Premananda - Sei still und erwache!

 

Premananda ist ein sechzigjähriger spiritueller Lehrer aus England, der durch Europa reist. Er sieht sich selbst als Überbringer der alten Weisheit, die er durch seine indischen Meister Osho, Papaji und Ramana Maharshi sowie durch seine Jahre in Japan kennen gelernt hat. Er tauchte damals tief ein in die Kultur des Ostens. Er lebt momentan in der Open Sky Satsang Community in Deutschland. Dieses Interview wurde von sechs seiner engsten Schüler im November 2005 geführt.

Was bedeutet Still Sein?
Durch eine Technik wie Zazen oder Vipassana kommst du zu Stille oder Frieden. Ich behaupte aber, dass du ohne irgendeine Technik einfach Still Sein kannst. Wenn du deine Augen schließt und Still Bist, wirst du dir vieler Gedanken und Gefühle bewusst. Nach einiger Zeit bemerkst du Lücken zwischen den Gedanken, kurze Momente der Stille. Wenn du dich auf diese Lücken konzentrierst, sind die Gedanken und Gefühle weit weg, und du wirst dir eines riesigen, ausgedehnten Raumes im Innern bewusst, ohne Grenzen. Still Sein hat die Kraft, dich zu deiner Wahren Natur zu bringen, indem du absolut nichts tust. Wenn du länger in diesem Still Sein bleibst, findest du plötzlich ein großartiges Gefühl von Einssein und Liebe, das einfach da ist, überwältigend präsent. Still Sein ist keine Übung. Es ist nur ein Wegweiser, der dich zu deiner Wahren Natur führt. Deine Wahre Natur ist immer präsent. Wir verlieren sie aus den Augen, da wir mit dem konditionierten Mind und all den aufregenden Filmen, die er uns bietet, so beschäftigt sind.

Kannst du mir einen Rat geben, wie ich Stille in mein Leben bringe?
Wenn du ein absoluter Anfänger bist, dann ist wahrscheinlich der erste Schritt eine spirituelle Praxis, die deinen Mind beruhigt; so etwas wie Meditation, Atemarbeit oder Mantra-Singen. Wenn du diesen ruhigen Mind erreicht hast, dann kommt ganz von selbst eine größere Sehnsucht in dir auf, die Stille kennen zu lernen.
Selbsterforschung kann dir helfen, in diese Stille zu kommen. Während du durch dein tägliches Leben gehst, was auch immer du denkst oder tust, frage einfach: „In wem steigen diese Gedanken auf?“ oder „Wer tut das?“ Die Antwort ist natürlich: „Ich“. Dann frage: „Wer ist dieses Ich? Wer bin ich?“ Diese zweite Frage (intellektuelle Antworten helfen nicht!) bringt dich zurück nach innen zur Quelle, und die Quelle ist Stille. Selbsterforschung ist eine ständige Erinnerung daran, dass du dich von deinen Gedanken und Dramen lösen und zurück zur Quelle dessen gelangen kannst, nämlich der Stille.

Gibt es eine bestimmte Premananda-Lehre?
Ich sehe da keine besondere Premananda-Lehre. Die Dinge, die in den Satsangs gesagt werden, sind eher als Botschaft zu verstehen. Seit zwanzig Jahren habe ich eine starke Verbindung mit Ramana Maharshi. Ich habe fünfzehn Jahre mit Osho und fünf Jahre mit Papaji verbracht. Diese drei Menschen waren Überbringer der alten indischen Weisheit, und jetzt sehe ich mich selbst als Überbringer dieser Weisheit, wenn ich durch Europa reise. Natürlich habe ich meine eigene einzigartige Weise, den Kanal für diese Botschaft zu beschreiben und zu schaffen. Etwas Einzigartiges an Premananda ist, dass ich eine Anzahl von verschiedenen Intensivwochenenden entwickelt habe, die eine Gelegenheit bieten, sich verschiedene Aspekte der Reise anzusehen.

Kannst du erklären, wie Menschen sich selbst sabotieren?
Wenn du dem Erwachen sehr nahe kommst, dann bist du damit konfrontiert, dass alles, was du glaubtest zu sein, einfach nicht wahr ist. Wenn du anfängst, diese Illusion zu sehen und zu verstehen, dann beginnst du auch zu sehen, dass das eine Art Tod ist.
Da ist eine Angst: Wenn du wirklich tief loslassen würdest, würde sich vieles verändern; du würdest alles verlieren, was du für dich selbst hältst, oder alles was im Außen ist. Da ist die Vorstellung, dass du vielleicht nicht in der Lage sein wirst, deine Wohnung, deinen Job und deine Familie zu behalten. Diese tiefe Angst ist ein natürlicher Teil des konditionierten Mind. Wenn man also diese Angst hat, ist das auch ein Zeichen, dass die Person dem wahren Verstehen nahe gekommen ist.
Menschen gehen oft von Satsang zu Satsang, ohne sich je auf einen Meister einzulassen oder sich ihm hinzugeben. Ich würde vorschlagen, sich einem Meister vollkommen hinzugeben. Wenn es dich interessiert, dann geh und sitze auch in anderen Satsangs und genieße die Unterstützung, die sie dir geben, aber mache deine hauptsächliche spirituelle Arbeit mit demjenigen, der ganz natürlich in dein Leben kam als dein Meister. Stelle dich dem, was es bedeutet, dich diesem einen Meister hinzugeben und gehe wirklich tief mit ihm. Das, was tiefes Verstehen verhindert, ist eine Anhaftung an eine Geschichte, die nur jemand im Außen widerspiegeln kann. Deshalb ist es sehr wichtig, eine genügend tiefe Verbindung mit einem Meister zu haben, so dass er dir das widerspiegelt, was ein klares Verstehen verdeckt.

Was bedeutet Erwachen?
Ich benutze das Wort Erwachen für einen Aha-Moment, und in diesem Aha-Moment siehst du ohne jeden Zweifel, dass du niemals die Geschichte „Mein Leben“ warst. Du siehst, dass diese Geschichte, „Mein Leben“, tatsächlich eine völlige Illusion war, die im konditionierten Mind erschaffen wurde und keine Realität hat. Normalerweise geschieht das sehr plötzlich und unerwartet. Da ist dieser Einblick, Aha! Und in dem Moment fällt die ganze Illusion einfach in sich zusammen, und du findest dich wieder in der Stille, im Nichts, im No-Mind, im Selbst. Ich würde so einen Moment ein Erwachen nennen. Es ist ein Erwachen aus der Illusion.

Was geschieht nach dem Erwachen?
Das ist sehr individuell. Man könnte sagen, dass es oft nach diesem Aha-Moment eine Art heiße energetische Phase von ein paar Stunden, Tagen, vielleicht Monaten gibt. Manche Menschen können einfach nicht sehr gut funktionieren während dieser Zeit. Sie möchten gerne still sein und allein. Normalerweise ist diese heiße Phase innerlich sehr ekstatisch. Es kann innen etwas ganz anderes passieren als es von außen scheint.
Nach dieser ersten heißen Phase, in der vielleicht für einige Zeit absolut kein Mind da ist, wird es kühler. Dann kommen ein paar vertraute alte Strukturen zurück, aber mit einer Distanz, so dass du nicht so daran angehaftet bist. Du wirst dir dieser Strukturen bewusst, nicht als „meine Strukturen“, sondern einfach als Strukturen. Anscheinend geht einfach durch die Bewusstheit über die Strukturen der Biss verloren und sie verschwinden.
Wenn sich diese Strukturen wirklich beruhigt haben und verschwunden sind, dann existiert Freiheit in Präsenz, Moment für Moment. Du bist frei von diesen alten konditionierten Strukturen. Du lebst einfach in der unendlichen Weite der Stille. Es bedeutet nicht, dass jeder Moment glückselig ist. Es bedeutet, dass du präsent bist und Leben sich entfaltet.

Kann ich nach dem Erwachen noch in der Welt funktionieren?
In der heißen Phase und als direkte Nachwirkung eines Erwachens kann es passieren, dass du nicht funktionieren kannst. Aber sehr schnell ändert sich das, und du kannst sehr gut funktionieren, sogar besser, weil du nicht mehr diese Last von alten Geschichten mit dir herumträgst, und weil du jedem Moment frisch, spontan und offen begegnest.
Also gibt es überhaupt kein Problem, in der Welt zu funktionieren, aber vielleicht willst du gar nicht mehr so sehr in der Welt funktionieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es nach dem Erwachen Veränderungen gibt, sogar große Veränderungen in deiner Lebensweise, weil es weniger Interesse an Beziehungen gibt oder daran, in einer Situation zu arbeiten, die du nie wirklich mochtest. Also lässt du das los, und etwas anderes passiert.

Kann man erwachen und trotzdem eine Freundin haben?
Vor dem Erwachen geht es nur darum, die Geschichte zu sehen und frei davon zu werden. Wenn du eine Freundin hast, dann hast du deine Geschichte und die Geschichte deiner Freundin und dann noch die Geschichte eurer Beziehung. Plötzlich sind da drei Geschichten, man könnte also sagen, in Beziehung zu sein, macht es komplizierter.
Nach dem Erwachen ist es ziemlich einfach, eine Freundin oder einen Freund zu haben, weil du dann nicht mehr an der Geschichte von Freundin oder Freund angehaftet bist. Das wird wahrscheinlich wegfallen, aber das Sich-Beziehen wird leichter. Vielleicht wirst du mit vielen Menschen in Beziehung sein, sogar auf eine tiefe, intime Weise, aber nicht mehr in der alten Weise des Beziehungsdramas.
Wenn beide Partner an der Wahrheit interessiert sind, wenn Erwachen die erste Priorität in der Beziehung ist, und wenn beide Partner sich gegenseitig unterstützen und spiegeln, dann kann es auch hilfreich sein, eine Freundin zu haben.

Also kann ich eine Freundin dazu benutzen zu erwachen?
Wenn du sehr klar bist, ja, dann könntest du deine Freundin benutzen um zu erwachen. Aber es gibt immer die Gefahr, dass du dich so an die Freundin anhaftest, dass sie dich von deinem Interesse am Erwachen wegtreibt. Eine der meistverbreiteten Arten, wie Menschen sich selbst sabotieren, ist, kurz vor dem Erwachen, wenn sie anscheinend dem Verstehen sehr nahe gekommen sind, plötzlich zu entscheiden, dass die neue Freundin oder der neue Freund viel wichtiger ist als dieses Erwachen, und dann verschwinden sie und tauchen in diese neue Beziehung ein.
Die traditionelle Empfehlung im spirituellen Leben im Osten ist, im Zölibat zu leben. Zölibatär zu sein heißt nicht nur, keinen Sex zu haben, sondern auch keine Beziehung. Im Westen wäre dazu fast niemand bereit, also ist mein Rat, Single zu bleiben und sich von dort aus zu beziehen, anstatt sich in einer dramatischen Geschichte mit jemandem zu verfangen.

Was ist das Wichtigste für das Erwachen?
Erwachen kommt von keiner Lehre. Erwachen kommt durch Gnade. Es passiert einfach. Das Wichtigste ist, dich so verfügbar wie möglich für die Gnade zu machen. Still sein, zu Satsangs gehen, einen Meister haben, Freunde haben, die sich auch dafür interessieren, diese Dinge geben dir die beste Chance, dass die Gnade geschieht. Aber diese Gnade kann auch einfach spontan für ganz unbedarfte Menschen geschehen.

Wenn man einen Meister gefunden hat, wie soll man sich am besten verhalten, um den größten Nutzen zu erreichen?
Da gibt es keinen Zweifel. Wenn du dich wirklich nach der Wahrheit sehnst und wenn du das Glück hast, deinen Meister zu finden, dann ist der beste Rat, so viel Zeit wie möglich mit diesem Meister zu verbringen. Iss mit ihm zu Mittag, wasche seine Kleider, finde jede Möglichkeit, ihm zu dienen und mit ihm zu sein.
Das ist vielleicht für viele Menschen nicht so praktisch. Dann würde ich vorschlagen, dass du diesen Meister so oft wie möglich besuchst, so regelmäßig, dass er immer in dir präsent ist. Wenn du dann an diesen Meister denkst, dann wird die Antwort für jede Frage, für jede Situation einfach kommen. Wenn du dich an den Meister erinnerst, erinnerst du dich eigentlich an deine eigene Wahre Natur, und so ist das eine ständige Erinnerung, auf dem Weg zu bleiben. Auf viele Arten ist der Meister ein Erinnerer.
Wenn er ein guter Meister ist, wird er niemals deine Vorstellungen darüber erfüllen, wie er sein sollte, weil er natürlich sein Leben authentisch so lebt, wie er fühlt, und das wird natürlich nicht so sein, wie irgendjemand anders ihn gerne hätte.

Was bedeutet es, sich einem Meister hinzugeben?
Anfangs, wenn die Sehnsucht sehr stark ist, und du zu einem Meister hingezogen wirst, dann bedeutet Hingabe, dich vor diesem Meister zu verneigen, den Meister anzunehmen. Verneigen heißt nicht unbedingt eine körperliche Verneigung im Außen. Es bedeutet, sich innerlich in diese Beziehung mit dem Meister hinein fallen zu lassen, diese Beziehung mit dem Meister zu akzeptieren. Diese Person als deinen Meister anzunehmen ist die Bedeutung von Hingabe. Aber es gibt noch eine tiefere Bedeutung, und diese tiefere Bedeutung ist, dass der Meister das Selbst ist. Wenn du dich also dem Meister hingibst, dann gibst du dich nicht der Persönlichkeit des Meisters hin, du gibst dich dem Selbst hin. Das Selbst des Meisters und dein Selbst sind dasselbe Selbst. Auf einer tieferen Ebene bedeutet Hingabe also eigentlich Hingabe an deine Wahre Natur.

In der Broschüre über die Open Sky Satsang Community steht, dass der einzige Zweck der Community das Erwachen ist. Kannst du darüber etwas sagen?
Es geht darum, Erwachen zu unterstützen, und wenn das Erwachen geschehen ist, Freiheit zu unterstützen. Dies ist ein Ort für die wenigen Menschen, die wirklich Erwachen möchten, oder die erwacht sind und einen Wert darin sehen, mit einer Gruppe von Menschen zu leben, die dieses Erwachen erhalten möchten. Man könnte sagen, diese Community ist eine kleine Oase, in der Menschen Raum und Unterstützung finden zu erwachen oder das Erwachen zu erhalten, und beide Dinge geschehen auch in der Community.
Das ist der Hauptzweck der Community, und alles andere ist weniger wichtig. Wir haben keine Regeln. Da ist ein Gefühl, vegetarisch zu leben, aber es gibt keine Regel, die sagt, dass du Vegetarier sein musst, und deshalb essen einige Menschen Fleisch. Da ist der Vorschlag, als Community täglich zusammen zu meditieren, aber manche Leute kommen nicht. Wir wollen keine Institution werden. Wir möchten diesen Ort ein bisschen chaotisch halten, ein bisschen intensiv und voller Spaß. Da wir in Deutschland sind, ist das ein bisschen bemerkenswert. Ich sollte auch sagen, dass es wahrscheinlich überhaupt nur in Deutschland möglich ist, diese Community so aufrecht zu erhalten. Das Essen, das Einkaufen, das tägliche Waschen und Putzen und Satsang unterstützen, das ergibt ein sehr intensives Leben. Es ist mitten im Leben. Aber Erwachte Menschen sind auch einfach mitten im Leben. Es ist eine schöne Vorstellung, dass Erwachte Menschen irgendwie nicht ganz menschlich seien, aber das ist nicht wahr.

Gibt es Kinder in dieser Community?
Ja. Im Moment haben wir vier Kinder und zwei Babys. Früher hatten wir auch noch eine 90-jährige Großmutter. Es ist einfach ein Stück Leben, das hier passiert. Die Kinder haben ihren eigenen Raum, aber sie benutzen gerne auch alle anderen Räume. Diese beiden Babys zu haben ist ein unschätzbares Geschenk für alle.

Wie ist es für dich, ein Satsang-Lehrer zu sein? Warum machst du das?
Ich würde sagen, es ist eigentlich gar nicht so ein harter Job. Zweifellos gibt es viele harte Momente, wenn Menschen, mit denen ich eine starke Verbindung oder Liebe fühle, plötzlich sehr in den Widerstand gehen. Aber im Grunde kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als Satsang-Lehrer zu sein. Es ist in meinem eigenen Leben eine ständige Erinnerung, wachsam zu sein. Auf diese Weise ist es ein Geschenk.
Das ganze Interview gibt es unter:
www.premananda.de