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Peggy Dylan - Göttliche Liebe ins Leben tanzen
Interview von Lucia Giovannini
Lucia Giovannini schreibt für verschiedene italienische
Magazine, u.a. für „Zeffiro“ und „Estetica
Magazines“. Das Interview wurde anlässlich Peggys
Aufenthalts in Italien während des „Sundoor Initiation
Trainings 2005“ geführt.
Lucia: Ich habe viele Fragen an dich, da ich deine ganze
Arbeit faszinierend finde. Lass uns doch mit dem Feuerlauf
beginnen: Warum sollte irgendjemand so etwas machen?
Peggy: Wenn es dich nicht stört, würde ich gerne
an einem anderen Punkt beginnen, da es eigentlich nicht um
Feuerlauf geht, obwohl er sehr viel Aufsehen erregt. Es ist,
wie wenn jemand auf den Mond zeigt und die Menschen den Mond
nicht sehen, da sie so vom Finger fasziniert sind. Der Feuerlauf
ist ein Fingerzeig auf die unglaubliche menschliche Kapazität,
Begrenzungen zu transzendieren und das ist ein ziemlich Aufsehen
erregender Finger! Es zeigt uns, dass wir so viel mehr sind,
als wir uns selbst zugestehen wollen. Aber um meine Arbeit
wirklich erklären zu können, muss ich bei meiner
Vergangenheit beginnen. Wenn es dir recht ist, schweife ich
etwas ab, denn die Feuerlaufbewegung wuchs aus einer sehr
tiefen persönlichen Neigung.
Lucia: Selbstverständlich ist das in Ordnung, denn eigentlich
bin ich viel mehr an deiner gesamten Arbeit interessiert
als nur am Feuerlauf. Vermutlich wurde ich auch von diesem
Bild des Aufsehen erregenden Fingers abgelenkt.
Peggy: Das passiert gerne beim Thema Feuerlauf; es ist aber
auch ein Teil der Schönheit dieser Arbeit. Es hinterlässt
bei uns einen tiefen Eindruck. Was mich auf diesen Pfad und
in diese Arbeit geführt hat, war, dass ich eine ältere
Schwester hatte, die starb, als ich elf Jahre alt war. Dieses
Ereignis warf mich in eine spirituelle und psychologische
Krise, zu deren Überwindung mir keiner der Erwachsenen
in meinem Umfeld Hilfestellung geben konnte. Ich war der
festen Überzeugung, dass Gott sie getötet hatte.
Mein Schmerz war so tief, dass ich beschloss, dass es zu
gefährlich wäre zu lieben bis ich Gott verstanden
hätte. Das hat mich auf eine Suche geführt, angetrieben
von meinem Schmerz, meiner Verwirrung und vom Misstrauen gegenüber
den Erwachsenen in meinem Leben. Meine Eltern, die Lehrer an
meiner Schule und die Priester der Kirche, die wir besuchten,
hatten mich, zwar gut meinend, zu einem Glauben an eine
Realität geführt, der offensichtlich falsch war.
Ich konnte nicht mit der Realität umgehen, dass Gott
Familien auseinander reißt und auch nicht mit der
Tiefe der Schmerzen und der Zweifel, die dadurch entstanden.
Keine der Plattitüden, die man Kindern bei solchen
Gelegenheiten vorsetzt, konnte mich trösten.
Lucia: Dann war es also wie bei vielen Lehrern, die aus der
allgemeinen Spur menschlichen Denkens ausbrachen, dass deine
Suche mit einer Krise begann?
Peggy: Ja, dieser tiefe Schmerz war der Anfang meiner Suche
und brachte mich dazu, Fragen zu stellen. Fragen, die, wie
ich später herausfand, von den Mystikern aller Zeiten
gestellt wurden: „Was ist Gott? Warum sind wir hier?
Was ist Liebe? Was ist unsere Beziehung zu Gott? Wohin gehen
wir, wenn wir sterben? Worum geht es hier eigentlich?“ Es
gab einfach niemanden, an den ich mich mit diesen Fragen
wenden konnte. Ich habe es versucht, aber kein Erwachsener
konnte mir diese Fragen zu meiner Zufriedenheit beant-worten.
Also ging ich täglich viele Stunden in die Wälder
spazieren und fragte mich diese Fragen. Ungefähr
ein Jahr später, als ich zwölf Jahre alt war und
mittendrin, meine gesamte Realität zu hinterfragen,
hatte ich ein spontanes Erleuchtungserlebnis, das mir soviel
Klarheit brachte und mein Herz wieder öffnete.
Lucia: Kannst du mir etwas mehr über dieses Erleuchtungserlebnis
sagen?
Peggy: Es ist zu schwierig, darüber in wenigen Sätzen
zu sprechen. Es genügt, wenn ich sage, dass es mir gezeigt
hat, dass alles Gott ist und wir selbst das Göttliche
in Gestalt sind. Nach diesem Erlebnis begann meine Suche
ernsthaft. Obwohl ich nur einen flüchtigen Blick auf
die grundlegende Wahrheit von Sein und Maya geworfen hatte
und ich fühlte, wie mein Herz in diesem Prozess heilte,
brachte es mich in Verwirrung, in einem pubertierenden Körper
zu sein, mit dem Wissen, dass in unserer Kultur weit und
breit niemand da war, der mir helfen konnte. Dieses Wissen
zu integrieren, brachte mich in einen Zustand, der fast so
schlimm war wie der zuvor. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen
und zu dieser Zeit war in Europa – genau wie in den
Vereinigten Staaten – Erleuchtung und die Wahrheit
menschlicher Transzendenz innerhalb der allgemeinen Kultur
noch nicht einmal als Möglichkeit anerkannt. So ist
also seit meiner Kindheit die Erforschung der Reichweite
menschlicher Kapazität meine Leidenschaft. Anders als
viele andere in diesem Bereich fing ich mit dem Wissen an
und suchte dann nach der Möglichkeit dies anzuwenden.
In anderen Worten: Was kann ich als menschliches Wesen mit
diesem Verständnis leisten, statt, wie kann ich dieses
Wissen und die Erfahrung, die göttliche Energie zu sein,
erreichen? Das brachte mich dazu, mit Gurus aus Indien in
meiner Teenager-Zeit, mit Medizinleuten der Ureinwohner Amerikas
in meinen Zwanzigern zu studieren, jahrelang in der Wildnis
Kanadas zu leben und mit jedem zu studieren und zu arbeiten,
den ich finden konnte, der einen Teil der Essenz begriffen
hatte. Ich warf mich voll und ganz in diese Erfahrung: Leben.
Langsam lernte ich so, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die
Frage für mich war: Wir wissen also, dass wir grundsätzlich
ein unendlicher Ausdruck des Göttlichen sind, dass die
menschliche Daseinsform aber zeitlich begrenzt ist. Wir haben
diese Wahrheit also berührt, doch was machen wir nun
mit diesem Wissen?
Lucia: Wie hat dein Lehren und deine eher dramatischen Methoden
diese Richtung unterstützt?
Peggy: Man nennt mich eine praktische Mystikerin, weil ich
nicht viel Interesse daran habe, über philosophische
Fragen zu sprechen, wohl aber über die praktische Anwendung
unseres Wissens. Wie wirst du für dich selbst die Erfahrung,
Mensch zu sein, transformieren, dafür sorgen, dass Beziehungen
funktionieren, Kinder aufzuziehen in Harmonie und Freude,
Balance in Umwelt und Ökologie schaffen, der Liebe erlauben,
in deinem Leben zu erblühen und auch dem menschlichen
Bewusstsein und seiner Schönheit erlauben, auf diesem
Planeten ohne Unterdrückung zu gedeihen? In anderen
Worten: Wie wirst du deinen Glauben über das Leben und über
das Unendliche herausnehmen aus den Bereichen der Phantasie
und netter tröstlicher Gedanken, um sie in der Realität
um dich herum zu manifestieren? Wie wirst du das, wovon du
sprichst, umsetzen? Das ist der Punkt, an dem meine Methoden
und natürlich der Feuerlauf ins Spiel kommen: Das ultimative
Symbol dafür, den Weg zu gehen, von dem du sprichst.
Lucia: Da steckt offensichtlich mehr dahinter, als ich dachte.
Wie verwendest du deine Methoden, um Menschen zu helfen,
mehr praktisch zu werden mit ihrer Spiritualität?
Peggy: Lass mich erst mal mit ein bisschen Feuerlaufgeschichte
beginnen. Viele Leute wissen gar nicht, dass Feuerlaufen
und Feuertanzen ein Teil der menschlichen Erfahrung ist,
seit den Zeiten bevor Geschichte aufgezeichnet wurde. Man
weiß, dass Feuerlauf von brahmanischen Priestern vor über
viertausend Jahren praktiziert wurde. Auch Mönche in
Tibet gingen über Feuer. Es gab transzendierende und
heilende Feuerlaufrituale im vorkolonialen Afrika, und in
vorrömischer Zeit gab es in Italien Tempel, in denen
Feuerläufe stattfanden. Als die Missionare in den Vereinigten
Staaten ankamen, entdeckten sie, dass die amerikanischen
Ureinwohner Feuerlaufrituale pflegten, die zur Heilung oder
zur Stärkung abgehalten wurden. Die Kahunas, die Mystiker
der Hawaiianischen Inseln, gingen über rot glühende
Lava und in Fidschi ging man über heiße Steine.
In Bali waren es Kinder, die über das Feuer gingen,
um die Essenz der Götter zu den Stämmen zu bringen.
Bleiben noch die Wikinger zu erwähnen, die Feuertänzer
Griechenlands und die buddhistischen Feuerläufer in
Sri Lanka, Japan und in vielen anderen Ländern.
Lucia: Dann ist Feuerlauf also uralt und nicht erst aus der
New-Age-Bewegung entstanden?
Peggy: Ganz genau, es hat uralte und tiefgehende Wurzeln
in der menschlichen Erfahrungswelt. So müssen wir uns
also fragen: Warum würde so etwas über so lange
Zeit in der menschlichen Erfahrungswelt überdauern,
so viele tausend Jahre in so vielen unterschiedlichen Ritualen
und Kulturen? Was macht es für uns Menschen? Was hat
uns so lange daran fasziniert? Und die Antwort kommt zu uns
durch einen steinzeitlichen afrikanischen Stamm, der den
Feuerlauf im Kontext eines kraftvollen physischen Heilungsrituals
vollzieht. Dieser Stamm sagt, was Feuerlauf möglich
macht, ist die Tatsache, dass in diesem Augenblick unser
menschliches „Num“ dem „Num“ des
Feuers gleichen muss. Die beste Übersetzung des Wortes „Num“ in
Ihrer Sprache ist Energie. Wenn die menschliche Energie der
Energie des Feuers gleicht, können wir unverletzt darüber
gehen. Feuerlauf ist eine Praktik, die uns lehren kann, unsere
menschlichen Beschränkungen zu transzendieren und uns
in eine tiefere universelle Energie eintreten zu lassen.
Die verschiedenen Kulturen haben die Energie des Feuers dazu
genutzt, erstaunliche Heilungsrituale zu entwickeln, transzendente
Zustände in den Teilnehmern ihrer Tänze zu schaffen,
ihre Verbindung zum Göttlichen zu erhalten oder ihren
Kriegern die Macht zu siegen zu verschaffen. Anders ausgedrückt:
Der Feuerlauf ist ein Tor zu einer Energie, die normalerweise
für uns Menschen nicht zugänglich ist und die wir
dann zugunsten unser selber, unserer Familie und der Menschheit
nutzen können. Bis jetzt habe ich nur über den
Feuerlauf gesprochen. Aber die anderen Methoden, die ich
verwende, die ich auch in meinen Vorträgen nutzen kann,
erreichen genau dasselbe.
Diese Methoden energetisieren uns nicht nur, sie lehren uns
außerdem, dass viele unserer Begrenzungen selbst auferlegt
sind und sie bilden Vertrauen in unsere Möglichkeit,
für unsere Träume zu gehen. Diese uralten Rituale,
wiedergeboren in unserer Kultur, sind ein wunderschönes
Beispiel, eine Affirmation für den Fakt, dass sogar
wir mit unserer abendländischen Erziehung unsere Konditionierungen
transzendieren können, um die Magie, die Schönheit,
das Feuer und die Leidenschaft für die göttliche
Liebe wieder in unser Leben zu tanzen; dass wir lernen können,
wieder in Verbindung mit dieser Energie zu leben und ihr
zu erlauben, ein Teil unseres sehr physischen und realen
Lebens zu sein.
Lucia: Viele nennen dich die Mutter der westlichen Feuerlaufbewegung.
Wie kam es dazu?
Peggy: Wie ich vorhin schon sagte: Mein Interesse galt immer
dem Lernen, wie wir menschliche Begrenzungen transzendieren
können und wie wir unser spirituelles Verständnis
und die Energie in unser Leben bringen können. Als ich
in den frühen 80er Jahren den Feuerlauf kennen lernte,
wurde er immer noch als geheimes Ritual praktiziert. Er hinterließ einen
so tiefgründigen Eindruck bei mir und mir wurde klar,
dass ich diese Erfahrung leichter zugänglich machen
musste. Die anderen Methoden, wie das Pfeilbrechen von Fidschi,
kamen ein paar Jahre später hinzu. Ich glaube, dass
wir in einer Zeit leben, in der Menschen mit spiritueller
Orientierung, die Sanften, die Liebevollen, die Leute, die
so etwas wie eine Ethik für die Umwelt empfinden, die,
die an eine sanftere Vision für die Menschheit glauben,
nach vorne treten müssen. Diese Menschen müssen
aussprechen, was sie bewegt und dafür einstehen. Wir
leben nicht in einer Zeit, in der wir uns in Höhlen
und Ashrams zurückziehen können, ganz egal wie
verlockend dieser Gedanke manchmal auch sein mag! Es ist
eine Zeit, in der die Bedürfnisse der Erde nach unseren
Visionen, nach unseren Taten rufen. Ich fühlte, dass
diese uralten, dramatischen Methoden ein kraftvoller Weg
sein würden, um Menschen mit einer spirituellen Vision
zu ermutigen, eine Möglichkeit, sie zu lehren, dass
sie die Kraft haben, einen Unterschied zu machen und ihnen
die Methoden zu geben, es auch zu tun. 1984 begann ich dann
Menschen zu lehren, Feuerläufe zu leiten. Damit war
die Bewegung geboren und ich kam zu diesem Titel. Du weißt
ja, dass die Bibel sagt, dass die Sanftmütigen die Erde
erben… Ich habe beschlossen, hier etwas mitzuhelfen.
(Peggy lacht)
Ich dachte, es ist unsere Zeit und so hat mein „Initiation
Training“ und „Firewalk Instructors Training“ so
vielen sanftmütigen, freundlichen, liebevollen Menschen
den Mut, das Vertrauen in sich selbst und die kraftvollen
Werkzeuge gegeben, um tatkräftig dabei mitzuwirken,
wenn wir die Schönheit der Menschheit zurückfordern
und wieder Balance auf diese Erde zurückbringen. So
viele gute Menschen würden es gerne anders machen, möchten
ein Leben in Harmonie führen mit ihrem Glauben, aber
wissen einfach nicht, wie sie es anfangen sollen. Es ist
wirklich unglaublich aufregend, Menschen zu sehen, die normalerweise
ein stilles Leben führen würden und nun auf einmal
aufstehen und aussprechen, was sie bewegt. Menschen, die
niemals zuvor auch nur daran gedacht haben, in eine Lehrerrolle
zu gehen, leiten plötzlich jede Form von Gruppen. Es
ist faszinierend zu sehen, wie spirituell orientierte Menschen
diese kraftvollen Methoden nutzen, die Menschheit ihrem Traum,
was Leben wirklich sein kann, näher zu bringen. Der
Feuerlauf, der ein Segen für viele Kulturen war und über
Tausende von Jahren heilsam und stärkend wirkte, war
auch für mich ein echter Segen, hat mir das Geschenk
gegeben, die Heilung und Stärkung an viele andere weiterzugeben
und meinen Traum für die Menschheit einen feurigen Schritt
nach dem anderen näher an die Realität zu bringen.
Lucia: Ich habe heute viel Neues von dir gehört und über
deine Arbeit gelernt. Herzlichen Dank für deine klaren
und offenen Antworten.
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