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Fragen und Antworten sind zu lesen auf www.rainbow-spirit.de
Sind Satsang - Lehrer Egozentriker?
Das Folgende ist ein Auszug aus der Online-Diskussion
auf www.rainbow-spirit.de/forum .
Prabodh: Liebe Renate und Muni! Ich will Euch nicht zu nahe
treten – ich kenne Euch nicht.
Aber ist es nicht so, dass die Satsang-Lehrer wie Pilze aus
dem Boden sprießen, dass viele Therapeuten schnell
noch erwachen, um auf den lukrativen Satsang-Zug aufzuspringen?
Meine Erfahrung mit vielen dieser LehrerInnen ist auch, dass
es Ihnen sehr wichtig ist, sich selbst in Szene zu setzen,
möglichst viele Schüler zu haben und angemessen,
meist luxuriös, gewürdigt zu werden. Je näher
man Ihnen kommt, umso auffälliger wird oft der Hang
zu Machtstrukturen. Kann ein Lehrer, der von seinen Schülern
ausgehalten wird, überhaupt unbestechlich und integer
bleiben? Was ist Eure Erfahrung und Position zu meinen Eindrücken?
Gruß von Prabodh.
Muni: Lieber Prabodh, ebenso wenig wie Du weißt, ob
wir die von Dir angesprochenen Exzentriker sind, ebenso wenig
kann ich diese Frage für die anderen Satsanglehrer beantworten.
Wir leben nun mal in einer polaren Welt, in der alle möglichen
nur denkbaren Varianten gespielt werden. Natürlich gibt
es auch diese Form im Satsang – wie könnte es anders
sein?
Gibt es für Dich eine Trennung in Form von Welt einerseits
und der erhabenen Spiritualität andererseits? Meine Erfahrung
ist, dass es keine von der Welt getrennt existierende Spiritualität
gibt und somit das göttliche Spiel auch in allen Bereichen
dieser Existenz sein Un- oder Wesen treibt. Nimm es einfach
nicht persönlich!
Lieber Prabodh – wie sieht es mit Deinen Macht- und Prestigestrukturen
und Deinen Verletzungen in Bezug damit aus? Wärst Du damit
im Reinen, würde es Dich nicht sonderlich stören!
Du würdest einfach nicht mehr zu diesen Lehrern gehen.
Natürlich muss auch ein Satsanglehrer von dem leben können,
was er macht. Oder hast Du eventuell die Vorstellung, dass
man für „Gottes Service“ kein Geld nehmen
darf? Das gäbe dann ein Problem, denn es gibt keine Tätigkeit
auf diesem Planeten – und auch sonst wo nicht –,
die nicht Gottes Tätigkeit wäre, ohne dass da jemand
seine Hand im Spiel hätte!
Auch Ramana wurde ausgehalten – ohne jegliche Machtstruktur.
Er war aber andererseits
jahrzehntelang ein Beispiel für seine Devotees im Frühaufstehen
und Arbeiten – bevor diese
aufwachten. Morgens, um ca. vier Uhr hatte er schon das Gemüse
für den Ashram geschnitten und zum Kochen vorbereitet,
weshalb dann seine Devotees auch um vier aufgestanden sind.
Daraufhin ist er um drei aufgestanden, was seine Devotees nicht
mit ansehen konnten und dann lieber wieder später aufgestanden
sind. Du kannst andererseits wundervoll sehen, wer wo steht – und
wie alles funktioniert: auch Satsang nach dem Prinzip der Resonanz.
Diejenigen, deren Motivation die von Dir beschriebene ist,
werden sich dann nicht lange halten – und einige doch,
denn die werden gebraucht. Vielleicht hast Du schon davon gehört,
dass Du auch bei einem „falschen“ Guru erwachen
kannst, sofern Du diesen als erwacht ansiehst. Also auch hier
können wir nicht wissen, wofür diese scheinbar unangenehmen
Erfahrungen mit einem „falschen“ Guru gut sind.
In diesem Sinne grüße ich Dich, auch in Deiner Auseinandersetzung
mit diesem Thema. Mich hat das auch intensivst beschäftigt.
Om Shanti – Muni.
Juttah: Hallo, ich bin heute das erste Mal in solch einem
Forum und habe gleich diesen tollen Beitrag gelesen. Toll ist
die Antwort von
Muni, total passend. Auch ich gehöre zu den Satsang-Lehrerinnen,
doch ich halte mich im Hintergrund, sehe mich als ein Angebot
an diejenigen, denen ich etwas zu geben habe. Ich fühle
mich total wohl dabei, finde es aber auch absolut toll, dass
andere Gurus öffentlich Satsang anbieten und so sind,
wie sie sind.
Es ist doch nicht meine Bestimmung, Fehler bei anderen zu suchen.
Für mich zählt doch allein, was als Ergebnis für
mich bei einer Sache – bei einem Satsang-Besuch – herauskommt.
Warum will ich immer etwas bei anderen suchen und werten? Es
ist doch das Schönste im Leben, sich selbst zu suchen – und
sich dann auch noch zu finden. Om Sai Ram – Shanti, Juttah.
Prabodh: Lieber Muni! Danke für Deine Antwort. Ich finde,
Du machst es Dir zu einfach.
Auch ich weiß, dass es in der spirituellen Szene alle
Facetten der Dualität gibt. Aber ist es nicht zu einfach,
sich auf den Standpunkt außerhalb zurückzuziehen?
Ist es nicht zu einfach, den Ball zurückzuschmeißen
mit den Worten: „Wärst Du damit im Reinen würde
das Dich nicht sonderlich stören!“?
Ein Beispiel: Du bekommst mit, wie in dem Haus, in dem Du wohnst,
ein Nachbar regelmäßig seine Frau schlägt.
Das passiert in der Dualität. Was tust Du nun? Bleibst
Du auf Deinem transzendenten nichtberührbaren Punkt sitzen?
Oder rufst Du die Polizei und handelst, wieder in der Dualität?
Ich meine, auch wenn wir einen Standpunkt beziehen jenseits
der Gegensätze, lebt dieser Körper-Geist-Mechanismus
doch mitten in den dualen Prozessen und handelt dort.
Deshalb finde ich es durchaus „legitim“, Machtmissbrauch
seitens spiritueller Lehrer anzusprechen, denn das heißt
nicht zwangsläufig verurteilen, sondern handeln / eine
Reaktion geschehen lassen. Was meinst Du? Es grüßt
Dich Prabodh.
Marion: Wow! Hier geht es ja ans Eingemachte. Ich habe ähnliche
Erfahrungen wie Prabodh gemacht und finde es super, dass hier
offen darüber geredet wird. Ich finde, das kann sehr hilfreich
sein. Ich war früher auch bei einem Lehrer, der bei jeder
Kritik gleich gesagt hat: „Schau, was es mit Dir zu tun
hat! Alles andere ist Projektion!“ Ich weiß, dass
dies einerseits wahr ist, aber andererseits war es seine Methode,
keine Kritik an sich zuzulassen. Und dieses Spiel haben viele
Lehrer drauf: „Ich stehe darüber – ich bin
nicht kritisierbar.“ Ich denke, es geht immer um beides,
oder?
– Marion.
Renate Busam: Lieber Prabodh,
in der Regel sind Satsang-LehrerInnen Self-Zentriker. Es mögen
natürlich auch ab und an – oder besser: dennoch
auch – Ego-Zentriker dabei sein.
Falls du also dennoch – was ja wenig wahrscheinlich ist,
aber wer weiß das schon? – einmal auf eine(n) der
letzteren Kategorie treffen solltest, dann freue Dich, denn
er/ sie wird eine interessante Lern-Erfahrung werden. Om Shanti,
Renate.
Kai: Hallo zusammen!
Für mich berührt dieses Thema die Täter-Opfer-Frage.
Ist der egozentrische Meister der Böse und seine aufopferungsvollen
Schüler sind die, die ausgenutzt werden? Ich denke solche
Beziehungen entstehen aus einem beidseitigen Missverständnis.
Der falsche Meister hält sich z.B. für erleuchtet,
oder für eine/n gewitzte/n Geschäftsfrau/mann. Der
Schüler hält sich z.B. für unerleuchtet oder
führungsbedürftig. Diese Selbstbilder produzieren
Erfahrungen, aus denen beide Seiten lernen können. Beide
Positionen sind sich ihrer selbst nicht bewusst. Der Verlauf
einer solchen Beziehung birgt immer ein Geschenk des Verstehens,
unter der Erfahrung der tiefen Enttäuschung oder Kränkung.
Täter/Opfer ist die duale Erscheinung (Interpretation),
Meister/Schüler ist die duale Erscheinung (Interpretation).
Die Essenz der Beziehung ist aber immer nicht-dual. Die Essenz
der Beziehung wird offenbar, wenn die eigene Position durchleuchtet
wird.
Wird sie nicht durchleuchtet, lehrt das Leben sie – in
verteilten Rollen. Natürlich dürfen wir uns kritisieren.
Auch dies kann der Wahrheitsfindung dienen. Aber wer ist der
Kritiker?
Ist es jemand, der auch gerne so locker Geld verdienen möchte?
Ist es jemand, der eine tiefe Enttäuschung erlitten hat
und vorsichtig geworden ist, usw.? Immer tiefere Einsichten,
immer tieferes Verstehen… Wenn ich die Quelle des Kritikers
untersuche, wird mir etwas klar werden. Diese Klarheit wird
meine Bewertung der Situation verändern. Kritik wird vielleicht
nicht verschwinden, aber der Kritiker. Liebe Grüße,
Kai.
Muni: Lieber Prabodh, hast Du es gerne schwierig? Solange
Du eine Position innerhalb der Dualität beziehst, ist
das der Fall – was ist denn der Grund, weshalb Du zu
Satsanglehrern gehst oder gegangen bist?
Es geht doch dabei um Wahrheit und darum, Deine wahre Natur
zu erkennen, unter anderem als das, was sieht, dass alles,
so wie es ist, keiner Veränderung bedarf. Das ist Freiheit!
Sich als Handelnder zu begreifen, der dies oder jenes / diesen
oder jenen anders haben möchte, bedeutet Leiden, Unfreiheit.
Zu erkennen, dass die Dinge so sind, wie sie sind, und es nicht
wir sind, die handeln, schließt doch auch mit ein, dass
darin auch Ablehnung enthalten ist und Kritik, die ebenso einfach
geschieht, sei sie nun aus welchem Standpunkt auch immer, gerechtfertigt
oder nicht. Hast Du denn eigentlich meine Antwort gelesen?
Das war darin enthalten.
Wie gesagt, ich habe mich auch mit diesem Thema beschäftigt,
hatte ebenfalls massive Kritik an diversen Lehrern und habe
mich auch direkt mit ihnen auseinandergesetzt. Ich kann Dich
da sehr gut verstehen und natürlich lehne auch ich jede
Form von Machtmissbrauch und Manipulation ab.
Ich habe aber nie versäumt, auch meine eigene Rolle dabei
im Auge zu behalten, und habe dabei bemerkt, dass ich immer
jeweils bei dem Lehrer war, der mir auch meine eigenen Themen
und Verletzungen gespiegelt hat, und ich bin erst dann weitergegangen,
als sich im Kontakt zu diesem Lehrer meine Themen erledigt
hatten und dem Vorteil, mit diesem Lehrer zu sein, zu viele
Nachteile gegenüberstanden. Ich habe, wenn auch oft erst
später, für diese teils äußerst unangenehmen
Erfahrungen und auch den Lehrern gegenüber große
Dankbarkeit empfunden.
Meine Erfahrung ist, nicht nur mit Satsanglehrern und Meistern,
sondern jede Begegnung mit Menschen und Lebenssituationen – besonders
die unangenehmen – haben mir etwas über mich erzählt
und mich bereichert bzw. um einiges erleichtert.
Und darum geht es ja schließlich – uns all dessen
bewusst zu werden, was uns den Blick auf unser wahres Selbst
verstellt, bzw. uns als Das zu erkennen. Und wenn Du dann Lehrer
findest, die nach Deiner Ansicht keinerlei Makel haben – wundervoll
für Dich und jeden, dem das widerfährt. Und wenn
Du gar keinen brauchst – umso besser für Dich!
Ich konnte an der Qualität meiner jeweiligen Lehrer/Meister
erkennen, wie sehr ich mich verändert hatte. Dementsprechend „frei“ oder
mit wenig oder keinem Ego waren auch die Meister. Deshalb aus
meiner Erfahrung auch der Rat an Dich, auch bei Dir zu schauen – was
Du natürlich nicht tun musst.
Ich habe übrigens, als ich heute auf der Rainbow Spirit
Seite war, einen Beitrag von Dir vom 27.10. zu diesem Thema
gelesen, wo Du empfiehlst: „Sich von jedem Guru zu lösen
und einfach in eigener Verantwortung zu sein.“ Woher
willst Du wissen, was für andere Menschen gut ist und
was nicht, wo Du doch noch nicht einmal für Dich weißt,
was Du brauchst?
Das erinnert mich sehr an Machtstrukturen, die Du ja bei Satsanglehrern
kritisierst. Sollte ich doch mit meiner Vermutung richtig liegen,
dass, was immer Dich im Außen stört, Du im Innern
noch zu bewältigen hast?
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich es wundervoll
finde, dass es Satsanglehrer, Gurus, Meister, Meditationslehrer,
Heiler und so weiter in dieser Anzahl hier bei uns gibt. Ich
sehe sehr viele Menschen, deren Gesichter beginnen, von innen
zu strahlen, weil sie sich mit Hilfe dieser Formen der Unterstützung
zu erkennen beginnen und ihr Leben eine neue Qualität
gewinnt.
Deinem Beispiel mit der Gewalt kann ich nur entnehmen, dass
Du möglicherweise der Meinung bist, der Handelnde zu sein.
Handlung geschieht einfach durch diesen Körper/Geist.
Wie kann ich also wissen, wie dieser Körper/Geist reagiert
in Bezug auf Dein Gewaltbeispiel, und das sogar bezogen auf
die Zukunft? Er wird so handeln, wie er dann handeln wird.
Das tut er ständig, denn Handlung geschieht auch dann
spontan im Moment und ist nicht vorhersehbar – oder planbar.
Vor Jahren gab es in meiner Nachbarschaft eines Nachts so einen
Fall, bei dem ich dann tatsächlich die Polizei gerufen
habe.
Ich weise aber immer wieder daraufhin, dass Du, auch wenn der
Körper handelt, jenseits davon das Eine – von all
dem unberührt – und reines Gewahrsein bist, unabhängig
von jeder Situation oder Thematik oder Bewusstheit darüber.
Und in diesem Zusammenhang werfe ich, wann immer möglich,
das Thema zu Dir zurück. Ich sage dazu: Löse Dich
von jeder Vorstellung, dass der Guru im Außen zu finden
ist, es gibt nur einen Guru, das Selbst – nämlich
Du!
Bist Du aber der Meinung, dass Du getrennt bist vom Selbst,
in dem Du Dich, wenn Du das Eine Selbst als Körper, als
Handelnder betrachtest, erkennen willst, dann suche Dir, wenn
das Deine Sache sein sollte, jemanden, der Dir dabei helfen
kann – sei es ein Guru, oder welche Projektionsfläche
auch immer. Und behalte dabei immer Dein Ziel im Auge. Dann
ruhe in Dem! Und denke nur nicht, Du hättest die Verantwortung
für Dein Handeln!
Zum Abschluss ein Zitat aus „Mahamudra – Die Große
Gegenwart“ von Tilopa: „Strebst Du nach dem, was über
den Verstand hinaus und ohne Zutun wirklich ist, geh an den
Ursprung dessen, was bewusst ist, und belasse in Bewusstheit,
schier und bloß. Des Denkens trübes Wasser überlasse
sich zu klären. Was auch erscheint, behindre oder fördre
nicht, lass es am eigenen Platz zur Ruhe kommen. Ohne Tun-
und Lassenwollen heißt, alles, was erscheint und möglich
ist, wird frei als Große Gegenwart.“ Liebevoll,
Muni.
Petra: Lieber Muni! Entschuldige einmal: Mein Gefühl ist,
dass Du auf Prabodh reagierst. Du unterstellst ihm von vorneherein,
woanders zu stehen als Du. Wenn Du Deinen Blickwinkel änderst
und ihn auf gleicher Ebene siehst, erkennst Du vielleicht,
dass er dasselbe sagt wie Du und Kritik durch ihn passiert.
Liebe Grüße von Petra.
Kai: Hallöchen, noch einmal! Ich finde Reaktionen gehen
völlig in Ordnung. Solange sie als ein Phänomen unter
vielen betrachtet werden, können sie sehr aufdeckend und
inspirierend, ja lebendig wirken. Beißt man sich fest,
können sie auch schnell ermüdend und verkrampfend
wirken. Kann auch passieren. Zum Glück können wir
uns ja jederzeit ein- oder ausklinken.
Viel Spaß bei was auch immer..., wünscht Kai.
Daja: Hallo, Ihr Suchenden! Ihr diskutiert alle an der Oberfläche,
dort ist keine Lösung zu finden. Wer nicht in die Tiefe
geht, geht leer aus. D.h., wenn ihr wahre Erkenntnis erwerben
wollt, müsst ihr euch selbst begegnen. Der wahre Adept,
der entwickelnde Mensch, muss werden. Er entspringt nicht einem
Schöpfungsakt. Es handelt sich um einen Wachstums- und
Entwicklungsprozess, der unausweichlich gewisse Schmerzen bereitet.
Daja.
Kai: Liebe Daja! Auch Entwicklung ist nur ein Phänomen:
von der Eichel zur Eiche, vom Ei zur Henne. Alles eine tolle
Erfindung – Schöpfung –, durch die der Begriff
des „Werdens“ einen Sinn erhält. Es gibt aber
etwas, das niemals im Werden begriffen war und es niemals sein
wird. Es ist dir näher als deine Nase und kann nicht gefunden
werden, da es niemals weg ist. Es hat viele Namen erhalten
(„Deine wahre Natur, Selbst, Absolutes, Gewahrsein, Sein,
Gott“, etc.), ist aber selbst namenlos. Die Erfahrung
dieses Unbenennbaren befreit uns von aller Suche und allem
Werden, denn jetzt ist die Suche beendet. Wir waren auf der
Suche nach dieser Erfahrung und waren so sehr beschäftigt
damit, dass wir das Offensichtlichste übersahen. Wer es
jetzt sieht, erkennt sich selbst und versteht, dass „ich
niemals geboren wurde und niemals sterben werde“, dass
alles Werden und jede Identität nur eines meiner zahllosen
Spiele sind. Ich halte mich gerne an der Oberfläche auf,
denn dort ist es am frischesten. Lieben Gruß, Kai.
Daja: Hallo Kai. Entwicklung ist absolut wahr und tut weh.
Es ist kein Phänomen. Die Hauptursache für die Schmerzen
ist unsere unablässige Suche nach Beständigkeit,
in einer Welt der Unbeständigkeit. Gott – ich könnte
auch sagen: Selbst, Energie, Farben, Honig, usw. – ist
Dir näher als Deine Nase und kann mit etwas Mut, einer
Portion Abenteuerlust gefunden werden. Wer bist Du? Denn Deine
Suche ist laut Text beendet. Wie war Dein Weg? Wer war Dein
Satguru, der Dir beigestanden hat in deiner dunklen Nacht der
Seele? Was ist das Offensichtliche? Bitte um Erklärung!
Was ist Oberfläche? Ich weiß, Du musst essen, Geld
haben und aufs Klo gehen... Also, was erzählst du mir
das? Gruß, Daja.
Kai: Liebe Daja! Entwicklung ist relativ wahr und kann auch
wehtun. Sie ist relativ wahr, weil sie eigentlich nichts mit
uns zu schaffen hat. Alles, was sich entwickeln kann, ist nicht
deine wahre Essenz. Versuche Dich in dem zu finden, es wird
nicht gelingen, denn Du bist bereits Betrachter dessen, was
du untersuchst. Dein Körper beispielsweise entwickelt
sich. Da gibt es schmerzvolle Abschnitte und sehr lustvolle.
Aber Du bist nicht dein Körper, sondern dein Körper
ist in Dir, im Raum Deines Gewahrseins. Alle sieben Jahre ist
er komplett ein anderer. Oder Dein Geist: Auch er entwickelt
sich. Ein Kindergeist denkt anders als ein erwachsener Geist.
Kindergeister denken z.B., dass ein Eis „Eis“ heißt,
weil es so kalt ist. Und da Eis so kalt ist, musste es eben
Eis genannt werden. Das wahre Ich des Kindes war niemals in
diesem Gedanken enthalten. Sein Geist hat sich weiterentwickelt,
und heute amüsiert es sich über seine damalige „Dummheit“,
bis es irgendwann versteht, das der Geist an sich nur ein Phänomen
ist und nichts über die wahre Identität beinhalten
kann. Unser Geist taucht auf und verschwindet wieder, wie alle
Phänomene. Das ist die Unbeständigkeit der Dinge,
ein ewiges Werden und Vergehen.
Es existiert aber als Hintergrund all dieser relativen Dinge
etwas absolut Beständiges, Unerschütterliches und
Segensreiches. Haben wir dies aus den Augen verloren, leiden
wir, denn es ist unser ursprüngliches Gesicht. Es ist
so still und leise, dass wir es nur zu leicht übersehen
können bei der ganzen nervösen Hektik unserer Zeit.
Ich sagte nicht, dass meine Suche beendet ist, sondern dass „die
Suche“ jetzt beendet ist. In der Erfahrung des ewigen
Momentes, des Nicht-Werdenden, das ununterbrochen unseren Hintergrund
bildet, ist die Suche beendet, ja sie hat im Grunde nie stattgefunden.
Meine Satgurus sind alle und niemand.
Ich las gerade noch einmal deine Fragen durch und bemerkte,
dass ich auf zwei davon gar nicht eingegangen bin: Mit Oberfläche
meine ich das Erwachtsein. Wenn ich aus meinen Identifikationen
auftauche, ist es manchmal wie ein An-die-Oberfläche-Kommen
und endlich Frischwind zu atmen. Wer ich bin, ist unmöglich
zu beantworten. Da müsste ich mir etwas vormachen, denn
in Wahrheit habe ich keine endgültige Form. Niemand Besonderes?
Musiker? Arbeitslos? Ein Mann? ....?
Liebste Grüße, Kai.
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