Paul Ferrini: Von der Übung zur Meisterschaft


Ein Interview von Dirk Grosser mit Paul Ferrini, Autor der Bücher „Die Gesetze der Liebe“ und „Leben nach den Gesetzen der Liebe“ (Aurum)

Dirk Grosser: Du hast gerade zwei neue Bücher fertiggestellt, die Menschen durch ein Curriculum und einen Erfahrungsprozess zur spirituellen Meisterschaft führen. Kannst du uns erklären, was spirituelle Meisterschaft für dich bedeutet?
Paul Ferrini: Ja. Spirituelle Meisterschaft spiegelt die Veränderung unseres Bewusstseins von der Angst zur Liebe wider. Meisterschaft erscheint, wenn wir uns von unseren Köpfen in unsere Herzen bewegen, aus unserem Bedürfnis zu manipulieren und zu kontrollieren hinein in Akzeptanz und Hingabe. Das Resultat ist, dass wir weniger Streit erfahren und mehr Frieden. Unser oft selbsttätiger Denkprozess beginnt sich zu beruhigen, wenn unsere Energie sich in unser Herz bewegt. Wir empfinden alles auf einer tieferen Ebene. Wir entwickeln größeres Mitgefühl für uns selbst und andere. In diesem Sinne wird der „denkende Geist“ zum „fühlenden Geist“.

DG: Kannst du den Begriff „fühlender Geist“ näher ausführen?
PF: Das will ich gern tun. Der fühlende Geist hat eine höhere Schwingung als der denkende Geist. Unsere Intuition ist mit ihm erwacht. Wir wissen, ohne zu wissen, wie wir wissen. Wir müssen die Dinge nicht mehr länger zwanghaft im Voraus planen. Wir können das Leben sich selbst entfalten lassen. Wir bewegen uns mit dem Fluss, anstatt gegen ihn anzukämpfen. Dinge geschehen, wenn sie bereit sind zu geschehen, und wir sind zufrieden damit, sie sich entwickeln und entfalten zu lassen, ganz ohne Druck auf uns selbst oder auch auf andere Menschen ausüben zu müssen. Wir werden geduldiger und auch achtsamer für die Geschenke, die jeder Moment spontan mit sich bringt.
Wir hören auf, herrschen zu wollen, und beginnen stattdessen zu erlauben. Wir tanzen, entdecken, spielen. Wir genießen den Prozess
und hören auf zwanghaft ein Ziel zu verfolgen. Wir lernen selbstsüchtiges Begehren loszulassen und uns stattdessen auf Ergeb nisse zu konzentrieren, die allen Menschen zu Gute kommen. Wir vergeben anderen und erlauben uns selbst, Vergebung geschenkt zu bekommen.
Wir stellen die Herzverbindung zwischen uns und anderen wieder her. Wir verbinden uns mit Tieren, Planeten, Flüssen, Bergen, mit der unbeschreiblichen Schönheit und Majestät dieser Welt. Wir lernen in Harmonie mit allen anderen Wesen zu leben.

Wir werden gute Verwalter dieser Erde und mitfühlende Beschützer all der Lebensformen, die hier mit uns leben. So anerkennen wir das Leben als solchesund kooperieren mit ihm.

DG: Das hört sich an, als würden wir perfekt werden...
PF: Nein, wir sind nicht perfekt. Wir machen immer noch Fehler. Aber wir lernen aus diesen Fehlern und umarmen unsere Unvollkommenheit mit großer Güte und Mitgefühl. Wir wandern mit einem offenen Herzen und einem offenen Geist. Wir sind da, wenn wir gebraucht werden. Wir dehnen unsere Liebe aus auf diejenigen, die sie brauchen, ohne dass wir irgendwelche Bedingungen stellen.

DG: Wie erreichen wir spirituelle Meisterschaft?
PF: Das Potenzial, um spirituelle Meister zu
sein, haben wir alle, aber wir realisieren dieses Potential nicht, wenn wir uns nicht einer spirituellen Praxis verpflichten. Eine Praxis hilft uns, spirituelle Prinzipien zu verinnerlichen, so dass wir sie in unserem Leben anwenden können. Es ist nicht genug, die Wahrheit zu wissen. Wir müssen die Wahrheit sein. Spirituelle Praxis bringt uns vom Wissen zum Sein der Wahrheit. Sie bewirkt eine Integration von Kopf und Herz. Meine beiden Bücher „Die Gesetze der Liebe“ und „Leben nach den Gesetzen der Liebe“ habe ich verfasst, um Menschen dabei zu helfen, die Synergien zwischen Wissen und Sein, zwischen Geist und Herz zu erfahren.

DG: So wie ich es verstehe, ist das Arbeiten mit diesen beiden Büchern nur der Beginn deines einjährigen Trainingsprogramms, welches das Ziel hat, Menschen zu helfen, mit der wahren Kraft und Fülle ihres menschlichen Seins in Berührung zu kommen. Was hat dich an diesen Punkt geführt, ein so ambitioniertes Programm aufzustellen?
PF: Mehr als dreißig Jahre herzzentrierte spirituelle Arbeit haben mir gezeigt, was wirklich notwendig ist, um eine wahrhaftige Veränderung im Bewusstsein und in der Erfahrung einer Person hervorzubringen.
Das ist der Grund, warum ich dieses intensive Programm in spiritueller Meisterschaft entwickelt habe.
Viele Veränderungen resultieren aus diesem einjährigen Sich-Einlassen auf eine spirituelle Praxis. Die Veränderung der Teilnehmer geschieht erst unsichtbar im Inneren und dann im Außen, wenn ihr oder sein Leben in Einklang mit den neuen Energien kommt, die dieser Mensch verkörpert. Am Ende dieses Jahres wird alles, was nicht in Harmonie mit der wirklichen Essenz dieser Person ist, von ihr abfallen.

DG: Was sind die möglichen Ergebnisse, die Teilnehmer erfahren können?
PF: Die Meisten entdecken ein Gefühl für den Sinn oder das Ziel ihres Lebens und beginnen, dies aktiv innerhalb des einjährigen Zeitrahmens zu verfolgen. Sie lernen zu tun, was sie lieben zu tun. Ihre Talente und Fähigkeiten auszudrücken, und anderen dabei zu helfen, eben dies zu tun und zu wachsen und zu heilen. Ihre Unmengen von alten inneren Verletzungen beginnen zu heilen, zusammen mit der Unwürdigkeit, die sie im Zusammenhang mit diesen alten Wunden empfunden haben. Sie geben ihre Opferhaltung auf, verlassen Scham und Schande und bauen aktiv Beziehungen von gegenseitiger Liebe und Akzeptanz auf. Sie verbinden sich sehr innig mit ihrer spirituellen Familie und manche ziehen auch wirklich ihren Seelenpartner an. In der Tat, beginnen sie, ein Leben ohne falsche Begrenzungen zu führen.

Ist dies das Ende der spirituellen Reise? Nein, sicher nicht! Aber etwas sehr essentielles hat sich verändert: Wir leben aus unserem Inneren heraus, und lassen uns nicht mehr so sehr vom Außen bestimmen. Wir lassen uns von der Energie der Liebe leiten.

DG: Ich denke, du siehst diese Entwicklung für eine Menge Menschen in den nächsten Jahren. Kannst du etwas darüber sagen, in was für einer Welt wir als erwachte Menschen leben werden?
PF: Wenn wir wirklich wir selbst werden und andere als sie selbst akzeptieren können, dann werden wir zusehends als Friedensstifter und Überbringer wahrer Liebe fungieren können. Wir werden diese Welt zu einem besseren Ort machen. Wir assistieren einem kollektiven Wechsel im menschlichen Bewusstsein - von der Angst zur Liebe.
Aufgrund unserer Verpflichtung uns selbst und anderen gegenüber, kann ein goldenes Zeitalter auf unserem Planeten anbrechen. Armut, Verbrechen und Massenvernichtungswaffen können endlich verschwinden. Menschen werden dem größeren Wohl aller dienen und andere als ebenbürtig betrachten und behandeln.
Das ist die Welt, die wir zusammen aufbauen können. Jeder von uns muss lediglich einen Schritt nach vorn machen und gewillt sein,
sich mit der Liebe zu verbinden. Jeder von uns kann sein inneres Potential der spirituellen Meisterschaft entdecken und verwirklichen.

DG: Das ist eine hoffnungsvolle Vision. Danke, dass du sie mit uns teilst.

PF: Danke für deine Fragen. Namaste!