Pari - Spiritualität und Alltag

Sehr viele Menschen beschäftigt die Frage nach der Möglichkeit ihre spirituellen Erfahrungen und Erkenntnisse in ihren Alltag zu integrieren, und dieser Alltag ist geprägt von einer ganzen Reihe von Sachzwängen, Pflichten, ökonomischen Themen und anderen Gegebeheiten. Hier sehen sie ein riesiges Spannungsfeld, zwei Welten, die, so scheint es oft überhaupt nicht zusammenfinden.
Zuallererst entsteht dieses altbekannte Problem aus einer allzu menschlichen und mindestens ebenso uralten religiösen Vorstellung: hier das Weltliche, dort das Göttliche; hier ist der Mensch auf Erden , dort Gott im Himmel; dies ist unser Glaube (meist der rechte...), jener ist der Glaube der anderen (meist der falsche). Diese Reihe liesse sich beliebig fortsetzen und obwohl so naiv einfach, ist dies oft der Grund für soviel Leid und viele Kriege auf der Welt. Also macht sich der spirituelle Sucher auf, diese niedere Existenz-Ebene zu verlassen, den Verstand zu transzendieren und sich entsprechend seiner persönlichen Auffassung von Trennung in Richtung Befeiung zu bewegen. Früher oder später trifft er auf einen spirituellen Lehrer, der ihm eine geeignete Methodik gibt und zeigt, was er tun muss, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Dieses religiöse Muster kann in fast allen grösseren und kleineren Religionen beobachtet werden.

Als ich nach vielen Jahren der Suche und vie
len diesseitigen und "jenseitigen" Erfahrungen im Jahre 1991 Papaji in Lucknow traf, hoffte ich, durch seine Kraft und Gnade ein für alle mal in jene andere, geistige Welt katapultiert zu werden und auch dort verweilen zu lernen. Es herrschte soviel Sehnsucht nach dem "Anderen", dem "Dortigen", "Göttlichen", dass er alle Hände voll zu tun hatte, mit diesem hartnäckigen Sucher einfach nur eine Tasse Tee zu trinken. Er unterbrach meine bohrenden Fragen und Bitten nach Wahrheit mit Fragen wie: " Weisst Du eigentlich, dass die Griechen dieses Jahr ein erstklassiges Basketballteam auf die Beine gestellt haben? Ich sage dir, mit diesem Team sind sie sogar in der Lage, Welt-Champions zu werden!" Es muss sich so ähnlich anfühlen, wenn ein Computer aus seinem laufenden Programm abstürzt: gähnende Leere, nichts (nicht das "spirituelle"), ein entspannt herabhängender Unterkiefer und der Blick einer friedlich auf der Weide widerkäuenden Kuh. Hier bin ich, beim Objekt/Subjekt meiner Hoffnungen und Sehnsucht angekommen, bereit alles hinzugeben und ich werde von dieser gewaltigen Manifestation des Nirvanas darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Jahr das samsarische Griechenland ein starkes Basketballteam aufgestellt hat.

Ein paar gähnende Leeren und viele Tassen Tee mit Papaji später, löste sich vom Sucher ganz unbemerkt eine uralte menschliche Vorstellung von Trennung. "Nirvana is samsara" hörte ich Papaji sehr oft sagen " and
samsara is nirvana!" Machen wir auch nur die kleinste Trennung zwischen weltlichem und geistig-erwachten Leben, sind wir mitten im Drama des Getrennt-Seins vom Leben,vom Glück, von Gott. Für den wachen Genießer befindet sich Nirvana und Samsara in einer ewig innigen Umarmung und es besteht abslolut kein Grund das eine vom anderen zu trennen. Daraus enspringt eine grosse Achtung und Liebe für alle Aspekte dieses
wunderschchönen Lebens. Denn wer ist es schliesslich, der zwischen dem Einen und dem Anderen trennt? Ist es nicht die gute und altbekannte psychopathische Vorstellung eines unabhängigen und getrennten Ichs,welches ausgestattet mit freiem Willen, entscheiden, definieren, hoffen und finden kann? Ohne diese Vorstellung fällt das Kartenhaus zusammen und alle Unterscheidungen entpuppen sich als Ergänzungen in einem unendlich variierenden Spiel des Lebens. Welt und Gott in innigster Umarmung.
Ich erinnere mich, dass ich spät abends zwei Gäste in unserem Zorbas-Zentrum auf Korfu, eincheckte und auf ihre Zimmer brachte. Siehatten sehr schweres Gepäck dabei und ich half ihnen, diese Koffer auf ihr Zimmer zu tragen. Als ich mich verabschiedete, sagte der Herr:" Hier, das ist für Sie - und nochmals vielen Dank!" Er drückte mir dabei zweiEuro in die Hand. Ich erklärte ihm, dass wir im Zentrum keine Trinkgelder von unseren Gästen erwarten, aber er war sehr bestimmt und sagte:" Das ist schon okay - hier nehmen Sie's einfach. Und nochmals vielen Dank. "Zwei Tage später war "Satsang mit Pari" auf dem Programm. Mitten im Satsang fielen mir die Gesichter von den zwei Gästen auf, die ich zuvor eingecheckt hatte. Sie blickten mich mit erstaunten Gesichtern an. Nachdem Satsang sprachen sie mich an:
" Entschuldigen Sie, wir wussten nicht...wir dachten..."
Ich sagte:" Wozu sich entschuldigen, nur weil ich ihre Koffer hinaufgetragen habe? Okay, sie waren etwas schwer, aber ich habe mir dafür gestern ein leckeres Eis von meinem Trinkgeld gekauft!"

Dies scheint eine der vielen Lieblings-Beschäftigungen unseres Verstandes zu sein: Trennungen zu machen, wo es keine gibt, Unterschiede zu sehen, wo es weit und breit keine gibt. Göttliche Liebe hat nie etwaspolarisierendes an sich und schliesst immer alle Aspekte, Unterschiede und Gegenseitigkeiten mit ein. Daher ist ein Buddha gleiczeitig das "diesseitigste" und das "jenseitigste" Phänomen, das es gibt. In tiefer Achtung und Liebe für alle Belange des Lebens in all seinen Erscheinungen, während niemand als Handelnder präsent ist. Dies könnte man als das Buddha-Paradoxon bezeichnen. In unseren Mantra-Konzerten verwenden Satyaa und ich unsere Stimmen und Instrumente um die Liebe für das All-Umfassende in hörbare Schwingungen zu übersetzen. Alle Lieder und Mantren sind Hymnen für dieses Eine, welches Alles liebevoll in sich enthält: Hier und dort, Himmel und Erde, menschliche und göttliche Liebe. In einer Welt - egal ob New Age oder Old Age -, die auf Trennung aufgebaut wird, ist es lebenswichtig - überlebenswichtig - diese leise, über alle Trennungsschreie des Verstandes hinwegschweigende Stimme der Einheit, zu hören und sie hörbar zu machen. Wenn wir singen oder auch nur der Musik zuhören, umgehen wir auf spielerische Weise die Eintönigkeit des Verstandes und spüren auf spielersiche Weise, wie unser Herz aufatmet. Papaji hat in seinen Satsangs in Lucknow immer auf die Kraft der Hingabe in Bhajans und Mantras hingewiesen. Ein Tropfen Hingabe, hat er mal gesagt, hat mehr Wert als Tonnen spiritueller Erfahrungen. Dem Verstand kann Frieden einfach nicht beigebracht werden, da er einfach immer die "andere Seite" braucht, um zu funktionieren: Er braucht das Einerseits-Andererseits, Frieden-Unruhe, Freiheit-Fesseln. In unseren Konzerten kann die Stille des Satsangs hörbar und 'singbar' gemacht werden, während im Satsang das im Herzen stattfindende leise Mantra-Konzert offenbart werden kann. "Sab ek!"- Alles Eins - wie es in Indien heisst. Und was immer Du erfährst, erlebst, fühlst oder handelst, sei versichert, es ist alles bereits in bester Ordnung, lehne Dich zurück und geniesse eine gute Tasse Tee, denn es ist nur das Eine, mal in dieser, mal in jener Verkleidung.

Festivaltermine:
Satyaa & Pari in Concert Fr. 2.6. 19.30 Uhr
Sa. 3.6. 17.30 Uhr
Satsang mit Pari: So. 4.6. 11.30 Uhr
Mo. 5.6. 11.45 Uhr