Susan Prajnaparamita - Die grösste Anstrengung ist aufrichtig zu sein

Fragende: Als du gestern über Partnerschaft sprachst, hat das etwas in mir ausgelöst.
Susan: Über drei Fragen sprach ich: Was vermisse ich? Was gebe ich meinen Partner nicht? Und was vermeide ich?
F.: Die Frage nach dem Vermeiden löste bei mir etwas aus.
S.: Ja, normalerweise übersehen wir das: Was vermeide ich? Wir sind geschickt darin, eine sichere Position einzunehmen.
F.: Ich lebe seit einem Jahr ohne Partner, und ich habe mir diese drei Fragen gestellt und herausgefunden, dass ich nicht ehrlich mir selbst gegenüber bin. Die Sehnsucht nach einem Partner kommt immer wieder, auch wenn ich mich selber fortwährend davon überzeugen will, dass es in Ordnung ist, allein zu sein. Es versetzt mir immer wieder einen Stoß, und ich muss viel Energie darauf wenden, es zu unterdrücken. Oder ich sage mir, es besteht sowieso keine Hoffnung, es gibt keinen Partner für mich und so schaue ich mich gar nicht mehr nach einen neuen Freund um.
Das fühlt sie aber auch nicht richtig an. Es gibt mir das Gefühl, den ganzen Bereich der Partnerschaft nicht erforscht zu haben. Ich habe mich irgendwie mit mir selbst getröstet und auf eine kleine, gemütliche Art Vollständigkeit in mir gefunden, aber wenn ich mir das ehrlich anschaue, ist es nicht aufrichtig. Ich bin mir oft nicht sicher, ob ich mich nicht doch anstrengen sollte, nach außen zu gehen und diese Energie zu leben, die ein Teilen auf allen Ebenen vermisst. Das ist mit viel Traurigkeit verbunden.
S.: Kannst du sehen, wie ehrlich du bist? Lass uns dem jetzt direkt ins Angesicht schauen. Für viele Menschen ist das ein brennendes Thema. Die größte Anstrengung dabei ist, aufrichtig zu sein – das bist du schon! Wenn du das Gefühl hast, dass du nach außen gehen und einen Partner finden willst, dann tu es, unbedingt! Sieh zu, dass du einen guten Mann erwischst!
Ich werde im Satsang immer das aufnehmen, was du mir präsentierst und es zurück in dein Herz legen. Ich werde also nicht sagen, höre damit auf, dich nach einem wunderschönen Lebensgefährten umzuschauen, sondern wenn du dich danach fühlst, dann versuche, einen Partner zu finden. Aber du kannst es nicht wirklich selber bewerkstelligen, denn entweder findest du jemand oder auch nicht. Wir können damit aufhören, uns selber die Schuld zu zuschieben und wir brauchen uns keine Entschuldigungen zu suchen. Das liegt in unserer Hand, aber absolut nicht, ob wir einen prächtigen Gefährten finden, das liegt in den Händen der Existenz, wie in Wirklichkeit alles. Wenn du das Gefühl hast, dass du etwas tun kannst und tun willst: Mache es!
Ich will jetzt hier auf das hinweisen, was du schon bist, auf die Vollständigkeit, die du schon bist, auf die Einheit,
die du schon bist. Was du vermisst, wartet in deinem Herzen.
F.: Ich höre das, verstehe und akzeptiere es, und doch ist es nicht meine Wahrheit.
S.: Noch nicht.
F.: Ich habe das Gefühl, eine bestimmte Erfahrung in meinem Leben zu vermissen und das lässt mich suchen.
S.: Das ist nur eine Teilwahrheit. Es entspricht nicht vollständig der Wahrheit, und das weißt du bereits. Tief in deinem Innern weißt du auch schon, dass du nichts brauchst, denn ich spüre dafür eine Resonanz in dir. Da ist einfach nur die Hingabe an das, was wir bereits sind. Es ist ein Sich-Eingestehen von etwas, was du bereits weiß; von etwas, das bereits einen Widerhall in dir erzeugt.
Das ist alles, was nötig ist, um Frieden zu finden. Frei von Bedürfnissen zu sein, bedeutet in Frieden zu sein. Das ist alles, was benötigt wird, und es ist ganz sicher in Reichweite. Dadurch werden alle Sehnsüchte aufgelöst. Schmerzen kann man nicht vermeiden, aber all das Leiden und Sehnen fällt weg. Einen Gefährten zu finden kann eine wunderbare Erfahrung sein, aber oft läuft man auch einem Traum hinterher. Oft denkt man nach den Flitterwochen: „O Gott, ich wünschte er würde wieder verschwinden!“ Deshalb geht es heutzutage den Therapeuten so gut: Die Hälfte der Menschheit ist auf der Suche nach einem Partner, und die andere Hälfte denkt darüber nach, wie sie ihre Partner wieder loswerden. (Lachen)
F.: In Wirklichkeit bleibt da gar kein Platz in meinen Leben für einen Partner, weil ich selbst so viel Raum einnehme.
S.: Eine neue Einsicht! Vielleicht solltest du nach den wirklichen Schätzen greifen. Du kannst beides tun. Aber ich würde dem Priorität geben, was sicher zu finden ist. Schau dich nur einmal um. Kennst du auch nur eine Handvoll wirklich in der Beziehung erfolgreicher Paare finden? Die sich gegenseitig unterstützen, liebevoll mit einander umgeben, sich umeinander bemühen, alles mit viel Raum und Zuneigung für einander – kennst Du solche Paare?
Ich würde mich um das bemühen, was dir sicher ist: Um dein eigentliches Zuhause, um die echte Einheit. Das, was nicht beeinflusst werden kann, das ist frei. Was immer du damit tun willst, ob du darauf einschlägst, es berührst, es wegnimmst, es weggibst, es auf den Kopf stellst oder es tötest, es ist frei von allem, was du damit machen willst. Was auch immer in deinem Leben geschieht, die Freiheit wird davon nicht berührt. Darum würde ich mich bemühen, wenigstens würde ich das an die erste Stelle setzen. Und dann würde ich einmal abwarten, ob mir die Existenz einen guten Gefährten zu kommen lässt. Die Freiheit ist dir sicher, der Partner kann immer wieder wegspazieren – oder dir Ärger machen. Der Partner fügt sich nie unseren Bedingungen, niemals. Er hat seine eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Irritationen, all das. Und das bekommst du auch, die ganze Packung.
F.: Was ist mit den Edensteinen? Du sagst, die sind schon hier.
S.: Mich würde das große Los interessieren, die wahren Edelsteine, die riesigen Klunker, die an keine Bedingungen geknüpft sind, die schon ganz und gar hier sind und dir zur Verfügung stehen genau jetzt. Du musst nur ja zu ihnen sagen, das ist alles.
F.: Ja, okay. Ich danke dir.
(Auswahl und Bearbeitung: Devasetu W. Umlauf)

Festivaltermine: Sa. 3.6 14.00 Uhr / Mo. 5.6. 13.30 Uhr
Intensive am 6.6.

Mehr Info : www.susanfran.nl