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Chandana - Gefühle
kommen und gehen lassen
Frage: Wie soll ich
mit meinen Gefühlen umgehen? Ich habe
gehört und gelesen, dass wir nicht unsere Gefühle sind.
Aber sie sind ja doch da, was kann ich also tun?
Chandana: Gefühle sind Teil der menschlichen Erfahrung.
Jedes menschliche Wesen hat Gefühle, mehr oder weniger intensiv,
mehr oder weniger bewusst. Die allermeisten Ängste agieren
aus dem Unbewussten und die gegenwärtige besorgniserregende
Situation auf unserem Planeten ist vor allem das Ergebnis dieser Ängste.
Die angenehmen Gefühle machen natürlicherweise nicht
zu schaffen, aber was tun mit den unangenehmen Gefühlen?
Wir haben, als wir jung waren, allen möglichen Quatsch gelernt,
aber nicht, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen können.
Letztendlich haben wir gelernt, unser Leben mittels des Verstandes
im Griff zu halten, was einerseits gut funktioniert, andererseits
das eigentliche Leben, nämlich Liebe, Freude, Frieden, Kreativität
abtötet.
Wann immer du starke Gefühle empfindest, gehst du damit
gewohnheitsmässig in den Kopf, in die Ebene des Mentalen.
Du analysierst, du hast einen Schuldigen, der im Geiste Vorwürfe
erhält, du lamentierst und vor allen Dingen leidest du.
Du leidest unter dieser Verstandestätigkeit, da jeder dieser
Gedanken wiederum eine schmerzhafte Reaktion im Körper auslöst.
Diese Reaktion bringt noch mehr Gedanken hervor und du befindest
dich in einem Teufelskreis, dem du dann nur mit massiven Ablenkungsstrategien
entfliehen kannst. Das ist der Grund, warum die Unterhaltungsindustrie
so boomt: Ein Grossteil der Menschheit ist randvoll mit unerträglichem
Leiden.
Ich schlage vor, das Gefühl zu fühlen. Warum? Weil
es da zu sein scheint. Wenn du verstehen möchtest, wenn
du Wahrheit möchtest, was der tiefste Impuls deines Herzens
ist, dann existiert eine grosse Bereitschaft in dir, dich allem
zu stellen, was jetzt hier da ist, auch wenn es nicht angenehm
ist.
Also kannst du dir das Gefühl ansehen. Der Verstand wird
weiterhin versuchen, die Sache mittels Gedanken in den Griff
zu bekommen. Höre nicht auf ihn, lass ihn reden, aber höre
nicht darauf. Schaue direkt nach dem Gefühl. Wo fühlst
du es im Körper? Alle Gefühle zeigen sich im Körper.
Also wo fühlst du es jetzt? Schmerzhafte Gefühle drücken
und kontrahieren, wir fühlen sie als unangenehme Empfindungen
im Körper, z. B. im Rücken, im Schulterbereich, in
den Augenhöhlen, im Herzbereich, im Bauch, manchmal im ganzen
Körper, manchmal in verschiedenen Bereichen. Oft gibt eseinen
Platz, wo du die Empfindung am stärksten fühlst.
Gehe so total wie möglich in diese Empfindung hinein,
so, als seiest du mittendrin und um dich herum ist diese Empfindung.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du in der Mitte bist, macht
das nichts. Wichtig ist, dass du so vollkommen wie nur möglich
bei dieser Empfindung im Körper verharrst. Dies ist ein
direktes Treffen dessen, was wir Gefühl nennen. Und wann
immer wir unser Bewusstsein vollkommen und direkt auf etwas
richten, landen wir sofort im Frieden, in der Stille, im Sein.
Vielleicht fühlst du dann immer noch ein wenig Schmerz
im Körper, weil der Körper oft etwas langsam ist.
Aber..., da ist wundervoller unendlich friedlicher Raum in
dir und das bisschen Schmerz ist hier einfach willkommen, es
schwebt im grenzenlosen Sein.
Dies mag wie eine Methode aussehen, eine Technik. Aber es ist
ganz einfach Bewusstsein – das, was du bist, Bewusstsein,
das Gefühl als Tor benutzt, um wieder zu sich selbst zu
kommen, um aufzuwachen. In Wahrheit tust du gar nichts, da
ist nur das wache Gewahrsein.
Mittels des Verstandes identifizieren wir uns mit Gefühlen,
im genauen Hinsehen löst sich die Identifikation auf,
das scheinbar wahre Gefühl kehrt zur Quelle zurück,
kehrt zu dir zurück, zu dem, die/der du wirklich bist.
So siehst du, dass du nicht das Gefühl bist, sondern etwas
Unendliches, Friedliches, Unermessliches.
Gefühle kommen und gehen, das ist so, wenn man in einem
menschlichen Körper steckt. Gefühle sind nichts Verkehrtes,
sie sind letztendlich nur Gefühle, Phänomene wie
Wolken am Himmel. Wir haben nur gänzlich unbrauchbare
Informationen bekommen, wie wir das Leben leben können.
Jetzt können wir neu beginnen. Experimentiere, schau selbst!
Frag dich: Wer hat dieses Gefühl? Jede Situation des Lebens
kann eine Tür nach Hause werden, wenn wir wach und unvoreingenommen
hinsehen.
Frage: Was ist Spiritualität?
Chandana: Spiritualität ist ein Begriff, der wie kein
anderer so entsetzlich missverstanden wird, dass es besser
ist, ihn gar nicht zu gebrauchen. Aber wir können versuchen,
Licht in das Dunkel zu bringen. Seit es Menschen gibt, gibt
es die Frage, dass es doch mehr geben muss als nur das, was
unsere Augen sehen können, mehr als man schmecken, tasten
und riechen kann. Auch früher schon war die Freude jenseits
allen Begreifens, wenn ein Baby geboren wurde. Und der Tod
hat von jeher den Menschen tief getroffen. Von Anbeginn bis
heute suchten und suchen Menschen nach Erklärungen, nach
einem tieferen Verstehen, was Leben und Tod bedeutet, ob da ein
Sinn dahinter steht. Lange glaubte man an Götter, die man
für
sehr machtvoll hielt und die man mit Opfern immer wieder gnädig
stimmen musste. Dann glaubte man dem christlichen Gott und
Allah, der moslemischen Variante. Ein sowohl liebevoller, als
auch strafender Übervater, der in den Köpfen der
Menschheit, und zwar nur dort, bis in unsere heutige Zeit überlebt
hat. Aber schon vor Tausenden von Jahren gab es überall
auf dem Planeten tiefste Einsichten in die Wahrheit des Seins.
Alle grossen Religionen sind aus diesen Erkenntnissen entstanden.
Aber diese Religionen entwickelten sich immer zu einer Secondhand-Spiritualität,
da „Fachleute“ in Sachen Spiritualität, genannt
Priester, ohne eigenes inneres Verstehen nur die „wahren“ Worte
wiederholten und sich damit Machtpositionen schaffen konnten.
Die Quelle aller Religionen ist die Gleiche. Aber trotz der
Verzerrungen und falschen Aussagen und Übersetzungen gab
und gibt es auch immer Menschen, die den Zugang zur Quelle
wieder gefunden oder nie verloren haben.
Die Quelle, das Sein, Wahrheit oder das wahre Selbst oder das
wahre Ich kannst du erfahren, sehen, wiedererkennen. Es ist
nichts, das man sich vorstellt und woran man glaubt, sondern
es ist etwas zum Wiederfinden, als das, was du bist. Sicherlich
gab es auch zu allen Zeiten Menschen, die durch tiefen Glauben
und eine ehrliche Hingabe des Herzens existenziellen Kontakt
mit dem Göttlichen bekamen. Aber in unseren Zeiten passiert
ein wundervolles Phänomen, nämlich dass immer mehr
Menschen einfach aufwachen, einfach sehen, wer sie wirklich
sind.
Lass uns einfach noch etwas tiefer schauen: Was ist die Quelle,
was ist das Göttliche, das innere Sein, die unsterbliche
Essenz allen Lebens? Wie kannst du DAS in dir sehen? Indem
du dich einfach auf das Risiko einlässt und einmal vollkommen
still bist, kein Gedanke, nichts! Du wirst nicht tot umfallen,
sondern du siehst, dass da Stille in dir ist und diese Stille
keine Grenzen hat. Und du kannst sehen, dass da niemand ist.
Kein „Ich“, kein Jemand, nur Stille und Frieden.
Dieses Experiment kannst du genau jetzt machen. Aber vielleicht
bekommst du Hunger oder das Telefon klingelt und schwupp, bist
du wieder in der altvertrauten Situation deines gewöhnlichen
Lebens. Aber du hast vielleicht einen kleinen Geschmack davon
bekommen, dass da „mehr“ ist..., und eine Sehnsucht
nach diesem göttlichen Geschmack
entflammt in dir. Dieser kleine Geschmack ist das Wertvollste
in deinem Leben. Du musst jetzt eigentlich garnichts mehr
tun, als nur nach dem kleinen Geschmack zu sehen, nur immer
wieder ganz still sein, immer wieder hier ins Jetzt kommen.
Der kleine Geschmack besorgt dann den Rest. Er macht die
ganze Arbeit. Du musst nur immer bei ihm bleiben.
Irgendwann bemerkst du, dass du dich in der grössten Liebesgeschichte
deines Lebens befindest, jenseits aller Vorstellungen. Das
innere Sein, die Quelle scheint dein kleines Menschsein immer
zu umarmen. Und immer, wenn du dich verstrickt fühlst
und du es bewusst fühlst und annimmst, kommst du wieder
nach Hause zum inneren Sein. Da gibt es keine Trennung zwischen
dem unendlichen Sein und dem, was da in Form, was Mensch ist.
Es ist eins. Das, was in Form ist, ist geboren aus dem, was
immer ohne Form ist.
Rumi drückt es so aus: „Im selben Augenblick, da
ich meine erste Liebesgeschichte hörte, fing ich an, nach
dir zu suchen, ahnungslos, wie blind das war. Liebende begegnen
sich nicht irgendwo. Sie sind immerzu ineinander.“
Das ist wahre Spiritualität. Aber wozu es benennen? Das
Beste ist, du schaust selbst nach.
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