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Nisargadatta Maharj: Sie sind Sie selbst wo immer Sie sind!
MAHARAJ: So, wie das Holz nicht das Feuer ist, das es produziert,
so ist der Körper nicht der Verstand, den er produziert.
Doch wem erscheint dieser Verstand? Wer ist der Empfänger
der Gedanken und Gefühle, die Sie den Verstand nennen? Da
ist das Holz, da ist das Feuer, und da ist jemand, der sich an
dem Feuer erfreut. Wer erfreut sich am Verstand? Ist derjenige,
der sich erfreut, auch das Produkt von Nahrung, oder ist er unabhängig?
FRAGENDER: Er ist unabhängig.
MAHARAJ: Woher wissen Sie das? Sprechen Sie aus Ihrer eigenen
Erfahrung? Sie sind weder der Körper noch der Verstand.
Sie sagen das, woher wissen Sie es?
FRAGENDER: Ich weiß es nicht. Ich vermute nur, dass es
so ist.
MAHARAJ: Die Wahrheit ist ewig, die Realität unveränderlich.
Was sich verändert, ist nicht real, was real ist, verändert
sich nicht. Also; was ist es in Ihnen, das sich nicht verändert?
Solange es Nahrung gibt, gibt es Körper und Verstand. Gibt
es keine Nahrung mehr, stirbt der Körper und der Verstand
löst sich auf. Doch löst sich auch der Beobachter auf? FRAGENDER: Ich vermute, er löst sich nicht auf, aber
ich kann es nicht beweisen.
MAHARAJ: Sie selbst sind der Beweis. Einen anderen Beweis haben
Sie nicht und können Sie auch nicht haben. Sie sind sie
selbst, Sie kennen sich, Sie lieben sich. Was immer der Verstand
tut, tut er aus Liebe zu seinem eigenen Selbst. Die wahre Natur
des Selbst ist Liebe. Es wird geliebt, es liebt, es ist liebenswert.
Es ist das Selbst, das den Körper und den Verstand so
interessant macht, so unschätzbar wertvoll. Die Aufmerksamkeit,
die Sie ihnen geben, kommt vom Selbst.
FRAGENDER: Wenn das Selbst weder der Körper noch der Verstand
ist, kann es ohne den Körper und den Verstand existieren?
MAHARAJ: Ja, das kann es. Es ist eine Frage der tatsächlichen
Erfahrung, dass das Selbst unabhängig von Verstand und
Körper existiert. Es ist Sein, Gewahrsein, Glückseligkeit,
Gewahrsein des Seins ist Glückseligkeit.
FRAGENDER: Für Sie mag das eine tatsächliche Erfahrung
sein, doch nicht für mich. Wie komme ich zu der gleichen
Erfahrung? Wie praktiziere ich das, welche Übungen soll
ich machen?
MAHARAJ: Um zu wissen, dass Sie weder der Körper noch
der Verstand sind, beobachten Sie sich ununterbrochen, und
leben Sie unbeeinflusst von Ihrem Körper und Ihrem Verstand,
vollkommen losgelöst, so als ob Sie tot wären. Das
heißt, Sie haben kein persönliches Interesse an
Ihrem Körper und Ihrem Verstand.
FRAGENDER: Das ist gefährlich.
MAHARAJ: Ich rate Ihnen nicht, Selbstmord zu begehen. Das können
Sie auch gar nicht. Sie können nur den Körper töten,
Sie können weder den mentalen Prozess aufhalten ,noch
können Sie die Person auflösen, die Sie sein zu glauben.
Bleiben Sie vollkommen unbeeinflusst. Dieses totale Losgelöstsein,
sich keine Sorgen um den Verstand und den Körper zu machen,
ist der beste Beweis, dass Sie im Zentrum Ihres Seins weder
der Verstand noch der Körper sind. Vielleicht liegt es
nicht in Ihrer Kraft zu verändern, was mit dem Körper
und dem Verstand geschieht, doch Sie können jederzeit
die Vorstellung beenden, der Körper und der Verstand zu
sein. Was immer geschieht, erinnern Sie sich daran, dass nur
Ihr Körper und Ihr Verstand beeinflusst werden, nicht
Sie selbst. Je gewissenhafter Sie sich an das erinnern, was
wichtig ist, desto schneller werden Sie sich Ihrer selbst gewahr,
so wie Sie sind, denn die Erinnerung wird zur Erfahrung werden.
Ernsthaftigkeit offenbart das Sein. Was man sich vorstellt
und ernsthaft begehrt, wird zur tatsächlichen Erfahrung – hier
liegt die Gefahr, genau wie der Ausweg. Sagen Sie, was haben
Sie unternommen, um Ihr wahres Selbst, das, was in Ihnen unveränderlich
ist, von Ihrem Körper und Ihrem Verstand zu trennen?
FRAGENDER: Ich bin Mediziner und habe sehr lange studiert,
ich habe mir eine strikte Disziplin an Übungen und periodischen
Fastenkuren auferlegt, und ich bin Vegetarier.
MAHARAJ: Aber in der Tiefe Ihres Herzens, was ist es, das Sie
begehren?
FRAGENDER: Ich will die Realität finden.
MAHARAJ: Welchen Preis sind Sie bereit, für diese Realität
zu zahlen? Jeden Preis?
FRAGENDER: Theoretisch bin ich bereit, jeden Preis zu zahlen,
doch das tägliche Leben zwingt mich immer wieder zu Verhaltensweisen,
die mich von der Realität trennen. Ich verliere mich in
meinem Verlangen.
MAHARAJ: Intensivieren und vergrößern Sie Ihr Verlagen,
bis nichts außer der Realität es erfüllen kann.
Nicht das Verlangen ist falsch, sondern Kleinheit und Beschränktheit.
Seine Begierde ist Hingabe. Selbstverständlich, geben
Sie sich hin, dem Wahren, dem Unendlichen, dem ewigen Herzen
des Seins. Transformieren Sie Verlangen in Liebe. Was wollen
Sie sonst, außer glücklich zu sein? All Ihr Verlangen,
welcher Art es auch sein mag, ist ein Ausdruck Ihrer Sehnsucht
nach Glückseligkeit. Grundsätzlich wollen Sie nur
Gutes für sich.
FRAGENDER: Ich weiß, ich sollte nicht...
MAHARAJ: Einen Moment, Wer hat Ihnen gesagt, Sie sollten nicht?
Was ist falsch daran, glücklich sein zu wollen?
FRAGENDER: Die Person muss verschwinden, ich weiß.
MAHARAJ: Doch die Person ist nun mal da. Ihre Begierden sind
da. Ihre Sehnsucht nach Glückseligkeit ist da. Warum?
Weil Sie sich selbst lieben. Natürlich lieben Sie sich
selbst – doch tun Sie das mit Weisheit. Es ist falsch,
sich auf dumme Weise zu lieben, so dass Ihre Eigenliebe Leid
erzeugt. Beide, die Genusssucht und die Genügsamkeit,
sollen Sie glücklich machen. Die Genusssucht ist der törichte
Weg, Genügsamkeit der weise Weg.
FRAGENDER: Was ist Genügsamkeit?
MAHARAJ: Aus Erfahrung zu lernen und nicht das Gleiche zu wiederholen,
ist Genügsamkeit. Das Unnötige wegzulassen, ist Genügsamkeit.
Freude und Leid nicht vorwegzunehmen, ist Genügsamkeit.
Dinge ständig unter Kontrolle zu haben, ist Genügsamkeit.
Verlangen selbst ist nicht falsch, es ist das Leben selbst,
der Wunsch, in Wissen und Erfahrung zu wachsen. Die Entscheidungen,
die Sie treffen, sind falsch. Zu glauben, dass so nichtige
Dinge wie Nahrung, Sex, Macht oder Ruhm Sie glücklich
machen können, ist Selbstbetrug. Nur etwas Gewaltiges
und Tiefes wie Ihr wirkliches Selbst kann Sie dauerhaft und
wahrhaftig glücklich machen.
FRAGENDER: Wenn also am Verlangen als Ausdruck der Selbstliebe
nichts falsch ist, wie soll man dann damit umgehen?
MAHARAJ: Leben Sie Ihr Leben mit Intelligenz, ohne jemals Ihr
tiefstes Selbst aus den Augen zu verlieren. Was ist es, das
Sie wirklich wollen? Nicht Vollkommenheit, Sie sind bereits
vollkommen. Sie möchten im täglichen Leben ausdrücken,
was Sie sind. Dafür haben Sie einen Körper und einen
Verstand. Benutzen Sie sie, lassen Sie sie Ihnen dienen.
FRAGENDER: Doch wer ist es, der diesen Körper und Verstand
in die Hand nehmen soll?
MAHARAJ: Der geläuterte Verstand ist ein treuer Diener
des Selbst. Er kümmert sich um die Instrumente im Inneren
wie im Äußeren und lässt Sie Ihre Aufgaben
erfüllen.
FRAGENDER: Und was ist Ihre Aufgabe?
MAHARAJ: Das Selbst ist universell, und seine Ziele sind universell.
Das Selbst hat nichts Persönliches an sich. Leben Sie
ein geordnetes Leben, doch machen Sie es nicht selbst zu einem
Ziel. Es sollte nur der Ausgangspunkt für große
Abenteuer sein.
FRAGENDER: Raten Sie mir, von Zeit zu Zeit nach Indien zurückzukommen?
MAHARAJ: Wenn Sie ernsthaft sind, brauchen Sie nicht herumzureisen.
Sie sind Sie selbst,
wo immer Sie sind, und Sie schaffen sich Ihre eigene Atmosphäre.
Bewegung und örtliche Veränderung werden Ihnen keine
Erlösung bringen. Sie sind nicht der Körper, und
diesen Körper durch die Gegend zu schicken, wird Sie nicht
weiterbringen. Ihr Verstand ist frei, sich in allen Welten
zu bewegen, machen Sie vollen Gebrauch davon.
FRAGENDER: Wenn ich frei bin, warum bin ich dann in einem Körper?
MAHARAJ: Sie sind nicht in einem Körper, der Körper
ist in Ihnen. Der Verstand ist in Ihnen. Sie geschehen Ihnen.
Sie sind vorhanden, weil Sie sie interessant finden. Ihre wahre
Natur hat die unbegrenzte Fähigkeit, sich zu erfreuen.
Sie ist voller Begeisterung und Zuneigung. Sie strahlt auf
alles aus, was in das Blickfeld des Gewahrseins fällt,
und nichts wird ausgeschlossen. Sie kennt weder Böses
noch Hässliches, sie hofft, sie vertraut, sie liebt. Ihr
Menschen wisst nicht, was Ihr dadurch versäumt, dass Ihr
Euer wahres Selbst nicht kennt. Sie sind weder der Körper
noch der Verstand, weder der Brennstoff noch das Feuer. Sie
erscheinen und vergehen, Ihren eigenen Gesetzen folgend. Das,
was Sie sind, Ihr wahres Selbst, das lieben Sie, und was immer
Sie tun, tun Sie für Ihre eigene Glückseligkeit.
Das zu finden, zu kennen und es zu hegen, ist Ihr fundamentales
Bedürfnis. Sie lieben sich schon seit unendlichen Zeiten,
doch nie mit Weisheit. Benutzen Sie Ihren Körper und Ihren
Verstand mit Weisheit, im Dienste des Selbst. Das ist alles.
Seien Sie ehrlich zu Ihrem Selbst, lieben Sie Ihr Selbst total.
Geben Sie nicht vor, andere zu lieben wie sich selbst. Bevor
Sie sich nicht als eins mit sich selbst erkannt haben, können
Sie sie nicht lieben. Geben Sie nicht vor zu sein, was Sie
nicht sind, und wehren Sie sich nicht gegen das, was Sie sind.
Ihre Liebe für andere ist ein Ergebnis Ihrer Selbsterkenntnis,
nicht ihre Ursache. Es gibt keine wirklichen Tugenden ohne
die Selbstverwirklichung. Wenn Sie ohne Zweifel wissen, dass
dasselbe
Leben durch alles fließt, was existiert, und dass Sie
dieses Leben sind, werden Sie alles auf natürliche und
spontane Weise lieben. Wenn Sie die Tiefe und Fülle der
Liebe für Ihr Selbst erkennen, dann wissen Sie, dass jedes
lebendige Wesen und das gesamte Universum in Ihrer Zuneigung
eingeschlossen sind. Doch wenn Sie irgendetwas als getrennt
von Ihnen sehen, können Sie es nicht lieben, denn es beängstigt
Sie. Entfremdung verursacht Angst, und die Angst vertieft die
Entfremdung. Es ist ein Teufelskreis. Nur die Selbstverwirklichung
kann ihn brechen. Gehen Sie entschlossen auf sie zu. |
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