich bin die Bewusstheit des Tuns.“ Sabine: Ich habe begonnen mich zu fragen: „Wer sitzt hier?“ und habe die ganze Zeit diese Frage aus verschiedenen Blickwinkeln gestellt. Als mein Freund vorhin gesprochen hat, kam eine Geschichte hoch: „Ach du liebe Zeit, jetzt kommt alles ans Licht“, und ich wollte es verstecken. Es war gut das zu sehen, und dann fragte ich mich selbst: „Wer sitzt hier und wer möchte es verstecken?“ J.: Siehst du, wie aufrichtig das ist? Es ist so aufrichtig, weil du ständig das, was passiert, beobachtest. S.: Das habe ich von Anfang an so erlebt. J.: Als du dir diese Frage gestellt hast: „Wer sitzt hier?“, was war die Antwort? S.: Das ist interessant, denn die Antwort kam auf mehreren Ebenen. Manchmal war es wie ein Bild, zum Beispiel ein kleines Kind, verbunden mit einem Gefühl. Oder es war ein Satz oder ein paar Wörter, oder eine Figur – vielleicht eine Person, die Regie führt und einem sagt, was man zu tun hat. Das ist ziemlich komplex. J.: Hast du etwas gefunden, das sich nicht verändert hat? S.: Ja, die Person oder das Etwas, das fragte – das ist es –, und der Rest sind die Bilder. J.: Und diese Bilder sind das, was ich Müll nannte. Und wenn du wirklich siehst, dass es Abfall ist, auch wenn es ein schönes Bild von einem kleinen Mädchen ist und du etwas dabei fühlst, weil du denkst: „Das bin ich, als ich drei Jahre alt war“, – wen interessiert das? Es ist alles Müll! Und was bleibt dir dann? S.: Neutralität bleibt. J.: Kannst du mit anderen Worten erklären, was du mit neutral meinst? S.: Etwas, das nicht urteilt, zum Beispiel. J.: Das heißt also etwas, das akzeptiert, was jetzt ist. S.: Richtig. J.: Und hat diese Neutralität irgendwelche Grenzen? S.: Nein. J.: Ist es schön dort zu bleiben? S.: Ja. J.: Das bist du. (Langes Schweigen) S.: Schön. – Frage: Kannst du noch mehr über den sattvischen Verstand sagen? John: Ich hatte viele Jahre mit Vorbereitung verbracht, um den ruhigen, den sattvischen Verstand zu erreichen. Als ich zu Papaji kam, wusste ich nicht, dass ich ihn erreicht hatte. Aber ich war bereit. Die Arbeit war getan. Nur das Verstehen fehlte. In der Begegnung mit Papaji geschah das Verstehen im Augenblick, wie ein Blitz. Dieses Verstehen nenne ich das Erwachen zum Selbst. Das war vor zwölf Jahren, und der Kontakt mit dem Selbst ging nie verloren. Dieser Augenblick mit Papaji war eine dramatische Veränderung. Frage: Was hindert die Menschen daran, das Selbst zu erkennen? John: Zunächst liegt das daran, dass die meisten Menschen völlig in ihrer „Geschichte“ verfangen sind und in einer Gesellschaft leben, die diesen Mangel an Bewusstheit unterstützt. Die Medien, Familien, Freunde – alle konspirieren dabei. Die meisten Menschen kommen niemals in ihrem Leben auf die Idee, dass es eine Alternative geben könne. Ich hatte schon diese Frage, als ich ungefähr zwanzig Jahre alt war. Ich hatte niemals eine andere Wahl als ein Sucher zu sein. Die Frage, wer ich bin, musste beantwortet werden. Aber anscheinend sind die meisten Leute sehr zufrieden mit ihrem Leben, und sie stellen keine Fragen über die Wahrheit. Eine sehr kleine Gruppe von Menschen stellt Fragen und wird zu Suchern, Suchern nach der Wahrheit. Dies ist ein sehr kleiner Prozentsatz der Menschen. Und diese Sucher der Wahrheit fühlen sich zu verschiedenen Lehrern, Lehren und verschiedenen Wegen hingezogen. Einige von ihnen finden die Wahrheit, aber viele von ihnen verirren sich auf dem Wege. Ich bin der Meinung, dass ein Lehrer notwendig ist, um die Wahrheit zu finden. Was bringt die Menschen zu solch einem Lehrer? Ich weiß es nicht. Ich kann dafür nur das Wort Gnade benutzen. Die Gnade bringt die Menschen zu einem Lehrer. In meinem Fall fühle ich mich unendlich dankbar, dass ich zuerst zu Osho kam, der mich wunderbar vorbereitete, und dann zu Papaji, der mir schon nach ein paar Wochen diese einfache Wahrheit zeigen konnte. Ich fühle mich wirklich gesegnet. Ich kann nicht sagen, dass John David das tat, denn er tat es nicht. Das ist eine knifflige Sache mit der Gnade. Denn wenn es von der Gnade abhängt, ohne dass man selbst etwas tut, muss man dann überhaupt aktiv sein oder kann man einfach warten, bis es passiert? Kann der spirituelle Sucher irgendetwas tun, um der Gnade nachzuhelfen? Dies ist eine sehr schwierige Frage. Die absolute Wahrheit ist, dass du nichts tun kannst. Die Gnade macht es. Es gibt eine Vorbestimmung. In meinem Fall: Vielleicht habe ich alles Mögliche in meinen vergangenen Leben gemacht, und irgendwie hatte die Gnade mich auf der Liste, und ich wurde schnell an die richtigen Orte geführt. Ich sagte, dass es Dinge gibt, die du tun kannst, die dich sozusagen aufs Spielfeld bringen. Sei Teil einer spirituellen Gemeinschaft, geh zu einem spirituellen Meister. Er wird dich ermutigen, ruhig zu werden und zu schauen. Und wenn du ruhig wirst, beginnst du, diesen konditionierten Verstand zu sehen. Du beginnst zu sehen, wie sehr du mit deiner „Geschichte“ verhaftet bist. Wenn du im Satsang mit einem wahren spirituellen Lehrer bist, und unter „wahrem Lehrer“ verstehe ich jemanden, der das Selbst erkannt hat, kannst du nicht umhin zu sehen und zu erkennen. In der Gegenwart eines spirituellen Lehrers dieses Kalibers zu sein ist nie bequem. Darum bleiben nur wenige Menschen bei einem Lehrer, und oft kommen mehr Menschen nach dem Tod eines Lehrers als zu seinen Lebzeiten. Das ist ein bekanntes Phänomen. Wenn du also ehrlich genug bist und wenn die Vorbestimmung, die Gnade, dich unterstützt, wirst du nach einer Weile die Wahrheit erkennen. Frage: Kann das Selbst erfahren werden? Handelt es sich um eine Erfahrung oder ein Verstehen? In anderen Worten: Erfahrungen kommen und gehen doch, aber das Selbst kommt oder geht doch nie? John: Wenn das „Ich“ da ist, kann das Selbst nicht da sein, und so kann „ich“ nicht das Selbst erfahren. Jedoch kann das „Ich“ einen Moment lang verschwinden, und so wird das Selbst enthüllt. Wenn der Verstand still ist, kann das „Ich“ verschwinden. Später kann der Verstand dann „die Erfahrung vom Selbst“ in Besitz nehmen. Ich muss betonen, dass das Selbst, wenn es erfahren wird, noch im Verstand ist. Dann erfährt man das Selbst durch den Verstand. Was ich mit „Erwachen zum Selbst“ meine, ist etwas anderes, denn dann gibt es ein tiefes inneres Wissen: „Ich bin das Selbst“. Tatsächlich gibt es dann kein „Ich“ mehr, das das Selbst kennt. Es gibt nur das Selbst, reines Sein. Es ist einfach da. Ich denke, fast jeder Mensch hat einmal das Selbst erfahren. Du gehst zum Beispiel einen Waldweg entlang, die Sonne scheint, ein Vogel fliegt über deinem Kopf, und sein Schatten fällt auf einen Felsen, und in einem Augenblick siehst du den Schatten. In diesem Augenblick steht dein Verstand still, und du bemerkst die Hitze, den Geruch der Tannen und den Schatten, alles zusammen in einem Augenblick. Du bist plötzlich total präsent, und das Selbst ist enthüllt. Es gibt ein Gefühl von ungeheurer Ausdehnung und von Frieden. Dies ist das Selbst. Frage: Du bist sechs Monate lang gereist, hast Menschen getroffen und die Wahrheit mit ihnen geteilt, bist du zufrieden mit den Ergebnissen? John: Der menschliche Verstand ist sehr interessant. Ich habe mich darauf spezialisiert, Intensiv-Wochenenden anzubieten, und am Ende der zwei Tage, die wir zusammen verbracht haben, sind die meisten Menschen nicht mehr an ihren Geschichten interessiert. Sie vibrieren einfach in ihrer eigenen Liebe. Aber am Dienstagnachmittag nach dem Intensiv oder sogar schon am Montagnachmittag, sind sie ganz zurück in ihren Geschichten und haben vergessen, dass sie Liebe sind. Deshalb ist es sehr wichtig, dass es eine Erinnerung gibt, und die Selbst-Erforschung ist ein einfacher, aber sehr kraftvoller Weg sich zu erinnern. Du wirst den Weg erfolgreich gehen, wenn du dich friedvoll fühlst, Stille und Leichtigkeit da sind, wenn du „Ausdehnung“ zulassen kannst. Wenn du diese Dinge nicht fühlst, dann bist du wahrscheinlich noch in „deiner Geschichte“. Fragender: Ich habe gehört, dass Ramana Maharshi einmal sagte, dass die Frage: „Wer bin ich?“ wirklich aus dem Herzen gefragt werden muss, damit sie funktioniert. John: Wenn du diese Frage im Verstand stellst, dann bekommst du eine intellektuelle Antwort, die anfangs nützlich ist, wenn du zum ersten Mal die Selbst-Erforschung betreibst, weil sie deine Anhaftung an die Geschichten aufbricht. Aber wenn du wirklich im Selbst leben willst, dann ist es keine intellektuelle Frage, und es gibt keine Antwort. Es gibt keine Antwort! Es geht vielmehr darum, dass deine Aufmerksamkeit zurück nach innen zur Quelle gelenkt wird! Es ist nicht wirklich eine Technik, und es geht sehr schnell, sobald du dich daran gewöhnt hast es zu tun. Es ist sehr einfach, weil du die Quelle bist. Es geht nicht darum, etwas zu bekommen. Es geht darum, in Kontakt zu kommen mit dem, das immer präsent ist. Du kennst es schon. Es ist wie einen alten Freund zu treffen. Und es ist sehr einfach. Weil du es selbst bist! Tatsächlich ist es sehr kompliziert, all diese Geschichten aufrecht zu erhalten. Es kostet eine Menge Energie, sie aufrecht zu erhalten. Papaji hat eine sehr interessante Antwort gegeben, als ein Mann zu ihm sagte: „Ich habe ein paar kleine Erfahrungen von Wahrheit, aber du scheinst die meiste Zeit in der Wahrheit zu sein.“ Papaji antwortete: „So ist es nicht. Was du eine Erfahrung von Wahrheit nennst, das ist keine Erfahrung, das bist du – und alles andere ist eine Erfahrung. Was du dein Leben nennst, das ist eine Erfahrung.“ Das ist sehr, sehr wichtig. Weil wir ständig an unseren Geschichten anhaften. Papaji nannte es: „...an sich anhaften“. Das ist eine wundervolle Veränderung. Wir sehen uns als spirituelle Suchende, und plötzlich machen wir eine Erfahrung: „Wow, Satori!“ – Und dann machen wir etwas Besonderes daraus: „Ich hatte eine spirituelle Erfahrung!“ Aber Papaji sagte: „Das bist du, das ist keine Erfahrung. Und es ist nichts Besonderes, es ist sehr gewöhnlich.“ John David bietet beim Rainbow Spirit Festival am Pfingstmontag einen Workshop mit Selbst-Erforschung an. Mehr Info: www.johndavid.org |
